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Artikel vom 26. 09. 2007

TU München will das Praktische Jahr verbessern

Arbeitsgruppe Praktisches Jahr legt ein neues Konzept vor

Redaktion Via medici online (roul)

An der chirurgischen Klinik der TU München ist das PJ im vergangenen Jahr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Prof. Dr. Brauer sorgt mit einer Gruppe von Medizinstudenten dafür, dass das Praktische Jahr künftig sinnvoll strukturiert wird und die Ärzte von morgen besser auf ihren Beruf vorbereitet. Anvisiertes Ziel: hochmotivierte Medizinstudenten, deren Mitarbeit in Zukunft mehr wertgeschätzt wird als bisher.

Übersicht


Schlechte Ausbildung, weniger KenntnisseNach oben hoch

Initiiert von Medizinstudenten setzte sich eine Arbeitsgruppe um Prof. Robert Brauer, Oberarzt in der chirurgischen Klinik der TU München, zusammen und arbeitete - mit Unterstützung des Dekanates - eine Reform aus, die an der Situation der Medizinstudenten im Praktischen Jahr etwas ändern soll.

Studenten im Gipskurs© Prof. R. Brauer
Studenten im Gipskurs
© Prof. R. Brauer

Denn viele deutsche Medizinstudenten kehren dem PJ-Tertial Chirurgie in ihrem Heimatland den Rücken und suchen die bessere oder abwechslungsreichere chirurgische Ausbildung im Ausland. Zudem stellen immer mehr Kliniker fest, dass das medizinische Wissen der Medizinstudenten zu Beginn ihres PJs mit der neuen Approbationsordnung deutlich weniger fundiert ist als das ihrer Vorgänger, die zuerst das 2. Staatsexamen ablegen mussten, bevor sie in den Krankenhäusern an der Patientenversorgung teilnahmen.
Einige der folgenden Reformen wurden in der chirurgischen Uniklinik bereits umgesetzt. Die weiteren geplanten Änderungen sollen sukzessive eingeführt werden.


Logbücher und praktische AusbildungNach oben hoch

In der chirurgischen Klinik der TU sind Logbücher für die PJ-Studenten eingeführt worden, die das Curriculum während des viermonatigen Abschnitts in der Abteilung beschreiben. Die Studierenden können sich ihr Logbuch im Kitteltaschenformat schon vor der Anmeldung zum Praktischen Jahr im Intranet der Universität herunterladen, um sich einen Überblick über die Ausbildungsstätten und die Ausbildungsangebote zu verschaffen. Die Logbücher enthalten einen exemplarischen Tagesablauf sowie die Lehrveranstaltungen und Ausbildungsinhalte, die die jweilige Abteilung anbietet.
Viele Untersuchungstechniken wie arterielle Blutentnahmen, Blasenkatheter oder Magensonden legen, sind dort einzeln aufgeführt, ebenso wie spezielle körperliche Untersuchungstechniken, zum Beipiel die Kniegelenksuntersuchung. Jeder Student führt die Technik unter Anleitung durch, was hinterher im Logbuch abgehakt und vom betreuenden Arzt gegengezeichnet wird.

Praktisches Lernen im Osteosynthesekurs© Prof. R. Brauer
Praktisches Lernen im Osteosynthesekurs
© Prof. R. Brauer

Um das PJ-Tertial in der Chirurgie "bestanden" zu haben, müssen in Zukunft 70 Prozent der vorgeschrieben Inhalte erfüllt worden sein.


Pflegekräfte einbeziehenNach oben hoch

Das Pflegepersonal wird in die praktische Studentenausbildung mit einbezogen. Die Pflegekräfte können die PJler in die täglich eingesetzten Geräte einweisen: wie ein EKG angelegt wird, wie der Perfusor und der Infusomat funktioniert und wie die periphere Sauerstoffsättigung gemessen wird. Auch die Patientenkurve können die Pflegenden erklären. Die Pflegedienstleitung in der Chirurgie war von dem Vorschlag angetan und ist bereit, die Änderungen umzusetzen.


RotationsplanNach oben hoch

Wenn möglich, soll ein Rotationsplan erstellt werden. Die PJ-Studenten sollen - so sieht es das Konzept vor - in das Ärzteteam integriert werden und in der ersten Linie an der Patientenversorgung teilnehmen. Das heißt auch, Arztbriefe zu verfassen und Patienten vorzustellen. Auch an Nacht- und Bereitschaftsdiensten werden die Studenten teilnehmen - mit nachfolgendem Freizeitausgleich.


MentorNach oben hoch

Jedem Studenten wird ein Mentor zugeteilt, mit dem er sich mindestens einmal im Monat trifft und die Ausbildungssituation bespricht.


Eigene PatientenNach oben hoch

Die PJler sollen eigene Patienten zugewiesen bekommen, die sie von der Aufnahme bis zur Entlassung mitbetreuen. Sie werden dabei in alle wesentlichen Schritte von der Diagnose bis zum Entlassungsbrief miteinbezogen.


LehrveranstaltungenNach oben hoch

Mindestens einmal wöchentlich müssen die Hochschullehrer der Klinik ein Seminar anbieten, das speziell auf die PJler abgestimmt ist und alle Bereiche der Chirurgie umfasst. Auch alle weiteren klinikinternen Fortbildungen und Lehrvisiten stehen den Studenten offen, zu denen sie selbst mit Referaten bzw. Fallvorstellungen beitragen können.

Studenten im Gipskurs© Prof. R. Brauer
Studenten im Gipskurs
© Prof. R. Brauer


Freies MittagessenNach oben hoch

Künftig sollen PJ-Studenten in der Uniklinik ein kostenloses Mittagessen bekommen. Der Studiendekan Prof. Ring prüft jetzt, ob sich dieser Vorschlag umsetzen lässt.


EvaluierenNach oben hoch

Jedes Tertial soll nach Abschluss hinsichtlich der Inhalte und seiner Struktur evaluiert werden. Die Beurteilungen gehen an das Dekanat.


AuslandstertialNach oben hoch

Auslandstertiale sollen strengeren Qualitätskriterien unterzogen werden. Die Arbeitsgruppe regt an, Kooperationsverträge mit bestimmten Kliniken im Ausland zu schließen oder zumindest voher Daten und Ergebnisse des jeweiligen Krankenhauses zu prüfen, bevor das Dekanat das O.k. für ein Auslandstertial gibt.


Hammerexamen vorziehenNach oben hoch

Auch an den Kliniken der TU fällt in vielen Fachbereichen auf, dass die PJ-Studenten mit geringeren theoretischen Vorkenntnissen ihr Praktisches Jahr antreten als ihre Vorgänger vor 2006 zu Zeiten des 2. Staatsexamens. Daher fehlt auch der Appell der Arbeitsgruppe nicht, den theoretischen Teil der 2. Ärztliche Prüfung ans Ende des 10. Semesters vorzuverlegen, also vor Antritt des PJs.
Um dem Appell Nachdruck zu verleihen, ist geplant, einen Brief an das Ministerium zu schreiben.

"Mehr können wir bezüglich der zweiten Ärztlichen Prüfung nicht tun.", so Prof. Brauer. "Nur das, was jeder Bundesbürger tun kann: Briefe schreiben." Von der PJ-Reform in der Chirurgie erhofft er sich Breitenwirkung: "Erst soll die Ausbildung in der Uniklinik reformiert werden, dann an den Lehrkrankenhäusern und dann das Auslands-PJ."


Interview mit Dr. BrauerNach oben hoch
LinkZum Interview mit Prof. Brauer

Weitere Informationen zum Lehrangebot der chirurgischen Klinik

LinkPraktikum der Chirurgie
 

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