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| Was ist denn eigentlich "Prüfungsangst"? |
Der Referent Sebastian Winkelnkempner, selbst angehender Psychiater und ehemaliger Kölner Medizinstudent, klärt uns in kleiner Runde auf: Prüfungsangst ist eine soziale Phobie.
Die Angst macht sich unter anderem in einer Umstellung des vegetativen Nervensystems und veränderten Muskelanspannung bemerkbar. Typische Symptome sind deshalb: Angst, Reizbarkeit, Schwindelgefühle, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, "Kloßgefühl", Tachykardie, Konzentrations-, Aufmerksamkeits- oder Merkfähigkeitsstörungen, Selbstzweifel, Grübelgedanken ...
Die Liste ist lang.
Doch woher kommt diese Angst überhaupt?
Meist ist eine schlechte Erfahrung oder mangelndes Selbstvertrauen Ursache der Prüfungsangst. Die Angst gewinnt dann eine Eigendynamik und endet in einer Abwärtsspirale.
| Mündliche vs. schriftliche Prüfung |
Ungefähr 40 Prozent der Studenten leiden unter Prüfungsangst. Bei den Medizinern sind vor allem die mündlichen Prüfungen gefürchtet. Dies sei aber nicht in allen Studiengängen so. Das liegt wohl daran, dass, wo sonst unabhängige Protokollanten mit in der Prüfung sitzen, die Medizinstudenten der Willkür der Prüfer ausgesetzt sind.
Wer in Köln studiert, kann ein Lied dvon singen. Sei es eines der gefürchteten Anatomie-Testate im Präparierkurs oder das "BINGO-Testat" in der Histologie: Mündliche Prüfungen - so der Eindruck aller Studierenden - sind immer vom Prüfer abhängig.
| Angst und Amygdala |
Wer kennt das nicht: Die Prüfung rückt näher, die Angst nimmt zu. Irgendwann erreicht man den Punkt, da liest man eine Seite zehnfach: Wie war das noch gleich mit der Blutbildung, Progenitorzellen, CFU-E/-G/-M/-Meg ... MEP und GMP?! Alles gerade gelesen und schon wieder in den Weiten der Gyri verschwunden.
Schuld ist die Amygdala, auch Mandelkern genannt. Durch Angst werden exzitatorische Transmitter wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin ausgeschüttet. Diese stimulieren die Amygdala, welche wiederum nicht reziprok gehemmt werden kann. Weiterhin kommt es zu einer vermehrten Stimulation der Großhirnrinde.
Dies ist anfänglich noch nützlich für unser Lernen: Leichte Angst ist leistungsfördernd. Doch mit zunehmender Angst kehrt sich der Effekt leider um. Es kommt zu einer Überstimulation der Großhirnrinde. Man bekommt schließlich das Gefühl, das Gelernte stolpert direkt in ein tiefes schwarzes Loch.
| "Lernen ist Verhaltensänderung" |
Um seine Angst vor Prüfungen zu mindern, kann man sich einfacher Mechanismen bedienen: Rollenspiele fördern z.B. den Sicherheitsgewinn. Sicherheitsgewinn ist eine Verhaltensänderung.
Je öfter man also in einer simulierten Prüfungssituation sitzt, umso sicherer wird man. Dies nennt man systematische Desensibilisierung und ist ein Mechanismus, der in der Verhaltenstherapie häufig genutzt wird.
| Tipps für das richtige Lernen |
Rollenspiele sind nicht die einzige Möglichkeit, sich auf eine Prüfung vorzubereiten. Auch das richtige Lernen mindert den Stress und die Angst!
| Wie lerne ich? |
Wusstet Ihr, dass beim klassischen Frontalunterricht wie der Vorlesung nur 20 bis 25 Prozent hängen bleiben? Lernen in Gruppen ist effektiver. Und die schon erwähnten Rollenspiele mindern Eure Angst vor der Prüfungssituation.
Wichtig ist ebenfalls: Schafft Euch einen aufgeräumten, übersichtlichen Arbeitsplatz - so seit Ihr frei von Ablenkung!
| Wie plane ich mein Lernen? |
Weiterhin wichtig, um den Stress des Lernens zu mindern, ist eine realistische Planung und die Erkenntnis: "Alles kann ich nun wirklich nicht lernen!"
Könnt ihr den Prometheus, die "Lülle" (= Lüllman-Rauch, Histologie-Buch) und die Neuroanatomie auswendig, dann seid Ihr wahrscheinlich besser als Euer Anatomie-Professor. Mut zur Lücke heißt die Devise - aber natürlich nicht übertreiben!
Ebenfalls wichtig sind Reserven, also dass Ihr Freizeitaktivitäten und erholsamen Pausen einplant.
| Was kann ich in den Pausen tun? |
Macht in den Pausen, worauf Ihr Lust habt! Versucht Eure Freizeit klar von der Lernzeit zu trennen, sodass Ihr in Eurer freien Zeit nicht noch mit der Angst vor der Angst zu kämpfen habt.
Um einen klaren Kopf zu bekommen, hat sich vor allem Ausdauersport bewährt - zirka 30 Minuten am Tag ist optimal. Denn evolutionsgeschichtlich ist Bewegung Teil unseres Lebens. Es ist an die intelligente Entwicklung, an die axonale Versprossung und Neuvernetzung gekoppelt.
| Entspannung pur! |
Vor der Prüfung gibt es die verschiedensten, typabhängigen Entspannungstechniken: Autogenes Training, Biofeedback oder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson sind individuell hilfreich, bedürfen aber einer längeren Zeit, bis sie anfangen zu helfen. Ein Versuch lohnt!
Für die erste Zeit können bereits Beruhigungstees und Meditations-CDs Entspannung bringen. So bleiben Schlafstörungen aus und man kann ausgeruht einen neuen Lerntag beginnen.
| Weiterhin viel Erfolg beim Lernen! |
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