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Artikel vom 18. 03. 2005

In 3 Wochen durch die ganze Chirurgie

Das Blockpraktikum Chirurgie im 2. Studienjahr am Klinikum Rechts der Isar

Tobias Anzeneder, Fotos von PD Brauer

Seit es die neue Approbationsordnung gibt, bietet die Chirurgie den Medizinstudenten ein interessantes Blockpraktikum an. An der TU München können die Teilnehmer dabei lernen, wie man einen Gips anlegt, und sich im Umgang mit Nadel und Faden üben. Sie können auch erste Erfahrungen am OP-Tisch sammeln.

Übersicht


Hintergrund und AblaufNach oben hoch

Im zweiten Studienjahr gibt es insgesamt vier Blöcke; jeweils am Anfang und am Ende eines Semesters drei Wochen. Neben vier kleinen Fächern (Psychiatrie, Pädiatrie, Allgemeinmedizin und Gynäkologie), die jeweils eine Woche anbieten, kommen die Großen zum Zug: Innere und Chirurgie. Doch nur im operativen Fach gibt es einen begeisterten Hochschullehrer, der es geschafft hat, die ganzen drei Wochen zu organisieren (bleibt zu hoffen, dass sich bald ein Internist findet, der den Chirurgen nacheifern will).
PD Brauer hat ein Programm zusammengestellt, das sich wirklich sehen lassen kann.
Am Anfang steht eine Woche Einführung und Grundlagen.


Im Anschluss daran rotieren alle Studenten durch die verschiedenen Einrichtungen der Klinik.
Die Stationen sind so vielfältig wie es an einem großen Unikrankenhaus möglich ist. Umrahmt werden die langen Blockpraktikumstage durch die morgendliche Frühbesprechung, das so genannte Tumorboard, an dem alle Studenten zur Teilnahme aufgefordert sind.
Um die Theorie nicht ganz zu vernachlässigen, halten Dozenten aus den vielen Teilgebieten (z.B. Herz-, MKG-, Gefäß- und Unfallchirurgie) am Nachmittag begleitende Vorlesungen.


Die erste WocheNach oben hoch

Wie lege ich einen Gips an?
Wie lernt der Chirurg die Grundlagen der Osteosynthese-Technik?
Und wie war das noch mit Nadel und Fadenhalter?

Nach der ersten Woche weiß jeder eine Antwort auf diese grundlegenden Fragen.
Der Montag steht im Zeichen der Grundlagen einer Anamnese und Untersuchung. Auf eine ausführliche Vorlesung folgt ein erster Nachmittag auf Station. Alle Gruppen sind möglichst klein gehalten und so sitzen nicht mehr als zwei Studenten einem Patienten gegenüber, um soeben wiederholtes theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen.
Ein Oberarzt bespricht im Anschluss die Ergebnisse gemeinsam mit den Studenten und in fast allen Gruppen ist die hohe Motivation beider Seiten, sowohl der Lernenden als auch der Lehrenden, zu spüren.
In den nächsten vier Tagen folgen die sehr praxis-orientierten Seminare zu den Themen Osteosynthese, Gips- und Verbandtechnik, Naht- und Knotenkunde sowie Anastomosen-Nähen.


Echte Bohrer und Schrauben warten im Osteosynthesekurs darauf, von den Studenten in die "gebrochenen" Kunstknochen inplantiert zu werden. Genau wie jeder Assistenzarzt auf dem Weg zum Unfallchirurg, kann man realitätsnah an Original-Ausbildungsmaterial die ersten Erfahrungen in der Frakturversorgung sammeln.

Der Kunstknochen wartet schon, ....
Der Kunstknochen wartet schon, ....

Die Zweierteams bei der Arbeiten
Die Zweierteams bei der Arbeiten


Nicht ganz so speziell fällt das Seminar zur Gips- und Verbandtechnik aus. Am Anfang werden einfache Tapeverbände geübt. Bei der nächsten kleinen Sportverletzung wird dieses Wissen sicher helfen. Ein Kornährenverband fordert schon viel mehr Geschick. Aber die zwei Dozenten stehen mit Rat und Tat zur Seite, zeigen jede Technik als erstes bei Freiwilligen und deshalb stellt sich rasch Erfolg ein. Das Highlight ist die "Dorso-volare-Gipslongette". Immer zwei Studenten legen sich gegenseitig in Gips. Nach circa zwei Stunden hat jeder sein Souvenir: der erste eigene Gipsverband. Auch wenn es im Praktikum recht feucht zugeht und es ratsam ist, nicht die beste Kleidung anzuziehen, macht es viel Freude.

Frisch eingegipst
Frisch eingegipst


Bisher waren die Angebote, Naht- und Knotenkunde während des Studiums zu erlernen, auf freiwilliger Basis und leider immer restlos überfüllt. Was lag näher, als diese Grundfertigkeit ins Blockpraktikum Chirurgie zu integrieren. An kleinen Knotenbänkchen und Schaumstoffvorlagen wird geübt. Dank der intensiven Betreuung klappt es dann doch bei allen und jeder kann seine Schaumstoffwunde mit einer subcutan Naht versorgen und kennt die Knoten nach Allgöver.
Im Anastomosenkurs können diese Fähigkeiten gleich noch einmal angewandt werden.
Einen Nachmittag lang versuchen sich die Studenten in allen Möglichkeiten den bereitgestellten gelben Kunststoffmagen mit einem blauem Plastik-Dünndarmstück (oder ist es doch ein Stück Isolation?) zu verbinden. Zu Recht fragt sich im Nachhinein der eine oder die andere, wie relevant diese Inhalte sind, aber der sichere Umgang mit Nadel und Faden will geübt sein!
Somit sind die ersten Grundlagen für den Alltag in einer chirurgischen Klinik geschaffen.
In den nächsten zwei Wochen kommt davon sicher etwas zum Einsatz ...


Woche 2 + 3: die RotationNach oben hoch

Jetzt beginnt das eigentliche Kernstück des Blockpraktikums.
Durch das Studentenportal mediTUM bekommt jeder Teilnehmer seinen individualisierten Stundenplan und Laufzettel zum Ausdrucken bereitgestellt. Für die meisten startet der Tag immer noch mit dem Tumorboard, vor allem die Rotationsbereiche der Stammklinik beginnen dort. Gemeinsam werden die Patienten besprochen, deren Therapie eines besonders interdisziplinären Ansatzes bedarf. Neben den Chirurgen, die die Patienten vorstellen, kommen gastroenterologisch und onkologisch tätige Internisten zu Wort. Genauso haben aber auch Radiologen, Strahlentherapeuten und Pathologen einen Einfluss auf die Entscheidungsfindung. Über all dem steht der Chef, Prof. Siewert, dessen Meinung und Erfahrung nie fehlen darf.


Danach verteilen sich alle auf die vielen Stationen, Ambulanzen und die OPs.
Auf Station herrscht normaler Arbeitsalltag, wie ihn die meisten aus Famulaturen kennen. Die PJler sind dankbar für Unterstützung bei den anstehenden Verrichtungen. Dafür lassen sie bei Verbänden und anderen grundlegenden Tätigkeiten die Studenten mithelfen. Leider sind einige der Ärzte und Oberärzte sehr eingespannt. Doch auf fast jeder Station versuchen sie Zeit zu schaffen, um die Besonderheiten zu erklären. Die Möglichkeit, einen Eindruck des täglichen Ablaufs zu erhalten, bleibt nirgends verwehrt.
In die Rotation sind auch die Ambulanzen der einzelnen Spezialbereiche integriert.
Fast immer geben die engagierten Assistenten einen Einblick in die Untersuchungen und Befunderhebung. Zwischendurch nimmt sich ein älterer Kollege Zeit und bespricht mit den maximal zwei Studenten exemplarisch einen Patienten, der sich gerade vorgestellt hat.
Je nachdem, ob es interessante Fälle gibt oder viel Arbeit die Betreuung erschwert, gestaltet sich ein Tag in der Ambulanz sehr unterschiedlich. Die meisten Studenten waren mit ihren Erfahrungen zufrieden. In den Stundenplänen sind circa zwei Ambulanzbereiche integriert, wobei es mindestens neun verschiedene gibt (Tumor-, Neurochirurgie-, NierenTX-, Plastische-, MKG-, Gefäßchirurgie-, Orthoambulanz, usw.)
Das erklärte Ziel des Kurses ist es natürlich die Abläufe und Regeln im OP allen Studenten nahe zu bringen. In der ersten Woche hält die Ober-OP-Schwester der Bauchchirurgie eine kurze Einführung als Grundlage. Wenn der Operateur entscheidet, dass der zugeteilte Student mit an den Tisch darf, kommt Spannung auf. Die routinierten Schwestern geben kurz Anweisungen, wie man sich richtig wäscht und beäugen alle weiteren Schritte kritisch. Wehe, der Student macht sich oder Geräte UNSTERIL!
Hat der Eingriff begonnen, fällt die Aufregung ab und weicht der Faszination. Viele Chirurgen freuen sich über die Anwesenheit der jungen Kollegen. Lässt es die Situation zu, wird erklärt und erzählt.


Manchmal hat ein Tag im OP seine Längen. Zum Beispiel gibt es viele Eingriffe mit einem sehr kleinen Zugang, dann ist am Tisch kein Platz. Es bleibt der Bereich der Anästhesisten. Dort wird den Studenten ein Podest möglichst nahe am Vorhang bereitgestellt.
Doch nach ein paar Stunden ist das ruhige Stehen sehr anstrengend.
Im Abschlussgespräch sind die Stimmen durchweg begeistert. Nahezu alle waren mit am Tisch und durften teilweise ihre Nahtkünste unter Beweis stellen.


Der Erfolg hängt vom Engagement der Veranstalter abNach oben hoch

Mit Einführung der neuen Approbationsordnung entstand eine Reihe von Lehrveranstaltungen, die es so vorher nicht gab. Vor allem die Blockpraktika des 2. klinischen Studienjahres sind für uns Studenten etwas ganz Neues. Die Idee, einen strukturierten Einblick in viele verschiedene Disziplinen und die dazu gehörenden Tätigkeitsbereiche zu bekommen, begeistert alle. Doch der Erfolg der verschiedenen Veranstaltungen hängt maßgeblich vom Engagement der einzelnen Kliniken und Lehrbereiche ab. Nicht zuletzt der Aufbau und die dadurch entstehenden persönlichen Beziehungen während eines Blocks ermöglichen spannende und lehrreiche Wochen für jeden Einzelnen.

 

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