Giftpflanzen lauern überall: Intoxikationen erkennen und behandeln

  • © Ralph Portenhauser

    Bei 3 bis 10 % der ca. 120 000 Vergiftungen von Kindern pro Jahr sind Pflanzen die Übeltäter.

     

Wussten Sie, dass man nach dem Genuss eines vermeintlichen Bärlauchpestos als Patient in der Notaufnahme landen kann? Oder dass man sich mit der Eisenhut-Pflanze vergiften kann – schon durch bloße Berührung? Nicht alles, was in Wald und Garten wächst, ist harmlos. Welche Pflanzen besonders giftig sind und wie man eine Intoxikation behandelt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Im Laufe der Evolution haben Pflanzen u. a. Nerven- und Zellgifte entwickelt, um ihre Fressfeinde fernzuhalten. Diese Fressfeinde wiederum – darunter auch der Mensch – haben versucht, sich anzupassen, indem sie im Verdauungstrakt Entgiftungsbarrieren schufen. Doch diese Schutzmechanismen bewahren nicht immer vor einer Intoxikation.

Kinder sind besonders gefährdet

Kinder vergiften sich weit häufiger mit Pflanzen als Erwachsene. Bei 3–10 % der ca. 120 000 Vergiftungen von Kindern pro Jahr sind Pflanzen die Übeltäter. Glücklicherweise sind tödliche Intoxikationen mit Giftpflanzen selten, da Kinder meist nur geringe Mengen aufnehmen.

Arzneistoffe aus Pflanzengiften

Die meisten modernen Medikamente leiten sich von pflanzlichen Toxinen ab: So soll Morphin (Analgetikum / Sedativum) Fressfeinde müde und träge machen, Coumarin (Antikoagulanz) innere Blutungen provozieren und Paclitaxel (Chemotherapeutikum) Magenkrämpfe und Durchfälle verursachen. Heute werden diese Substanzen in kontrollierter Dosierung bei Patienten eingesetzt.

Toxikodynamik von Pflanzengiften

Nervengift

Pflanzen enthalten zum Schutz vor Fressfeinden v. a. Nerven- und Zellgifte. Die Nervengifte hemmen oder überstimulieren das cholinerge (auf Acetylcholin reagierende) System [Tab. 1] oder Ionenkanäle. Cholinerg wirksame Gifte verursachen typische Syndrome. Die Übersicht in [Tab. 1] ermöglicht ein schnelles Einschätzen, welches System geschädigt und welche Therapie angezeigt ist.

Typische Effekte von Ionenkanalhemmern sind kardiale Arrhythmien, neurologische Störungen (z. B. metallischer Geschmack, Ohrensausen, Parästhesien, Sehstörungen) bis hin zu Krämpfen. Kausale Antidote existieren hier zumeist nicht.

Zellgifte

Diese Gifte können Entzündungen auslösen, Zellmembranen zerstören, die Zellteilung hemmen oder anderweitig zu Gewebeschäden – v. a. der Leber – führen. Gifte, die die Zellteilung hemmen oder die Zellmembran auflösen und zum Zelluntergang führen, machen sich zuerst v. a. durch Beschwerden im Magen-Darm-Trakt bemerkbar, da die Gewebe hier schnell wachsen.

 

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