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Psychopharmaka in der Schwangerschaft

Die Frage nach Psychopharmaka in der Schwangerschaft ist ein Problem, mit dem man im klinischen Alltag häufiger konfrontiert wird. Z.B. bei Frauen mit Kinderwunsch, die bereits Psychopharmaka einnehmen oder psychisch erkranken, während sie schwanger sind.

Bei Frauen in gebärfähigen Alter sollte daher schon bei der Einstellung einer psychopharmakologischen Medikation darauf geachtet werden, dass keine Substanzen mit einem hohen Risiko für Embryotoxizität gegeben werden. Insbesondere für den Fall einer ungeplanten Schwangerschaft und aber auch, damit nicht wegen Kinderwunsches eine bestehende und wirksame Medikation gewechselt werden muss. Was es bei der Psychopharmakagabe in der Schwangerschaft generell zu beachten gilt, sind die potenziellen negativen Folgen oder unerwünschte Wirkungen, die zum einen in der Frühschwangerschaft, also im ersten Trimenon auftreten können. Hierbei handelt es sich primär um ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen.

Medikamente, die zwar kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko haben, könnten aber trotzdem zu Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen führen, wenn sie im zweiten und dritten Trimenon bzw. bis zur Geburt gegeben werden. Bei allen Studien, die es mittlerweile gibt, muss man aber immer im Blick behalten, dass es aus ethischen Gründen keine randomisiert-kontrollierten, doppelt verblindeten Studien im Bereich Psychopharmakologie und Schwangerschaft gibt und dass es viele Risikofaktoren für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen sowie die spätere Entwicklung der Kinder gibt, die ebenfalls einen starken Einfluss haben können und die häufig nicht in Studien miteinbezogen werden wie Nikotin-, Alkohol- und illegaler Drogenkonsum, BMI der Mutter, somatische Komorbiditäten, genetische Faktoren und nicht zuletzt die psychische Erkrankung der Mutter selbst.

Auch schon deswegen sollte die Entscheidung für oder gegen die Gabe einer Medikation in der Schwangerschaft immer individuell unter Einbeziehung der Krankheitsanamnese und biografischer Faktoren unter Risiko-Nutzen-Analyse mit den Eltern gemeinsam getroffen werden. Die Kenntnis der spezifischen Risiken der verschiedenen Medikamente ist unerlässlich, spiegelt aber natürlich auch immer nur den aktuellen Stand der Wissenschaft wider, und in vielen Bereichen fehlen noch Studien. Diese SOP gibt einen Überblick über das Vorgehen bei geplanter und ungeplanter Schwangerschaft und zusätzlich werden die aus unserer Sicht häufigsten Psychopharmaka bezüglich des Risikos für Fehlbildungen evaluiert sowie Risiken der Medikamentengabe im zweiten und dritten Trimenon geschildert. Auf spezifische Medikamente in der Stillzeit kann in diesem Artikel nicht eingegangen werden.

 

Psychopharmakotherapie im ersten Trimenon

Relativ hohes Fehlbildungsrisiko

Valproat

Aufgrund des erwiesenermaßen hohen gesamten Fehlbildungsrisikos von ungefähr 10%, welches unter anderem spinale Fehlbildungen, aber auch kardiale Fehlbildungen beinhaltet sowie eines negativen Effektes auf IQ und psychomotorische Entwicklung bei den exponierten Kindern sollte Valproat nicht in der Schwangerschaft bzw. bei Frauen im gebärfähigen Alter gegeben werden.

Carbamazepin/Oxcarbazepin

Carbamazepin (CBZ) wird ein signifikant erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte (bis zu 1%) zugeschrieben, ebenso für kraniofaziale Defekte (bis zu 11%) und Entwicklungsverzögerungen bei exponierten Kindern (bis 20%). Oxcarbazepin, was gelegentlich auch zur Behandlung der bipolaren Störung eingesetzt wird, hat wohl ein deutlich geringeres Fehlbildungsrisiko, die Datenlage ist hier aber noch zu spärlich, um den Einsatz in der Schwangerschaft zu empfehlen.

Topiramat

Topiramat wurde mit einem höheren Fehlbildungsrisiko als Lamotrigin in Verbindung gebracht.

 

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Aus der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde 01/2020

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