Ärzte-Netzwerk Mezis kritisiert den Einfluss von Pharmafirmen
Junges Bündnis gegen Lobbyismus
Annika Simon
In Zeiten knapper Kassen im Gesundheitswesen ist die Zulassung neuer Medikamente ein "heißes Eisen". Deshalb, so ein Vorwurf, wirbt die Pharmaindustrie mit zunehmend größerem Aufwand, um die Ärzteschaft von ihren Produkten zu überzeugen. Das junge Ärzte-Netzwerk "Mezis - Mein Essen zahl' ich selbst" steht diesem Vorgehen sehr kritisch gegenüber und kämpft gegen den Pharmalobbyismus an.
Übersicht
| Kampf um Marktanteile | hoch |
Jedem, der aufmerksam Zeitung liest, und allen Menschen, die in irgendeiner Form mit dem Gesundheitssystem zu tun haben, wird aufgefallen sein, dass bestimmte Themen mittlerweile zu einem echten Dauerbrenner geworden sind: riesige Haushaltslöcher, Ärztemangel und ein undurchschaubarer "Gesetzeswust" rund um die Zulassung und Verordnung von Arzneimitteln. Vor diesem Hintergrund ist der Wettbewerb in allen beteiligten Branchen enorm gestiegen, und besonders von Seiten der Pharmaindustrie herrscht heute ein rauher Kampf um die Marktanteile. So investieren viele Unternehmen Milliarden von Euro in Marketing und Anwendungsbeobachtung und sind auf fast jedem Medizinerkongress mit auffälligen Ständen und kreativen Werbegeschenken präsent.
| Fortbildungen mit köstlichem Beigeschmack | hoch |
Inzwischen unterstützen Pharmafirmen regelmäßig Symposien und Fortbildungen. Sie sorgen mit leckeren Häppchen oder einem großzügigen Festessen für einen festlichen Rahmen. Durch diese Tatsache befürchten immer mehr Ärzte und Vertreter aus der Gesundheitspolitik eine gezielte Einflussnahme der Industrie auf die Verschreibungspraxis in der Krankenversorgung. Diese Art "Lobbyismus" steht seit längerem schon in der Kritik und soll nun auch durch schärfere Gesetze reguliert werden.
Die Pharmaindustrie reagiert nun selbst auf die oben genannten Vorwürfe: Seit kurzem gibt es einen Verband mit eigener Satzung, in dem sich forschende Arzneimittelunternehmen zusammengeschlossen haben. Dieser will mit einer Art Kodex für Transparenz in der Interaktion mit der Ärzteschaft sorgen.
| Anwendungsbeobachtungen in der Kritik | hoch |
Ein großes Streitthema hinsichtlich einer vermuteten Einflussnahme auf das Verschreibungsverhalten ist die sogenannte Anwendungsbeobachtung, die nach der Zulassung neuer Substanzen sehr wichtig ist und maßgeblich von Ärzten durchgeführt wird. Dabei dokumentiert der behandelnde Arzt bei seinen Patienten die Verträglichkeit und gegebenenfalls Nebenwirkungen und leitet diese Daten an die jeweilige Pharmafirma weiter.
Fragen, die aktuell in der Politik diskutiert werden und deren Antworten Gegenstand eines neuen gesetzlichen Regelwerks werden sollen: Was passiert eigentlich mit diesen ganzen Daten? Dienen diese Studien wirklich der Forschung und somit dem Wohle der Patienten, oder versucht die Industrie lediglich, ihr neues Medikament geschickt zu vermarkten?
| Mezis gegen Pharmalobbyismus | hoch |
Auch die betroffenen Ärzte, die direkt mit der Pharmaindustrie in Kontakt stehen, setzen sich mit dem Thema des Lobbyismus intensiv auseinander. So gibt es seit 2007 mit "Mezis" ein Ärzte-Netzwerk, dass dem Einfluss der Industrie offiziell den Kampf angesagt hat. "Mezis - Mein Essen zahl ich selbst" formuliert in seiner Satzung das übergeordnete Ziel, "Schaden für PatientInnen durch unzweckmäßige Arzneiverordnungen abzuwenden und intransparente sowie irreführende Einflussnahme auf das Verordnungsverhalten offen zu legen". In einigen Bundesländern gibt es bereits Fortbildungsreihen, die ohne Pharmaunternehmen finanziert organisiert und durchgeführt werden.
| Mit mehr Transparenz in die Zukunft | hoch |
Die Interaktion zwischen Ärzten und den Pharmaunternehmen wird sicher auch in Zukunft für viel Diskussionsstoff sorgen. Die Arbeit der Organisation "Mezis" und des Verbands forschender Pharmaunternehmen kann zu mehr Transparenz verhelfen und somit das Bild von Medizinern und Pharmaindustrie in der Öffentlichkeit verbessern. Auch als Student gilt es kritisch zu bleiben und etwas genauer hinzuschauen.
| Wer mehr erfahren möchte | hoch |
Homepage von Mezis
Dachverband der forschenden Arzneimittelfirmen
Annika Simon studiert Medizin in Hannover und ist Via medici online-Lokalredakteurin.
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