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Anästhesie und Outcome: Einfluss bei Kindern

Die operative Versorgung von Kindern stellt hohe Anforderungen an die beteiligten Berufsgruppen und gilt zu Recht als anspruchsvoll. Das Risiko schwerer perioperativer Komplikationen liegt nach aktuellen Daten der APRICOT-Studie bei 5,2%. Als Risikofaktoren perioperativer Komplikationen zeigten sich hier hauptsächlich das Alter des Kindes, Grund- und Begleiterkrankungen sowie die körperliche Verfassung.

Da Anästhesisten weder diese Faktoren noch die benötigte Operation wesentlich beeinflussen können, ist es gerechtfertigt zu fragen, was der Anästhesist aktiv tun kann, um das perioperative Outcome von Kindern positiv zu beeinflussen. Die Möglichkeiten lassen sich grob in individuell und institutionell klassifizieren. Beide Gruppen der Einflussnahme sind wichtig und müssen unabhängig voneinander gestärkt werden.

Individuelle Möglichkeiten

Naturgemäß war in den letzten Jahren der Fokus zahlreicher Publikationen besonders auf eine Verbesserung der individuellen Fähigkeiten gerichtet.
Zu den individuellen Möglichkeiten gehört u. a. die intraoperative Phase der Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung. Als wichtige Erkenntnis ist hier in den letzten Jahren immer mehr eine Aufrechterhaltung der Homöostase identifiziert worden. Grob vereinfacht ist hierunter eine Vermeidung von arterieller Hypotension, Hyper-/Hypoglykämie, Hypoxämie, Hypokapnie und Hyponatriämie als Folge einer inadäquaten Flüssigkeitssubstitution zu verstehen.
In der Grauzone zwischen individueller und institutioneller Entscheidung mit potenziellem Einfluss auf das Outcome haben wir die Frage einer möglichen Neurotoxizität diskutiert. Diese ist seit einiger Zeit nicht nur fachlich, sondern auch politisch und emotional im Fokus und wird in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Institutionelle Ansätze

Genauso wichtig ist allerdings die Optimierung der institutionellen Versorgung mit potenzieller Verbesserung des Outcomes. Dieser Bereich wird schnell übersehen, hält jedoch zahlreiche Möglichkeiten der Einflussnahme bereit.
Jenseits der fachlichen Kriterien stellt eine hohe emotionale Belastung der Eltern eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. So konnte Litman et al. in einer Untersuchung an gesunden Kindern im Bereich der ambulanten Chirurgie bereits 1996 zeigen, dass Mütter von Säuglingen offenbar besonders viel Angst vor der perioperativen Phase haben. Da sich Angst und Unsicherheit der Eltern auf die Kinder übertragen, ist es gerechtfertigt zu fragen, inwiefern sich die emotionale Belastung der Kinder auf den postoperativen Gesundheitszustand auswirken kann. Kain et al. untersuchten hierzu 241 Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren, die sich einer Operation im HNO-Bereich unterziehen mussten. Sie beschrieben, dass ängstliche Kinder eine deutlich höhere Schmerzempfindlichkeit unmittelbar postoperativ als auch während der ersten 3 Tage zu Hause angaben. Der Schmerzmittelverbrauch war ebenfalls signifikant erhöht. Weiterhin traten bei diesen Kindern öfter ein Emergence Delirium und Schlafstörungen auf.
Ein aktuelles Thema ist in diesem Zusammenhang die Frage, inwieweit Eltern bei der medizinischen Versorgung ihrer Kinder anwesend sein sollen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, selbige zu begleiten. Hierzu haben Sanders et al. eine bemerkenswerte prospektive Kohortenstudie durchgeführt, in der sie auf 22 pädiatrischen Intensivstationen untersuchten, ob die Anwesenheit der Eltern während eines Intubationsvorgangs die Qualität der durchgeführten Maßnahme beeinflusste. Die Autoren konnten zeigen, dass die Anwesenheit von Familienmitgliedern nicht die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen ersten Intubationsversuchs beeinflusste, nicht mit einer erhöhten Anzahl an Entsättigungsepisoden assoziiert war und nicht mit einem erhöhten Stresslevel des Teams einherging. Auch wenn wir Zweifel haben, ob wir diese Praxis in unseren täglichen OP-Ablauf integrieren möchten, so zeigt die Studie doch sehr gut, dass wir die Familienangehörigen zunehmend in die Versorgung integrieren dürfen. Es ist völlig klar, dass das Ausmaß der Integration von den jeweiligen Bedingungen vor Ort abhängen wird.

Merke: Ängstliche Kinder haben postoperativ während der ersten Tage eine deutlich höhere Schmerzempfindlichkeit. Auch treten ein Emergence Delirium und Schlafstörungen bei ängstlichen Kindern postoperativ häufiger auf.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Anästhesie und Outcome: Einfluss bei Kindern

Aus der Zeitschrift AINS 07/08 2017 

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