Aggressive und gewalttätige Patienten: Fixierung

Lassen sich gewalttätige oder selbstgefährdende Patienten nicht mit anderen Mitteln ruhigstellen, kommt eine vorübergehende Fixierung infrage. Für viele Ärzte stellt dies sowohl ethisch als auch rechtlich eine Grauzone dar. Der folgende Beitrag erklärt, wann eine Fixierung angebracht ist, wie Sie dabei praktisch vorgehen und welche juristischen Gesichtspunkte zu beachten sind.

Definition
Als Fixierung bezeichnet man das Festbinden des Patienten mit einem geeigneten Gurtsystem auf einem Krankenhausbett. Dies soll seine Bewegungsfähigkeit deutlich mindern oder fast vollständig unterbinden. Fixierungen im weiteren Sinne sind auch:
Immobilisierung durch Festbinden am Stuhl
Verwendung eines Bettgitters (häufig bei geriatrischen Patienten)

Fixierung an 1–11 Punkten möglich
Zwangsmaßnahmen wie die Fixierung sollten immer dem Gebot der Verhältnismäßigkeit gehorchen. Daher gibt es auch mehrere Möglichkeiten:

  • von einer 1-Punkt-Fixierung mit Bauchgurt (bei Sturzgefährdung)
  • bis zur 11-Punkt-Fixierung, welche den Kopf mit einbezieht.
  • Am häufi gsten sind jedoch die 4-Punkt-Fixierung mit Festbinden aller Extremitäten
  • und die 5-Punkt-Fixierung mit zusätzlichem Bauchgurt.

Die häufig beschriebene Verletzungs- und Strangulationsgefahr bei Fixierung an weniger als 4 Punkten, auf die der Hersteller der Materialien unter Sicherheitsaspekten hinweist, entsteht nicht bei kontinuierlicher Überwachung. Die oft gegebene Empfehlung, „sicherheitshalber“ immer eine 5-Punkt-Fixierung vorzunehmen, kann also nur ein Notbehelf bei Personalmangel sein.

Fixierung mithilfe von Medikamenten
Eine „medikamentöse Fixierung“ durch Verabreichung entsprechender sedierender Substanzen ist demgegenüber – anders als in den USA und Großbritannien – in Deutschland begrifflich wenig geläufig. Eine Verordnung sedierender Medikamente ohne therapeutischen Zweck, ausschließlich zur Immobilisierung, ist allenfalls unter Bedingungen einer Intensivstation vertretbar: mit entsprechender Überwachung zur Gewährleistung der sachgerechten Pflege. Allerdings ist die Grenze zwischen therapeutischer Indikation, erwünschten sedierenden Nebenwirkungen und überwiegender Absicht der „Ruhigstellung“ in der Praxis oft fließend.

In den USA ist die „chemische Fixierung“ durch dämpfende und sedierende Medikamente, die nur zur Minderung von psychomotorischer Aktivität oder Erregung und von Aggression dienen, bereits Gegenstand intensiver wissenschaftlicher und juristischer Diskussion. Auch Amtsgerichte in Deutschland sehen dies zunehmend kritisch. Entsprechende Medikamente und Dosierungen werden immer öfter abgefragt und als richterlich genehmigungspflichtig beurteilt.

Nur als letztes Mittel
Grundsätzlich ist die Fixierung nur die Ultima Ratio, wenn alle anderen Deeskalationsstrategien versagen und man keine
andere Lösung für das Problem finden kann. Eine zwangsweise Immobilisierung durch vorübergehendes Festhalten, Fixieren oder starke medikamentöse Sedierung ist angezeigt, wenn eine der folgenden Indikationen vorliegt:

  • Medizinische, diagnostische oder therapeutische Maßnahmen sind nötig, um vital gefährdende Zustände abzuwenden, der Patient ist aber nicht einwilligungsfähig und es gibt keine Alternativen. Beispiel: Ein an Demenz erkrankter Patient mit akuter oberer gastrointestinaler Blutung wehrt sich vehement gegen eine diagnostische und therapeutische Gastroskopie.
  • Selbstbeschädigung mit erheblicher gesundheitlicher Gefährdung. Darunter fällt auch eine Schutzfixierung bei Sturzgefährdung insbesondere bei geriatrischen Patienten.
  • Selbstgefährdung durch psychische Ausnahmezustände. Dies tritt häufig bei Drogenintoxikationen auf, welche mit massiven Ängsten bis hin zur Suizidalität einhergehen können. Auch im postoperativen Delir treten selbstgefährdende Zustände auf, wie das Ziehen von Drainagen oder das Manipulieren an OP-Nähten.
  • Fremdgefährdung durch Aggressivität und Gewalttätigkeit. Dieser Punkt trifft häufig auf alkoholintoxikierte Patienten zu, die in einem Erregungszustand aufgenommen werden.

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Quelle

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