• Reanimation

     

Effektive Reanimation durch richtige Kommunikation

Gerade in Stresssituationen ist eine strukturierte Behandlung sowie eine gute Teamarbeit und Kommunikation essenziell. Dies wird zur Herausforderung, wenn Teammitglieder beteiligt sind, die noch nie miteinander gearbeitet haben. Diese Tipps können helfen.

Bei einer innerklinischen Reanimation treffen normalerweise Teammitglieder aus unterschiedlichen Abteilungen aufeinander, die in dieser Zusammensetzung noch nie miteinander gearbeitet haben. Diese Tatsache und die Stresssituation, in der sich alle Beteiligten befinden, können die Kommunikation erheblich erschweren, was fatale Folgen für den Patienten haben kann. Eine bestimmte Kommunikationsstrategie und der Einsatz eines Teamleiters können zur Verbesserung der Reanimationsqualität beitragen.

In deutschen Krankenhäusern werden ca. 18 Millionen stationäre Patienten pro Jahr behandelt, von denen ca. 54.000 während ihres Aufenthalts reanimationspflichtig werden. Bei diesen innerklinischen Reanimationen ist neben der strukturierten Behandlung entsprechend den aktuellen Leitlinien auch eine gute Teamarbeit und Kommunikation essenziell.

80 bis 90 Prozent der Behandlungsfehler in Notfallsituationen lassen sich auf menschliche Faktoren zurückführen. Ein Drittel dieser Fehler sind durch mangelhafte Kommunikation bedingt. Besonders die Reanimation in der Klinik ist durch multifaktorielle Spezifika der Akutmedizin prädestiniert für Kommunikationsfehler im Team.

Wieso neigen wir dazu, besonders bei der Reanimation nicht mehr auf die Kommunikation mit unseren Teammitgliedern zu achten?

Bei der innerklinischen Reanimation treffen zunächst verschiedene Teammitglieder zusammen. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Teams oft ad hoc entstehen und mehrere interdisziplinäre Berufsgruppen mit unterschiedlichen Kenntnisständen aufeinandertreffen. In den seltensten Fällen haben diese Teammitglieder in dieser Konstellation schon einmal zusammengearbeitet, was die Kommunikation umso mehr erschwert. Zusätzlich ist eine Akutsituation wie die Reanimation für die Mitglieder des Teams auch immer eine Stresssituation. Stressoren haben für die einzelnen Teammitglieder wie auch für das gesamte Team negative Auswirkungen. Bei Stress kann es im Team zum Beispiel zur „Verantwortungsdiffusion“ kommen. Dieses Phänomen beschreibt, dass trotz genügender personeller Ressourcen offensichtliche Aufgaben nicht ausgeführt werden. Auch wird durch Stress die Koordination der Teammitglieder negativ beeinflusst und Lösungsversuche werden frühzeitig abgebrochen.

„Closed loop“-Kommunikation

Für eine effektive Kommunikation im Team gilt: „Gemeint ist nicht gesagt. Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht getan.“ Eine Kommunikationsstrategie, die diese Defizite verringern soll, ist die „Closed loop“- Kommunikation. Diese aus dem US-Militär stammende Form der Kommunikation beschreibt eine geschlossene Schleife der Gesprächsführung. Diese impliziert, dass auf jede Nachricht des Senders eine Antwort des Empfängers mit der Wiederholung der Nachricht folgt.

Ein Beispiel für eine „Closed loop“-Kommunikation in einer Reanimationssituation ließe sich wie folgt beschreiben: Person A sagt: „Person B, geben Sie jetzt 1 mg Adrenalin i. v.“ Dabei ist es wichtig, dass die Person, die die Anweisung ausführen soll, direkt mit Namen angesprochen wird und der Sender der Nachricht mit Körper-Augenkontakt die Botschaft unterstreicht. Die Botschaft sollte klar und knapp formuliert und unnötige Gespräche und Kommentare sollten vermieden werden. Die Antwort auf die Ansprache sollte aus der Aufgabe sowie der Ausführung bestehen: Person B sagt: „Ja, verstanden. 1 mg Adrenalin i. v. Mache ich sofort. 1 mg Adrenalin ist injiziert.“ Mit dieser Kommunikationsstrategie sollen Missverständnisse verhindert und Fehler frühzeitig erkannt werden. Hätte Person B nicht 1 mg Adrenalin verstanden, sondern 3 mg, wäre es in der Wiederholung der Nachricht aufgefallen und hätte durch den Sender korrigiert werden können.

Interaktion im Team

In Reanimationssituationen sind das schnelle Erkennen und die richtige Therapie von zentraler Relevanz. Dabei kommt es nicht auf die Leistung der einzelnen Person an, sondern auf die Zusammenarbeit im interdisziplinären Team, da dies die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten beeinflusst . Besonders wichtig sind dabei die koordinierte Durchführung, ein effizienter Informationsaustausch sowie eine schnelle Rollenfindung im Team. Ein wichtiger Faktor ist die Übernahme der Teamleitung durch eines der Teammitglieder. Dieser Teamleitung kommt die Rolle zuteil, Aufgaben klar zu verteilen, Anweisungen an sein Team zu geben und die Überwachung der vorgegebenen Algorithmen der Reanimation zu gewährleisten. Dabei sollte er selbst nicht aktiv an den Reanimationsmaßnahmen teilnehmen, um den Überblick über die Situation zu behalten. Neben der Teamführung ist auch die Teamarbeit des restlichen Teams unabdingbar. Hierbei ist es wichtig, dass Teammitglieder konstruktiv mitdenken und engagiert handeln. Sie sollten Bedenken sowie alternative Ideen einbringen, ohne die Autorität des Teamleiters zu untergraben. Damit sind sie eine wichtige Stütze für den Teamleiter und fördern eine gelungene Teamarbeit. Dabei bestimmt vor allem die Beziehung zwischen den einzelnen Teammitgliedern und dem Teamleiter die Bereitschaft und das Engagement der Mitarbeit.

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Aus der Zeitschrift intensiv 02/2020

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