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Infos für ausländische Studenten an der Medizinischen Universität Wien

Ein etwas persönlich gefärbter Leitfaden

Mina Lahlal

Als "Zuagraster" (Zugereister auf gut Deutsch) kann man sich leicht in den Irren und Wirren des Studiums in Wien verirren. Auch für jene die sich ein Medizinstudium in der Stadt der Musik und der ehemaligen Hochburg der Medizin überlegen, soll dies als Leitfaden durch die ersten Schritte auf der Suche dienen.

Übersicht


Vorbereitungen vor dem StartschussNach oben hoch

Das Studium an der Medizinischen Universität Wien gestaltet sich zum Teil um einiges schwieriger für Studenten aus dem Ausland. Natürlich ist die Sprache ein Handikap bei den Multiple-Choice-Prüfungen, wo der Erfolg auf das Erkennen von zum Teil winzigen sprachlichen Nuancen beruht, aber selbst Studenten aus dem deutschsprachigen Raum sind nicht ganz gleichgestellt. Zu Beginn gilt es die Hürde des Einstiegstests zu bestehen (20% ausländische Studenten werden zugelassen) und dann müssen Studenten aus Nicht-EU-Ländern mit einer Verdoppelung der Studiengebühren rechnen, außer sie stammen aus Entwicklungsländern.

Einige bürokratische Hürden kommen hinzu, die alle an der Studien- und Prüfungsabteilung in der Spitalgasse abgewickelt werden müssen - Cave: nicht im Büro für Internationales! Internationale Abschlüsse werden in der Regel anerkannt, allerdings gibt es keinen Numerus Clausus. Das heißt, dass die Note keine Rolle spielt. Wichtig ist sich rechtzeitig mit dem Anmeldungsverfahren auseinanderzusetzen, da der Einstiegstest Anfang Sommer in einem riesigen Areal am Messegelände stattfindet und Deadlines streng eingehalten werden.


Das Studium an der MUWNach oben hoch


Das Semester beginnt dann Anfang Oktober und es gibt einen Monat Ferien im Februar. Das Jahr dauert bis Ende Juni, in diesem Monat findet jedes Jahr die einzig relevante Prüfung Jahres – die sogenannte Summative Integrative Prüfung (SIP) – statt. Die erste Prüfung (SIP 1) erweist sich meist als die schwierigste. Bei sehr gutem Erfolg und zusätzlichen extracurricularen Aktivitäten wie Rettungsdienst oder Ordinationsassistenz besteht für österreichische Studenten die Möglichkeit sich für ein Leistungsstipendium zu bewerben – dies gilt teilweise auch für manche ausländische Studenten mit ständigen Lebensmittelpunkt in Österreich.
Die Konkurrenz ist groß – kein Wunder bei den gewöhnungsbedürftigen Jahrgangsgrößen von etwa 1.500 Studenten, bzw. 700 Studenten gegen Ende des Studiums. Der Kleingruppenunterricht ist eine einzige Kindergartenlachnummer, da man im Endeffekt vor einer Powerpointpräsentation mit manchmal gut 60 Mitkollegen sitzt und die Anwesenheit aber bei jeder Gelegenheit außerhalb der Ringvorlesung peinlich genau überprüft wird. Termine zu wechseln etc. ist schwer möglich und es ist immer ein anderer Blockkoordinator zuständig, der wieder seine eigenen Regeln aufstellt. Kaum ein Student hat sich nicht mindestens einmal ernsthaft an diesem verschulten System gestoßen.


Anatomie null, aber ERCP-sattelfest?Nach oben hoch


Beflügelnde Anatomiekenntnisse wird man hier sicherlich nicht erwerben, da das neue Curriculum in Blöcken unterteilt ist und nicht in Anatomie, Physiologie, Physik etc. Wir nehmen die Niere durch und erklären anhand dessen alle Aspekte: die Nierenphysiologie, -anatomie, -chirurgie und so weiter, sowie die diagnostischen Verfahren. Dadurch ist das klinische Wissen über ERCP (endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatikographie) und Co. sowie teilweise auch die praktische Fertigkeit etwas höher und überrascht oft die Ärzte - allerdings sind sie auch über unsere kläglich dezimierte anatomische Bildung überrascht.


POL – Problem Orientiertes LernenNach oben hoch


Auch das POL, dass angeblich aus so prestigeträchtigen Unis wie Heidelberg und Harvard übernommen wurde, ist mit Vorsicht zu genießen. Man lernt sicherlich nette Leute kennen und kommt ein bisschen zur Ruhe, wenn man nicht auf einen militanten POL-Bekenner trifft. Manche Professoren können das Ganze sicherlich spannend gestalten – dies ist oft der Fall bei Klinikern. Doch meist kommen die Profs aus der Statistik, der Physik, dem Labor und können wenig mit den klinischen Fallangaben anfangen. Jene Zweizeiler entsprechen natürlich überhaupt nicht den Fallangaben in den USA, wo man das EKG, die Blutwerte und Schritt für Schritt mehr Informationen über den fiktiven Patienten bekommt. POL auf englisch birgt wahrscheinlich für so manchen Studenten mehr an Spannung, vor allem da es seit Jahren nicht gelingt, eine medical english Vorlesung für alle Studenten anzubieten, die interessiert wären - und nicht nur für die schnellsten 20, die sich anmelden.


Abschluss als MagisterarztNach oben hoch


Wichtig ist, dass die Diplomarbeit im Rahmen des Studiums geschrieben werden muss und nicht auf Freiwilligkeit beruht. Dennoch darf man sich nach Abschluss des sechsjährigen Studiums gnädigerweise Dr. nennen. Die Diplomarbeit ist eine wissenschaftliche Arbeit, aber besitzt nicht den Status der ehemaligen Doktorarbeit, die damals des gleichen Aufwands bedurfte. Sollte einen doch der Ehrgeiz packen, kann er ein mindestens 4-jähriges Ph.D. (Doctor of Philosophy) dranhängen. Dieser Abschluss entspricht einem wissenschaftlichen Abschluss als Eintrittspforte in die Forschung. Letzterer ist allerdings relativ neu und es bestehen derzeit ausschließlich einige ausgewählte Forschungsrichtungen.


Arzt und dann Taxifahren?Nach oben hoch


Derzeit ist die Situation in Österreich so, dass sie wenig verlockend für einen längeren Aufenthalt als Jungarzt ist. Die Möglichkeiten sind gering und die Wartezeiten lang, sehr lang sogar. Auf einen Turnus, dem 3-jährigen zwingenden Durchlauf durch alle Disziplinen, wartet man drei geschlagene Jahre, außer man sucht sich eine Stelle außerhalb Wiens! Als Turnusarzt ist man dann der krankenhausinterne Tellerwäscher: Die Ausbildung ist karg bis nonexistent und die Blutabnahmen, Blutdrücke, Aufnahmepapiere und Infusionen sind endlos zahlreich. Dies wird in Österreich nicht von Krankenschwestern übernommen.

Um dem zu entkommen gibt es die Möglichkeit sich einen heißumkämpften, wohl nicht unbedingt nach objektiven Kriterien vergebenen Platz an der Uniklinik zu erringen. Dort beginnt man nämlich gleich mit der Facharztausbildung. Hat man aber nach drei Jahren jegliche Kunst des Heilens durch den monotonen Trott des Turnus verloren, wird man plötzlich in einem eigenartigen Dilemma gefangen: Langsam sollte man doch kompetenter werden, ist es aber nicht.

Auch die heimatliebenden Österreicher flüchten oftmals nach Ostdeutschland oder sonst irgendwohin, wo Ausbildungsplätze offen sind. Die Gehälter sind selbstredend nicht famos als Jungarzt, sogar niedriger als in München vor dem großen Ärztestreik. Nun, ausländische Studenten auszubilden, die dann wieder abreisen, freut den Staat nicht und dies führt zu einer weiteren Brisanz des Themas Studienplatzbegrenzung. Keine rosigen Aussichten also.


FazitNach oben hoch

Das Medizinstudium in Wien ist eine solide Basisausbildung in einem neuen Curriculum, das relativ klinisch- und forschungsorientiert ist. Allerdings ist das Studium ein Massenstudium, das in dieser Hinsicht eindeutig verbesserungswürdig ist - mit mittelmäßigen Berufsaussichten direkt vor Ort nach dem Studienabschluss.


   Externer Link www.meduniwien.ac.at

Artikel erschienen am 17.12.2007

 

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