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Artikel vom 19. 11. 2008

Schrecken oder Chance? Der Präparierkurs in Ulm

Um kaum ein Thema gibt es so viele Gerüchte wie um den Präparierkurs. Doch was ist dran an den Gerüchten?

Eleni Sturm

Der Präpkurs gilt als das Highlight der Vorklinik. Viele denken aber bezüglich des großen Lernpensums mit Schrecken an diesen Kurs. Ob sich diese Befürchtung bewahrheitet oder man den Kurs auch als einmalige Chance sieht, den menschlichen Körper kennenzulernen und zu begreifen, bleibt jedem selbst überlassen. Hier findet ihr alles Wichtige zusammengefasst, sodass ihr wenigstens gut informiert in den Präpkurs an der Uni Ulm starten könnt!

Übersicht


OrganisatorischesNach oben hoch

Der Präparierkurs wird in Ulm jedes Wintersemester angeboten. Normalerweise wird er im 3. Semester der Vorklinik belegt. Zugangsvoraussetzungen sind die Scheine in:

 -Medizinische Terminologie (1. Semester)
 -Biologie (1. Semester)
 -Anatomie A (1. Semester)
 -Histologie (2. Semester)
 -sowie eine Arbeitsmedizinische Untersuchung des TÜV, die ihr direkt an der Uni machen könnt (Bushaltestelle Technische Versorgungsbetriebe) - den Termin vereinbart ihr normalerweise über Corona und die Untersuchung dauert ca. 15 min. Sie beinhaltet einen Impfcheck und körperliche Untersuchung inkl. Blutabnahme (Imfausweis nicht vergessen!)

Zu Beginn des Semesters müsst ihr euch mit Notenspiegel und Untersuchungsbescheinigung in der Anatomischen Lehrsammlung persönlich anmelden (natürlich vorher auf Corona). Ihr erfahrt dann, welchen Tischdozenten ihr habt - die Einteilung wird per Los vorgenommen, ihr habt darauf keinen Einfluss. Entscheiden könnt ihr euch nur vorab in der Corona-Anmeldung für Kurs A (Mo+Mi) oder Kurs B (Di+Do). Normalerweise seid ihr etwa 10 Studenten pro Leiche.

Der Kurs findet also zweimal die Woche statt, zusätzlich habt ihr die Möglichkeit, am Freien Präparieren teilzunehmen (Mo-Do 13-15 Uhr).

Die Leistungskontrollen findet in Form von 5 Testaten statt:

 1. Testat (mündlich): Dorsale Rumpfwand und Untere Extremität
 2. Testat (schriftlich): Ventrale Rumpfwand und Obere Extremität
 3. Testat (mündlich): Situs, Becken
 4. Testat (mündlich): Kopf, Hals
 5. Testat (schriftlich): ZNS

Es muss jedes Testat einzeln bestanden werden! Wenn nur eines der Testate daneben geht, gibt es die Möglichkeit, dieses am Ende des Kurses in einem mündlichen Kolloquium aufzuwerten (mindestens Note 3). Ansonsten gehts in die Nachklausur, die das gesamte Stoffgebiet umfasst.

Den Prüfer eurer mündlichen Testate erfahrt ihr erst am Morgen der Prüfung über Aushang. Und keine Panik, bei jedem Prüfer kann man bestehen, auch wenn schon mal welche durchgefallen sind. Allgemein gelten die schriftlichen Testate eher als die "Genickbrecher" des Kurses.

Zu Ende des Semesters wird ein von den Studenten mitgestalteter Gottesdienst mit Gedenkfeier im Ulmer Münster ausgerichtet. Wer es noch genauer wissen will, kann sich umfassend auf der Website des Instituts schlau machen.

   Externer Link Website des Instituts


LerntippsNach oben hoch

Jedes Jahr werden hunderte Medizinstudenten von der Frage geplagt, wie sie die gewaltigen Wissensmengen und unglaublich vielen Details bewältigen sollen. Wer ein paar grundlegende Empfehlungen beherzigt, kann sich das Leben im 3. Semester um einiges vereinfachen. Zunächst einmal haben wir festgestellt, dass es wirklich schlau gewesen wäre, sich bereits in den Semesterferien auf den Kurs vorzubereiten. Das ist wirklich Ernst gemeint! Schnappt euch einen Atlas und wiederholt erst die Knochen, denn sonst könnt ihr euch unter den Ansätzen und Ursprünge der Muskeln und Bänder nichts vorstellen. Dann macht ihr euch an die Muskeln. Es gibt super Tabellen, in denen Ansatz, Ursprung, Innervation und Funktion aufgelistet sind. Wenn ihr diesen Part schon weg habt, werdet ihr den Einstieg in den Kurs auch nicht als Sprung ins kalte Wasser empfinden - zumindest nicht in lerntechnischer Hinsicht.

Noch ein Tipp: nutzt das große Angebot der Anatomischen Lehrsammlung. Zu den angegeben Öffnungszeiten könnt ihr euch für jeweils 20 Euro Pfand Atlanten und Modelle ausleihen. Ihr solltet den Lernstoff zu zweit durchsprechen, da 3 der Testate mündlich sind und euch das beste Lehrbuchwissen nichts nützt, wenn ihr es in der Prüfung nicht auf den Punkt bringen könnt.

An eurem Tisch bekommt ihr einen studentischen Tutor zur Seite gestellt, der den Kurs bereits bestanden hat und daher sicherlich wertvolle Lerntipps für euch parat hat! Also zögert nicht, ihn Löcher in den Bauch zu fragen!

Der Besuch der Vorlesung, derzeit von Prof. Golenhofen gehalten, ist am nützlichsten, wenn man das Thema bereits im Voraus erarbeitet hat und nur noch wiederholen will, da Prof. Golenhofen sehr rasch im Stoff voranschreitet und nicht viel erklärt. Im Dezember findet eine Live-Übertragung aus dem Herz-OP statt.


Extras zum KursNach oben hoch

Jeder Tisch muss zu einem bestimmen Termin eine Präsentation über ein Thema vorbereiten, welche zu Beginn eines jeden Kurstages live per Videoübertragung aus dem Theatrum Anatomicum in den Präpsaal gesendet wird. Ihr erklärt bestimmte Teile der Präparation und zeigt Nervenverläufe oder Ähnliches an eurer Leiche.

Außerdem findet einmal im Semester ein sogenannter Waschkurs statt, der euch auf die Arbeit im "echten" OP vorbereiten soll.

Zur Gestaltung eines Posters seit ihr zwar nicht verpflichtet, doch es winken tolle Preise (u.a. ein 500 Euro-Büchergutschein). Das Poster zeigt eine Besonderheit an eurer Leiche und eine wissenschaftliche Erklärung dazu. Ihr könnt es bis Ende des Semesters an Frau Dr. Böckers schicken.


Psychische BetreuungNach oben hoch

Nahezu jeder hat wohl ein mulmiges Gefühl im Bauch, wenn er an den ersten Tag im Präpsaal denkt. Vielleicht hat man schon einiges an "Berührungsängsten" verloren, wenn man im 2. Semester die Angebote im Theatrum Anatomicum wahrgenommen hat, wo bereits eine präparierte Leiche demonstriert wurde und man "anfassen" durfte. Doch wie ist es, selbst das Messer anzulegen?

Grundsätzlich denke ich, kann man sich an den Präpsaal gewöhnen. Die Arbeit wird nach kurzer Zeit interessant und man wird irgendwie von der Stimmung, der Lernatmosphäre angesteckt. Wer ernsthafte Probleme mit der Situation hat, sollte sich nicht scheuen, die Psychosoziale Beratungsstelle zu kontaktieren (PBS - Kontakt über die Homepage der Uni Ulm). Es ist besser, sich frühzeitig Hilfe zu suchen, als sich ein Semester lang zu quälen! Außerdem kann auch schon der Austausch mit den anderen Studenten weiterhelfen. Die anderen sind schließlich auch ganz normale Menschen mit den gleichen Gedanken und Gefühlen.

 

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