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Artikel vom 24. 01. 2012

Über den Sinn des Medizinstudiums

Wieso Arzt werden?

Amir Wechsler

Das Wintersemester neigt sich seinem Ende zu, in den Universitätsbibliotheken landauf, landab rauchen die Köpfe, die entweder über einen Anatomieatlas oder Hammerexamens-Gedächtnisprotokolle geneigt sind: Die allgemeine Prüfungsphase steht an. Gerade in dieser Zeit durchlebt auch unser neuer Lokalredakteur Amir die etwas kleinere oder größere Krise.

Übersicht


Was für ein Arzt werde ich?Nach oben hoch

In den medizinischen Hörsälen der Bundesrepublik sitzen die verschiedensten Biografien und die unterschiedlichsten Lebenspläne versammelt. Studenten, die direkt nach dem Abitur in die Uni geströmt sind. Andere, die zunächst eine Ausbildung absolviert haben oder vielleicht bereits ein medizinfremdes Studium abgeschlossen oder abgebrochen haben. Sie alle sitzen jetzt mit grundverschiedenen Ideen im Kopf im Hörsaal und studieren Medizin.

Dabei unterscheiden sich die Studenten nicht nur in ihrer Herkunft, sondern auch in ihren Zukunftsvisionen: Da wäre die Perspektive Hausarzt im vorpommernschen 250-Seelen-Dorf. Oder niedergelassener Radiologe in Hamburg-Blankenese. Oder als Anästhesist mit den Ärzten ohne Grenzen nach Kambodscha oder ganz klassisch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni bleiben: Jeder Student hat seinen Beweggrund, Medizin zu studieren. Dabei schreckt es ihn auch nicht ab, dass gerade dieses Studium als das weithin lernintensivste bekannt ist und enorm viel Passion und Ausdauer fordert.


Welchen Sinn macht das Studium?Nach oben hoch

Für scheinbar zahllose Klausuren stur auswendig zu lernen, kann den Lernenden bisweilen in Krisen stürzen: Weshalb tue ich mir das an? Will ich das überhaupt? In diesen Phasen hinterfragt man so Einiges, vom Sinn, bestimmte Prüfungen überhaupt anzutreten bis hin zum Sinn des gesamten Studiums.

Es soll Medizinstudenten geben, die in ihrem Studium keine Krise durchmachen. Ihre Berufung zum Arztsein nicht in Frage stellen. Munter bis zum zweiten Staatsexamen Glanznoten abliefern, und schließlich herausragend approbiert und promoviert ihre erste Assistentenstelle an einem renommierten Universitätsklinikum antreten. Stellt sich bei diesen Musterstudenten aber nun eine Krise ein, so steht ihr bisheriges Lebenskonzept auf dem Kopf.

Deswegen ist es gut, Krisen durchzumachen, nicht nur während des Studiums. Sie lassen uns reflektieren, weshalb wir gerade sind, wer und wo wir sind, und lassen uns dieses „Hier-sein“ überdenken.

Gerade im Medizinstudium ist ständiges Hinterfragen essenziell, damit man im späteren Beruf auch die notwendige Verantwortung tragen kann. Der Schweizer Psychiater und Psychoanalytiker Jürg Willi bringt es auf den Punkt: „Krisen sind notwendig im Leben für das Wachstum. Das ist ihre schöne Seite. Sie sind nicht nur schmerzlich und anstrengend.“


Ein guter Arzt...Nach oben hoch

Man kann einen Arzt nicht auf seine Examensnoten reduzieren. Er sollte seinen Beruf mit vollem Einsatz leben, und dafür muss er sich mit sich selbst auseinandersetzen. Krisen bringen einen dazu, dies zu tun: „Man soll vor allem Mensch sein und dann erst Arzt“, sagte schon der Aufklärer Voltaire.

42 Studentenwerke von Augs- bis Würzburg bieten psychologische Beratung für Studierende an. In manchen Fällen scheint dies übertrieben, in anderen kann es sich lohnen, diese oder andere Hilfen in Anspruch zu nehmen. Denn: Nach der Prüfung ist vor der Prüfung. Die Krisen zu überwinden, stärkt. Am Ende des Medizinstudiums steht das Arztsein. Und genau genommen ist das gar nicht das Ende, sondern erst der Anfang.

 

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