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Editorial

Faszination und Frust

Dr. med. Stefanie Conrads

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"Der Mann saß seit fünf Tagen am Straßenrand und wartete. Seine Hand war geschwollen und vereitert: Er war von einem Löwen angegriffen worden. In seinem Dorf konnte man ihm nicht helfen, und so hoffte er, dass ihn ein Lastwagen zum Krankenhaus in der Stadt mitnehmen würde", erzählt Dr. Olaf Förster von seinem ersten Aufenthalt in Kenia. "Das Beispiel verdeutlicht die Hilflosigkeit der ländlichen Bevölkerung in Afrika, die oft keine Möglichkeit hat, ihre Situation aus eigener Kraft zu verbessern." Um hier zu helfen, gründete Olaf Förster, damals noch Medizinstudent, den Verein Medizinische DirektHilfe in Afrika (www.mdh-africa.de). Inzwischen kann der Verein, der sich aus Spendengeldern finanziert, eine Krankenschwester beschäftigen, die in einer entlegenen Gesundheitsstation Sprechstunden abhält. Zweimal in der Woche wird sie von einem Arzt aus der 30 km entfernten Klinik unterstützt. Dr. Förster verbringt seinen Urlaub meist in Kenia und unterstützt die von ihm initiierten Projekte.

Auch Dr. Anke Furck opferte ihren Jahresurlaub, um in den Slums von Caracas in Venezuela in einem Gesundheitsprojekt mitzuarbeiten. Joost Butenop ist seit vielen Jahren rund um den Globus im Einsatz. Diese und weitere Entwicklungshelfer stellt Via medici Ihnen in dieser Ausgabe vor (siehe Seite 16). Entwicklungshilfe – eine faszinierende, manchmal aber auch frustrierende Aufgabe: Unter einfachen Bedingungen werden Kranke versorgt, Operationen durchgeführt oder Gesundheitszentren aufgebaut. Die Rückkehr nach Deutschland fällt dann nicht immer leicht: Wer eigenverantwortlich Operationen durchgeführt oder gar ein Krankenhaus geleitet hat, fügt sich nicht mehr gern in die Hierarchie an einer deutschen Klinik ein.

Viele Mediziner denken bereits während des Studiums über eine spätere Tätigkeit in der dritten Welt nach. Wer einen Einblick in die Entwicklungshilfe bekommen möchte, kann eine Famulatur in Afrika, Asien oder Südamerika absolvieren oder versuchen, in Projekten vor Ort mitzuarbeiten. Die German Medical Students’ Association (GeMSA) hat beispielsweise studentische Entwicklungshilfeprojekte ins Leben gerufen (siehe Seite 22). Weitere Informationen zur Entwicklungshilfe erhält man auch auf dem Via medici-Kongress am 28. und 29. Juni in Mannheim. Hier können Sie Workshops besuchen und den Referenten Ihre Fragen zur Entwicklungshilfe stellen. Informationen zum Kongress finden Sie auf Seite 28.

Auf Wiedersehen in Mannheim

Ihre

Dr. med. Stefanie Conrads

 
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