Sauerstoff in der Notfallmedizin: Fluch oder Segen?

Sauerstoff ist das bekannteste Notfallmedikament und ist allgemein akzeptiert. Als Teil nahezu jeder Notfalltherapie wird Sauerstoff regelmäßig in hohen Dosen eingesetzt und galt lange als praktisch nebenwirkungsfrei. Daten der letzten 2 Jahrzehnte zeigen mögliche negative Effekte einer Hyperoxie besonders in der Postreanimationsphase und beim Myokardinfarkt auf. Eine kritische Betrachtung dieser Daten sollte die Grundlage eines rationalen Einsatzes von Sauerstoff in der Notfallmedizin sein.

Grundlagen

Sauerstoff – ein universelles Notfallmedikament Die Gabe von Sauerstoff in akut lebensbedrohlichen Situationen stellt einen Jahrzehnte alten Grundpfeiler der Notfallmedizin dar. Der Umstand, dass die Sauerstoffkonzentration von nur 21 % in der Umgebungsluft leicht auf ein Vielfaches erhöht werden kann, ermöglicht auf einfache Weise die schnelle Behandlung hypoxischer Zustände verschiedenster Ätiologie. Gleichzeitig können durch ein erhöhtes Sauerstoffangebot in der Atemluft auch zumindest in gewissem Maße Defizite in Sauerstofftransport und der Sauerstoffverfügbarkeit auf zellulärer Ebene ausgeglichen werden.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Sauerstoff zum universellen Notfallmedikament geworden ist, dessen großzügige Anwendung über viele Jahrzehnte unangezweifelt blieb.

Sauerstoff als Segen in der Notfallmedizin? Die Aufrechterhaltung der Sauerstoffversorgung des Organismus ist ein zentrales Ziel der gesamten Notfallmedizin. Nahezu jede Maßnahme, sei es die Reanimation beim Kreislaufstillstand, die perkutane Koronarintervention beim Myokardinfarkt oder die Thrombolyse beim akuten Schlaganfall, zielt darauf ab, kritische Organsysteme wieder ausreichend zu oxygenieren.

  • Ziel ist also, eine bestehende Ischämie oder Hypoxämie zu beenden, um einen bleibenden Zellschaden zu verhindern und Organfunktionen vollumfänglich wiederherzustellen.
  • Die therapeutische Idee einer Sauerstoffgabe in diesen Situationen fußt darauf, dass bei einer verminderten regionalen Perfusion die zelluläre Sauerstoffversorgung verbessert werden kann, indem die Sauerstofftransportkapazität maximal ausgeschöpft wird.

Dieser Ansatz ist bestechend logisch und jeder Notfallmediziner konnte schon viele Male eine Zustandsbesserung von Patienten unter Sauerstoffgabe beobachten.

Sauerstoff als Fluch in der Notfallmedizin? Dennoch wird dieses Dogma von einigen Wissenschaftlern seit längerem immer wieder angezweifelt. Die Kritiker der Sauerstoffgabe führen hierbei im Wesentlichen 2 möglicherweise schädliche Wirkungen durch Sauerstoff an.

  • Ein möglicher Mechanismus ist die Verschlechterung der Perfusionsverhältnisse in und um ischämische Areale besonders im Myokard beim Vorhandensein eines Perfusionshindernisses durch sauerstoffgetriggerte Vasokonstriktion und dadurch resultierende Blutflussreduktion der Koronararterien.
  • Der zweite Mechanismus ist die mögliche Verstärkung inflammatorischer Reaktionen durch hohe Sauerstoffkonzentrationen während der Reperfusion nach Ischämie.

 

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