Besuch in der experimentellen Chirurgie
Von Knochenbrechermaschinen und Schweinereanimationen
Carolina Mattwich
Experimentelle Chirurgie. Das klingt zunächst einmal wahnsinnig interessant! Was macht man da? Woran „schneiden die rum“? Diese Fragen stellte sich unsere Homburger Lokalredakteurin Carolina, als sie das erste Mal im Zuge der Berufsfelderkundung damit in Berührung kam. Um dem auf den Grund zu gehen, beschloss eine Gruppe von Erstsemestern, eine Führung durch die Experimentalchirurgie zu machen.
Übersicht
Bereits in der Vorlesung waren wir auf die Möglichkeit einer solchen Führung aufmerksam gemacht worden; ein Angebot, das wir freudig annahmen. Daher versammelten wir uns eines Morgens in dem modernen Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie und warteten gespannt, was kommen würde.
| Schwein in Gefahr | hoch |
Die Führung begann bereits sehr interessant. PD Dr. med. Matthias W. Laschke, der stellvertretende Direktor des Instituts, führte uns durch die Experimentalchirurgie. Er zeigte uns eine Großtier-OP, die ähnlich wie im „normalen“ Krankenhaus aufgebaut ist. Außerdem noch ein Raum, in dem man narkotisierte Mäuse unter dem Mikroskop betrachten kann; eine sehr tierfreundliche Methode, denn so muss nicht jedes Tier aufgeschnitten werden, um nur ein kleines Detail zu sehen.
Dann, mitten in unserer Führung, erschien eine Dame, die wie eine Krankenschwester gekleidet war, und teilte Dr. Laschke mit, dass es große Probleme mit einem Schwein gäbe. Daraufhin eilten wir ins Untergeschoss und sahen es. Ein narkotisiertes Schwein lag auf einem Operationstisch, und es schien Probleme zu haben.
Wir hörten nur ein schnelles Piepen, das an Tempo noch zunahm. Es war das Herz des Schweins, das verrückt spielte. Vermutlich hatte es ein Medikament nicht vertragen und kämpfte um sein Leben. Doch dann.. Stille. Nichts war mehr zu hören. Wir sahen uns betreten an.
Aber es war noch nicht vorbei. Beherzt versuchte Dr. Laschke eine Herzdruckmassage, die von Erfolg gekrönt war. Langsam pendelten sich die Herztöne wieder ein. Es lebte. Hurra! Später, gegen Ende unserer Führung, gingen wir ein weiteres mal in den Keller und das Tier lebte immer noch. Darüber freuten wir Studenten uns riesig, doch wir wussten: Jedes Tier wird nach dem Versuch getötet. Das verlangt das Tierschutzgesetz.
| Rauchende Mäuse. Gibt’s nicht? Oh doch. | hoch |
Hätte mir jemand vor der Führung erzählt, dass es Mäuse mit Raucherlunge gibt, hätte ich dieser Person vermutlich einen Vogel gezeigt. Doch das gibt es wirklich. Die Mäusekäfige stehen in einem extra Raucherzimmer. Okay, natürlich ziehen die Mäuse weder an Zigaretten, noch Zigarren, noch sonstigem. Doch es gibt einen Raum, in dem die Auswirkungen von Zigarettenrauch auf die Lunge untersucht werden. Wie so oft sind es Mäuse, die dafür herhalten müssen.
Immer wieder einmal werden sie in eine spezielle Box gestellt, die eingeräuchert wird. So kann man innerhalb kurzer Zeit die Belastung für die Lunge eines Kettenrauchers simulieren. Laut Dr. Laschke gibt es sicherlich viele Parallelen von Mäusen zum Menschen. "Allerdings ist ein Tierexperiment immer nur eine Annäherung an die humane Situation und kann nicht zu 100% auf den Menschen übertragen werden."
Was mir jedoch eine Gänsehaut über den Rücken jagte, war eine Maschine, die einzig und allein dafür konzipiert war, Mäusen die Extremitäten zu brechen. Das Bein einer Maus muss in eine Vertiefung gelegt werden, dann wird von oben ein Metallstift heruntergefahren... Im Anschluss daran können Unfallchirurgen die Knochenheilung untersuchen.
Es wird jedoch nicht nur an Tieren geforscht. Auch Zellen werden einer genauen Betrachtung unterzogen. Die Kombination aus Forschung und Versuchen dient einzig und allein dazu, neue oder bessere Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass die Führung in der experimentellen Chirurgie sehr lehrreich und interessant war! Kurz: Ein Besuch lohnt sich!
|