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| Ein Lernmarathon startet |
Das vierte vorklinische Semester ist nun beendet und die Scheine liegen endlich alle auf meinem Schreibtisch, jetzt nur noch alles fristgerecht beim Landesprüfungsamt einsenden und los geht der Lernmarathon.
Ein Blick in den Kalender bringt die erschreckende Erkenntnis: bis zur schriftlichen Prüfung sind es nur noch fünfeinhalb Wochen! Schnell ist der erste grobe Lernplan gemacht und mir wird klar, dass die Zeit an allen Ecken knapp ist.
Also schnell Bücher der Schwarzen Reihe einkaufen und den Examen-Online Zugang einrichten, damit das Kreuzen beginnen kann. "Kreuzen" meint das Lösen der Multiple-Choice-Fragen vergangener Physika, die von verschiedenen Verlagen und Gruppen Jahr für Jahr fleißig gesammelt werden.
| Nicht lang überlegen- Ran an den Speck |
Die Devise heißt für mich nun also: viel Stoff in kurzer Zeit in die Hirnwindungen zu befördern. Da das Physikum die Fächer unterschiedlich gewichtet, gibt zu größeren Fächern wie Anatomie deutlich mehr Fragen als zu rein vorklinischen Fächern wie Physik, Chemie usw.
Deswegen nehme ich mir zuerst wochenweise die Ungeheuer der Vorklinik zur Brust: Anatomie, Biochemie, Physiologie. Seite um Seite, Tag um Tag bearbeite ich verschiedenste Sachverhalte, manche schnell und effektiv, andere dagegen in mühevoller Kleinarbeit.
Nach drei Wochen bemerke ich die ersten Motivationsschwankungen, das Lernen wird eintönig und der Kopf ruft nach Abwechslung. Ich merke, dass die Tipps erfahrener Studenten und Ärzte à la "Pausen sind wichtig" eine Menge Wahrheit enthalten.
| Raus aus der Lernhöhle und an die frische Luft |
Nachdem ich erste Ermüdungserscheinungen verspüre, entscheide ich, Körper und Geist mal wieder auf Vordermann zu bringen, denn wenn der Kopf nicht frisch ist, nützt das stundenlange Brüten über Büchern nicht so viel.
Zuerst gönne ich mir eine Pause vom Lernen und dann heißt es Ausgleich schaffen: morgendliches Laufen oder Schwimmen würde ich jedem weiterempfehlen- danach lernt ihr schneller und intensiver, spart also letztendlich doch Zeit.
Die Kontakte zu Freunden, Freundinnen, Verwandten usw. solltet ihr pflegen und nicht vernachlässigen, dies gibt eine Menge Kraft und wirkt positiv auf eure Regeneration.
| Vollgas auf der Zielgeraden- die letzten zwei Wochen |
Wenn die Substanz wieder hergestellt ist, gebe ich auf dem letzten Lernabschnitt vor der schriftlichen Prüfung wieder Gas. Ich kreuze im Internet die Physika der letzten Jahre und lasse mich von noch nicht ganz ausgereiften Ergebnissen nicht entmutigen.
Eine sehr gute Orientierungshilfe sind die Telefonate oder Treffen mit Kommilitonen. Wir vergleichen unseren Wissensstand, geben uns Lerntipps und spornen uns gegenseitig an. Als nächstes nehmen sich viele Studenten auch die Fächer aus dem ersten und zweiten Semester wie Physik und Chemie vor, um das Wissen zu vervollständigen.
Die Tage sind so dicht gepackt, dass ich mich plötzlich kurz vor der schriftlichen Prüfung wiederfinde und erstmalig weht mir der Wind vom Ende des Tunnels entgegen.
| Die schriftliche Prüfung |
Das schriftliche Physikum wird in mehreren großen Sälen in und um Bonn geschrieben. Ich erwische das unter Bonnern sehr bekannte "Brückenforum", eine große Fest- und Veranstaltungshalle, die der Wichtigkeit der Prüfung gerecht wird.
Das schriftliche Physikum fragt alle Fächer des vorklinischen Studienabschnitts ab. Die geschieht in 320 Multiple-Choice-Fragen, die auf zwei aufeinanderfolgende Tage verteilt sind.
Am ersten Tag geht es um die Fächer Physik und Physiologie, sowie Chemie und Biochemie. Nachdem sich die erste Aufregung gesetzt hat, finde ich viele gelernte Thematiken in den gestellten Aufgaben wieder und gewinne eine erste Sicherheit.
Dabei bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen, sodass die vier Stunden förmlich verfliegen. Am zweiten Tag geht es um Biologie und Anatomie, Soziologie und Psychologie.
Wieder ist allen Studenten die Anspannung anzumerken, bis die ersten Aufgaben gelöst sind. Danach geht mir das Lösen immer leichter von der Hand.
Gerade als ich die letzten Aufgaben löse und die ersten Glücksgefühle aufkommen, werden wir erinnert, unsere Lösungen aus dem Aufgabenbuch auf die Lösungszettel zu übertragen und bald die Lösungen abzugeben. Jetzt aber schnell!
Nach der Prüfung steht zur Feier des Tages ein schönes Essen auf dem Programm und dann ist die mündliche Prüfung auch nicht mehr weit.
| Die mündliche Prüfung |
Kurz nach der geschriebenen Prüfung flattert die Einladung zur mündlichen Prüfung ins Haus, sodass ich mich nach einem Tag Pause am Schreibtisch wiederfinde. Geprüft werden die Fächer Anatomie, Biochemie und Physiologie.
Die Prüfer sind in der Prüfungseinladung angegeben, sodass ich gezielt Themenbereiche vertiefe, auf die meine Professoren besonderen Wert legen. Am Tag der Prüfung treffe ich meine drei Mitprüflinge und wir werden von drei Professoren in einen separaten Raum gebeten.
Geprüft wird in ruhiger und angenehmer Atmosphäre, die Professoren sind bemüht, das Gelernte aus den tiefsten Ecken unserer nun voll beladener Köpfe abzurufen. Nach vier Studenten voller Konzentration und einem wilden Ritt durch das gesamte Vorklinik-Wissen, werden wir gebeten, den Raum zu verlassen.
Die Prüfer beraten sich, während wir uns draußen freuen, es hinter uns gebracht zu haben. Nach zehn Minuten werden wir wieder hineingebeten und erfahren die Ergebnisse der mündlichen Prüfung.
Ich höre das Wort "bestanden" und freue mich sehr über das Ergebnis. Draußen beglückwünschen wir uns gegenseitig- und ich realisiere: die mündliche Prüfung ist geschafft!
| Freudige Nachricht im Urlaub |
Da das Ergebnis der schriftlichen Prüfung noch einige Wochen auf sich warten lässt, gönne ich mir in der Zwischenzeit einen Urlaub und per Telefon erreicht mich die sehr schöne Nachricht- auch die schriftliche Prüfung ist bestanden- jetzt kann richtig gefeiert werden!
Ein Lernmarathon geht zu Ende und ich überquere in diesem Moment glücklich die Ziellinie- mit dem Physikum in der Tasche! Abschließend kann ich sagen, dass die erste Ärztliche Prüfung nicht einfach ist, aber mit viel Arbeit, Disziplin und auch Willen auf jeden Fall bezwingbar ist. Allen Physikumsanwärtern drücke ich herzlich die Daumen!
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