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Artikel vom 19. 03. 2010

Anatomie: Der spannende Start ins Medizinstudium

Eine Sammlung kleiner Erfolgserlebnisse

Anika Wolf

Abi geschafft, Medizin-Studienplatz in der Tasche und auf geht's zum ersten Uni-Tag. Neugierig und gespannt nehme ich all die neuen Eindrücke auf. Doch meine wichtigste Frage lautet: Wann geht es endlich los mit der Anatomie? Einige Wochen später ist es soweit: Plötzlich stehe ich im Präpsaal und auf jeden Tisch liegt eine blaue Folie, unter der sich die Konturen eines menschlichen Körpers abzeichnen.

Übersicht


Das erste TestatNach oben hoch

Im Fach Anatomie stehen in den ersten Wochen des Semesters Vorlesungen und Histokurs auf dem Plan. Die Makroskopie ist zunächst noch freiwillig: Vorsichtig habe ich mir die Feuchtpräparate im Präpsaal angeschaut und darüber gestaunt, wie komplex so ein Mensch aufgebaut ist. Zusätzlich habe ich viele neugierige Fragen, die mir die Tischdozenten beantworten sollen: Welche Arten von Gewebe gibt es und woran erkenne ich sie unter dem Mikroskop? Wie ist ein Gelenk aufgebaut? Und wie entsteht aus zwei Keimzellen überhaupt ein Mensch?

Wenige Wochen später kam das erste Testat auf mich zu: All das neue Wissen der allgemeinen Anatomie, der Histologie und der allgemeinen Embryologie sollte ich möglichst überzeugend dem Prüfer präsentieren. Jeder hat ein mikroskopisches Präparat oder ein elektronenmikroskopisches Bild bekommen - ich beides. Schließlich musste ich noch ein paar Fragen zur Embryologie beantworten und schon habe ich das erste Testat erfolgreich hinter mich gebracht.


Der PräpkursNach oben hoch

Während ich noch für das erste Testat gelernt habe, startete Ende November der Präpkurs, das von mir am längsten erwartete Ereignis. Unsere Tischdozentin hatte meine Gruppe schon eine Woche zuvor in den Präpsaal der Zweitsemester geführt, um uns einen ersten Eindruck zu vermitteln, wie es sich anfühlt, in einem Saal voller Toten zu stehen.

Nun waren die Tische im Präpsaal nicht mehr leer! Auf jedem Tisch lag eine blaue Folie, unter der sich die Konturen eines menschlichen Körpers abzeichneten. Langsam haben die Tischdozenten die blaue Folie zurückgezogen und den Blick auf die erste "richtige" Leiche freigegeben, die ich jemals gesehen hatte. Jedem von uns sind wohl tausend Gedanken durch den Kopf gegangen als wir auf die leblosen Körper geschaut haben.

Nach einem Moment des Innehaltens haben meine Gruppe und ich uns mit der Leiche vertraut gemacht:

 Alter und Gewicht schätzen
 nach sichtbaren äußeren Verletzungen absuchen
 Auffälligkeiten registrieren

Nachdem wir den Körper genau inspiziert hatten, haben wir mit dem Abpräparieren der Haut begonnen. Was ich anfangs noch sehr spektakulär fand, hat sich sehr schnell zur Routine entwickelt - erschreckend, wie schnell man sich daran gewöhnen kann, an einem Menschen zu präparieren.

Und wie viel es an einem Präparat zu lernen gibt! Für das zweite Anatomietestat zu Ende des ersten Semesters habe ich mit aufgeschlagenem Prometheus stundenlang im Präpsaal gesessen und erkannt: Ein Mensch hat eindeutig zu viele Muskeln, Nerven und Gefäße, und diese sind auch gar nicht so schön übersichtlich wie im Anatomieatlas aufzufinden. Aber gut an der Anatomie finde ich, dass man oft kleine Erfolgserlebnisse hat. Wem bereitet es nicht ein gutes Gefühl, in dem ganzen Gewirr einen bestimmten Nerven zu finden und ihn dann auch noch benennen zu können.


Von einem Testat zum nächstenNach oben hoch

Lange Zeit für Freude bleibt mir nicht, denn schon muss ich für das nächste Testat lernen. Der Lernstoff wird von mal zu mal mehr, und der Stress wird natürlich auch immer größer. Dazu erhöhen die Horrorgeschichten von riesigen Durchfall-Quoten den Druck noch zustätzlich. Aber wie so oft: Man macht sich eine Menge Gedanken und zum Schluss ist es dann doch gar nicht so schlimm. Zehn Minuten Prüfung - und schon habe ich ein weiteres Anatomietestat erfolgreich bestanden.


Auf zum nächsten Kurs!


Annika Wolf studiert Medizin in Giessen und ist Via medici online-Lokalredakteurins.


 

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