Folgen für Ärzte nach Behandlungs- und Operationsfehlern

Fehler sind menschlich, doch wenn es um die Gesundheit geht, können diese schwere Folgen nach sich ziehen. Im Jahr 2015 gab es laut einer Statistik der MDS ca. 14.800 Behandlungsfehlervorwürfe. Die tatsächlich nachgewiesene Anzahl lag dabei bei rund 4000 Behandlungsfehlern. Ein solcher Irrtum kann für den betroffenen Arzt sehr teuer werden. Der folgende Text klärt, welche Fehler besonders häufig sind, welche Konsequenzen Behandlungsfehler nach sich ziehen und wie diese zu vermeiden sind.

Unter einem Behandlungsfehler ist eine nicht ordnungsgemäße Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin oder auch einen Angehörigen anderer Heilberufe zu verstehen. Die Behandlung entspricht demnach zu diesem Zeitpunkt nicht den bestehenden allgemein anerkannten medizinischen Standards. Das bedeutet, dass ein Behandlungsfehler jede ärztliche Tätigkeit betreffen kann. Dieser kann sowohl rein medizinisch sein, als auch die fehlende oder unrichtige, unverständliche oder unvollständige Aufklärung über medizinische Eingriffe und ihre Risiken betreffen. Auch Fehler in den organisatorischen Abläufen oder Behandlungsfehler durch nachgeordnetes oder zuarbeitendes medizinisches Personal, können schwere Folgen nach sich ziehen. Zu Situationen, die organisatorische Fehler hervorrufen zählen vor allem:

  • Ungenügende Absprache und Organisation
  • Dokumentationsmängel
  • Übernahmeverschulden
  • Mängel im Komplikationsmanagement
  • Aufklärungsmängel
  • Hygienemängel
  • Notfallsituationen
Die Arten der Behandlungsfehler sind vielseitig. Der MDK stellte in den Jahren 2011 und 2012 folgende Behandlungsfehler besonders häufig fest:

  • Kniegelenkarthrose
  • Hüftgelenkarthrose
  • Oberschenkelbruch
  • Pulpitis
  • Unterschenkelbruch
  • Dekubitus
  • Rückenschmerzen
  • Unterarmbruch
  • Zahnkrankheiten
  • Bandscheibenschäden
Die Konsequenzen von Behandlungs- und Operationsfehler betreffen jedoch nicht nur Patienten. Ärzte, denen ein solcher Fehler unterlaufen ist, müssen damit rechnen, dass der Patient Schmerzensgeld einklagt. Das wird vor allem dann verhängt, wenn ein eindeutiges Fehlverhalten des Arztes vorliegt, also ein grober Behandlungsfehler. Der §630h BGB legt genau fest, wann ein solcher grober Behandlungsfehler vorliegt. So muss sich ein allgemeines Behandlungsrisiko verwirklicht haben, welches für den Arzt voll beherrschbar war und die Schädigung von Leben, Körper oder Gesundheit des Patienten hervorgerufen hat. Sind diese Kriterien erfüllt, ist das Schmerzensgeld Teil der Arzthaftung. Ein Schmerzensgeld folgt Beispielsweise, wenn ein Arzt vorliegende Befunde nicht auf nachvollziehbare Weise interpretiert und somit z.B. einen Bruch auf einem Röntgenbild nicht erkennt. Ein Operationsfehler hingegen liegt vor, sobald ein Arzt unverletzte Organe durch einen Eingriff beschädigt.

Das Schmerzensgeld dient der Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion. Dabei müssen diverse Faktoren, wie die Dauer und die Intensität des Schmerzes berücksichtigt werden. Ebenso sind notwendig gewordene Behandlungen und das konkrete Ereignis, welches zum Schaden geführt hat, essentiell, um Anspruch auf Schmerzensgeld zu begründen und einzuklagen. Ärzte, die dennoch vorab wissen wollen, welches Schmerzensgeld sie erwarten könnte, sollten die sogenannte Schmerzensgeldtabelle zu Rat ziehen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Urteilen, die Richtwerte für zugesprochene Schmerzensgeldsummen geben. Unterschiedlichen Behandlungsfehlern wird in einer Tabelle eine Schadensersatzsumme zugeordnet. Dennoch ist der Einzelfall vor Gericht entscheidend. Die Schmerzensgeldtabelle dient lediglich der Orientierung.

Die Auszahlung des Schmerzensgeldes erfolgt in der Regel als Einmalzahlung, jedoch sind im Falle von langfristigen Folgeschäden auch Rentenzahlungen möglich. Diese können auch von einer privaten Unfallversicherung gezahlt werden, welche allerdings gesondert abgeschlossen werden muss. Da das Schmerzensgeld wie andere zivilrechtliche Schadensersatzansprüche behandelt wird, ist es auch vererbbar. Verstirbt also ein Patient durch einen Behandlungsfehler, geht der Schadensersatzanspruch auf seine Erben über.

Um solche Zahlungen nicht leisten zu müssen, muss jede Chance zur Fehlervermeidung genutzt werden. Am 26. Februar 2013 trat daher das sogenannte Patientenrechtsgesetz in Kraft, welches der Patientensicherheit dienen soll. Dies geschah, indem die Fehlervermeidung sowie das Risikomanagement in Krankenhäuser verstärkt wurden. Ärzte müssen seitdem verschiedene Vorschriften beachten. Zum Beispiel müssen Patienten in persönlichen Gesprächen noch genauer über geplante Behandlungen und mögliche Risiken informiert werden. Zudem wurde die Dokumentationspflicht bei Behandlungen verstärkt. Dadurch werden Ärzte angeregt, Patientenakten vollständig und sorgfältig zu führen. Eine weitere Maßnahme, die zur Fehlervermeidung erhoben wurde, ist die Durchführung eines patientenorientierten Beschwerdemanagements in Krankenhäusern. Hierbei können Patientenerfahrungen gesammelt und für die Entwicklung der Qualität und der Patientensicherheit genutzt werden.

Weitere Informationen zum Thema „Schmerzensgeld bei Behandlungs- und Operationsfehlern“ finden Sie hier. Zusätzlich bietet das kostenlose Ratgeberportal www.schmerzensgeldtabelle.de viele weitere Ratgeber, Informationen und Schmerzensgeldtabellen zu Themen, wie Anspruchsarten, Schmerzensgeld im Ausland, Allgemeine Anspruchsgrundlagen und vieles mehr.

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