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Artikel vom 02. 02. 2011

Verdachtsdiagnose: Kindesmissbrauch

Neue Kinderschutzambulanz an der MHH

Annika Simon

Warum hat dieser Säugling so viele Wunden? Wird meine kleine Patientin vielleicht von ihrem Stiefvater misshandelt? Bei solch heiklen Vermutungen fühlen sich viele Ärzte unsicher und allein gelassen. Die neue Kinderschutzambulanz in Hannover soll ihnen ab jetzt zur Seite stehen.

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Übersicht


Hyperaktiv mit blauen FleckenNach oben hoch

Als ich gemeinsam mit einer Oberärztin aus der Kinderklinik die vierjährige Marina untersuchte, wirkte sie sehr lebhaft und zappelte ständig herum. Außer einigen blauen Flecken schien der kleinen Patientin nichts zu fehlen. Nur die auffallend junge Mutter wirkte leicht unterernährt und machte einen unsicheren Eindruck.

Warum also musste Marina bei gutem Allgemeinzustand stationär aufgenommen werden? Sind ein paar Kratzer und Flecken nicht völlig normal in diesem Alter?

Das Rätsel löste sich schon wenig später bei der Nachbesprechung meiner Hospitation: Es bestand der dringende Verdacht auf Kindesmisshandlung, der nun in Zusammenarbeit mit Rechtsmedizinern abgeklärt werden sollte.


Ein Gutachten kann Klarheit schaffenNach oben hoch

Stellt ein Arzt bei untypischen Verletzungen die Verdachtsdiagnose Kindesmisshandlung, kann ein rechtsmedizinisches Gutachten Licht ins Dunkel bringen. Denn sollte sich der Arzt irren, kann eine offen verkündete, aber auch nur vage Vermutung unangenehme Folgen für die betroffenen (unschuldigen) Eltern haben. Andererseits kann eine zu große Unsicherheit auch dazu führen, dass der Ursache auffälliger Verletzungen nicht nachgegangen wird und das Kind weiterhin unter Misshandlungen leiden muss.

Um solche Schicksale zu vermeiden und Ärzten kompetente Hilfe an die Hand zu geben, gibt es seit Januar 2011 eine neue Kinderschutzambulanz an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Gefördert durch das Land Niedersachsen, bietet das Institut für Rechtmedizin neben einer kostenlosen Beratung bei Verdachtsfällen auch einen Konsiliardienst sowie eine Hotline an.


Kinderschutz in NiedersachsenNach oben hoch

Ein wichtiges Ziel dieser neuen Beratungsangebote ist der wohnortnahe Kinderschutz, der auch das Bewusstsein der Öffentlichkeit schärfen soll. So gibt es neben der Hauptambulanz an der MHH auch eine Niederlassung in Oldenburg. Und unter der sogenannten "Hotline Kinderschutz" bieten Experten an allen Wochentagen kompetente Beratung bei der Abklärung dringender Verdachtsfälle.


"Hotline Kinderschutz": 0511/5325533

Darüber hinaus werden in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) Tele-Konsile für Mediziner angeboten, und auch ein spezielles Fort- und Weiterbildungsprogramm zum Thema Kinderschutz ist in Vorbereitung.


Ziel: eine glücklich KindheitNach oben hoch

Zusammengefasst können diese neuen "diagnostischen Hilfsmittel" in den Händen engagierter Mediziner dafür sorgen, dass die kleinen Patienten eine gesunde und glückliche Kindheit erleben.

Denn wie schon der Schriftsteller Jean Paul sagte:


"Mit einer Kindheit voll Liebe kann man ein halbes Leben hindurch die kalte Welt aushalten".

   Externer Link Kinderschutzambulanz Hannover

 

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