• Alarm Fatigue - Ärzte in Weiterbildung - Goerg Thieme Verlag

     

Alarm-Fatigue – wieviel Alarm verträgt der Mensch?

Durch zunehmende Technisierung in der Anästhesiologie und Intensivmedizin steigen sowohl Anzahl der Geräte als auch deren visuelle und akustische Alarme. Die meisten aller Alarme sind jedoch Fehlalarme, was bei den Mitarbeitern zu Frustration, Aggression und Fehlverhalten führt. Dieser Übersichtsartikel fasst die Risikofaktoren für die Entstehung von „Alarm-Fatigue“ zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche Lösungsstrategien.

Mitarbeiter von Intensivstationen hören bei ihrer täglichen Arbeit eine Vielzahl von Alarmen. Mit zunehmender Technisierung und Zunahme der Invasivität der Patientenüberwachung steigt die Anzahl von Alarmen und Fehlalarmen. Dies führt zu einer Desensibilisierung und damit zu einer Gefährdung der Patienten.

Geschichtliches:

Der griechische Dichter Äsop (ca. 620 – 564 v. Chr.) berichtet in seiner Fabel „Der Junge, der Wolf schrie“ über einen Hirtenjungen, der vor den Toren der Stadt die Schafe hütet und aus Langeweile „Wolf“ ruft. Als ihm die Dorfbewohner zur Hilfe eilen, stellen sie fest, dass er sich nur einen Scherz erlaubte. Als einige Zeit später wirklich ein Wolf erscheint, bleibt der erneute Hilferuf des Hirten unbeantwortet, weil die Dorfbewohner ihm wieder einen Scherz unterstellen, und die Schafherde wird mitsamt des Hirten vom Wolf gefressen.

Die Moral dieser Fabel ist auch im deutschen Sprachraum bekannt: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht“.

Bedeutung von Alarmen

Im Operationssaal und auf der Intensivstation überwachen zahlreiche Medizingeräte die Lebensfunktionen der Patienten und erleichtern angemessene Behandlung wie auch Arbeit der Mitarbeiter. Nahezu jedes dieser Geräte vermag Alarme zu generieren. Alarme verkürzen idealerweise die Reaktionszeit zwischen dem Auftreten eines Problems und einer Intervention. Sie sind daher nicht nur unerlässlich für die Patientensicherheit, sondern können auch lebensrettend sein. Alarme sind im klinischen Alltag weiterhin der Goldstandard.

Alarme sind in der Regel akustische Signale; zudem erscheint häufig gleichzeitig ein visueller Hinweis, der nach Definition des European Committee for Standardization (CEN, Comité Européen de Normalisation) mit zunehmender Priorität gelb aufleuchtet oder gelb bzw. rot blinkt [5]. Die aktuell gültige Version dieser Norm ist die BS EN 60601-1-8:2007+A1:2013. Das Ertönen eines Alarms dient dazu, die Aufmerksamkeit des Personals auf einen Patienten oder ein Gerät zu lenken, und zwar unabhängig davon, mit welcher Aufgabe das Personal momentan betraut ist. Sie erklingen, wenn z. B. voreingestellte Alarmgrenzen für eine gewisse Zeit über- oder unterschritten werden, das EKG einen pathologischen Rhythmus zu reflektieren scheint, ein Akku schwach oder ein Bett nicht an den Strom angeschlossen ist. Auch technische Alarme können vor potenziell lebensbedrohlichen Situationen warnen.

Verschiedene Studien zeigen, dass jeder Intensivpatient und dessen Behandlung mehr als 6 Alarme pro Stunde verursachen. Die Mehrheit dieser Alarme, bis zu 90%, ist jedoch falsch positiv, also ein Fehlalarm, führt dennoch oftmals zu einer Unterbrechung der Arbeit und begünstigt die Entstehung möglichen Fehlverhaltens von Mitarbeitern: Alarmgrenzen werden in kritische Bereiche verstellt, damit seltener ein Alarm ertönt, die Lautstärke wird so stark reduziert, dass der Alarm überhört werden kann, oder er wird gänzlich ignoriert. Auf einer Intensivstation in einer Klinik in Salt Lake City blieben 41% aller Alarme vom Personal völlig unbeantwortet, kein Mitarbeiter betrat nach dem Ertönen des Alarms das Patientenzimmer.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Alarm-Fatigue – wieviel Alarm verträgt der Mensch?

Aus der Zeitschrift AINS 08/2017

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