• Schlafverhalten

     

Der Einfluss von Nachtdiensten auf das Schlafverhalten

In Arbeitsbereichen mit hoher Arbeitsbelastung gibt es heutzutage meist Mehrschichtmodelle. Mitarbeiter arbeiten mehrere Tage am Stück, auch im Nachtdienst. Welche Auswirkung diese Arbeitszeitmodelle auf den Schlafrhythmus haben, wurde nun untersucht.

Für ihre Untersuchung rekrutierten sie 30 Assistenzärzte der Anästhesie (24 m, 6w), wovon 29 die Studie komplett abschlossen. Das Durchschnittsalter lag bei 30 ± 3 Jahre. Insgesamt wurde das Schlafverhalten an 12 Tagen mit Hilfe des ZMachine Insight (General Sleep Corporation, USA), einem Ein-Kanal-EEG, gemessen. An Tag 1 – 3 fand die Basismessung statt, an Tag 4 – 9 die Aufzeichnung während der Nachtdienste und an Tag 10 – 12 die Erhebung in der Erholungsphase. Zusätzlich zu der EEG-Messung füllten die Teilnehmer noch die Epworth Sleepiness Scale täglich aus, ein Messinstrument für die Erfassung der Tagesmüdigkeit (Gesamtpunktzahl von 0 – 24).

Die mittlere Schlafenszeit während der Basismessung betrug 5,9 ± 1,9 Stunden, während der Nachtdienste sank diese um 1,4 h auf 4,5 ± 1,8 Stunden ab (95 % KI: 0,9 – 1,9; d = -1,1; p < 0,001). Besonders die Verringerungen in der Leichtschlafphase von 3,0 ± 1,2 h auf 2,2 ± 1,1 h (ein Abfall um 0,7 h; 95 % KI: 0,4 – 1,1; d = – 1,0) und der REM-Phase (rapid eye movement) von 1,6 ± 0,7 h auf 1,2 ± 0,6 h (Abfall um 0,4 h; 95 % KI: 0,3 – 0,6; d = – 0,9) waren nach der Bonferroni-Methode mit p < 0,001 statistisch signifikant. Die Tiefschlafphase hingegen zeigte mit einem Abfall von 1,4 ± 0,6 h auf 1,1 ± 0,7 h (Abfall um 0,3 h; 95 % KI: 0,1 – 0,4; d = – 0,5; p < 0,005) keine statistisch signifikante Änderung bei einem Bonferroni-Signifikanzniveau von 0,002.

In der Erholungsphase an Tag 10 – 12 war die mittlere Schlafenszeit mit 5,4 ± 2,2 Stunden nicht signifikant anders als zur Basismessung vor den Nachtdiensten (Abfall um 0,5 h; 95 % KI: – 0,2 – 1,2; d = – 1,1; p = 0,151). Es fiel allerdings ein statistisch signifikanter Abfall in der Tiefschlaf- und REM-Phase auf. Gerade diese beiden Phasen sind im Schlafzyklus für die Regeneration notwendig und ein Defizit kann auf eine beeinträchtigte Erholung hinweisen.

Auch in der Epworth Skala fielen statistisch signifikante Unterschiede in der Tagesmüdigkeit über den Erhebungszeitraum auf. Während der Basismessung betrug der durchschnittliche Wert 6,8 ± 4,0 und stieg dann auf 10,0 ± 4,9 (Zunahme von 3,2; 95 % KI: 1,9 – 4,5; d = 0,9; p < 0,001) während der Nachtdienstphase an. In der Erholungsphase fiel der Wert dann auf 8,7 ± 4,6 ab (Zunahme zur Basismessung von 2,0; 95 % KI: – 3,5 – 0,5; d = 0,9; p = 0,02).

Diese Untersuchung zeigt einige Besonderheiten auf. Schon während der Basismessung vor der Nachtdienstphase schliefen die Assistenzärzte weniger als 7 Stunden pro Nacht. Diese Erholungszeit wird jedoch von Schlafmedizinern empfohlen und eine dauerhafte Unterschreitung ist mit gesundheitlichen Risiken vergesellschaftet. Zwar kommt es in der Erholungsphase nach den Nachtdiensten wieder zu einer Zunahme der Schlafzeit, es fehlt aber dabei an den regenerierenden Tiefschlaf- und REM-Phasen.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag > Der Einfluss von Nachtdiensten auf das Schlafverhalten

Aus der Zeitschrift Journal Club AINS 01/2020

Call to Action Icon
Journal Club AINS Jetzt zum Einstiegspreis abonnieren!

NEWSLETTER-SERVICE

Quelle

Journal Club AINS
Journal Club AINS

EUR [D] 47,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.