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Arzt in Serie: Medizin im Unterhaltungsfernsehen

„Dr. House“ oder „Der Bergdoktor“ – Arztserien sind äußerst beliebt. Wer sorgt eigentlich dafür, dass die Medizin am Set stimmt? Und wie realistisch müssen die Inhalte sein?

In der „Schwarzwaldklinik“ war die Welt noch in Ordnung. Prof. Brinkmann und Schwester Christa wandelten gemächlich im Park und führten tiefschürfende Gespräche. Medizinische Diagnosen und ihre Behandlung spielten in der beschaulichen Schwarzwaldklinik eher eine Nebenrolle.

„Sie haben die Kamera immer so gedreht, dass man den Patienten nie sah und auch nicht, wie Untersuchungen oder OPs durchgeführt wurden“, erklärt Dr. Pablo Hagemeyer, medizinischer Fachberater für die Filmbranche und Psychotherapeut. „Man hat nie genau gesehen, was passiert.“ Trotzdem war die Schwarzwaldklinik eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehserien überhaupt.


Revolution im Wohnzimmer

1994 revolutionierte „Emergency Room“ die Szene. Plötzlich waren Ärzte nicht mehr gütig und langsam, sondern gehetzt, menschlich – und durchaus fehlbar. Das Tempo, in dem der Alltag in einer amerikanischen Notaufnahme erzählt wurde, war atemberaubend – ebenso wie die Fülle der medizinischen Details. Solide erzählt und hoch spannend.

In den 1990er-Jahren konsumierte auch Hagemeyer – damals noch Medizinstudent – eifrig amerikanische Arztserien und fragte sich, warum die so viel besser waren als deutsche Serien. „Ich hab‘ mir gedacht, das müsste man doch eigentlich in Deutschland auch besser hinkriegen.“ Über einen Freund, der Drehbuchautor und Filmberater war, kam er an sein erstes Drehbuch. Der leidenschaftliche Geschichtenerzähler begann, an der Entstehung von Krankengeschichten in Filmen mitzuwirken, und gründete mit Kollegen die Fachberatung „The DOX“.


Operation Schwarzwald

Heute berät The DOX Serien wie „Der Bergdoktor“ und verschiedene „Tatort“-Teams. Auf ihrer Website verkündet die Beratungsagentur stolz: „Wir haben die deutsche Arztserie seit der Schwarzwaldklinik etwas weitergebracht.“ Dabei hat Hagemeyer auch die Macher der Schwarzwaldklinik beraten – bei den letzten beiden Folgen. Das brachte etwas Action in den beschaulichen Schwarzwald: In der letzten Folge gab es immerhin eine größere OP.

Auch wenn US-Produktionen den deutschen Serien in medizinischen Belangen einiges voraushatten, waren und sind sie nicht perfekt: Kanadische Wissenschaftler haben 2010 untersucht, wie realitätsnah epileptische Anfälle dargestellt werden und ob die Serien-Ärzte ihre Patienten richtig behandeln. Nach der Analyse von 327 Folgen der US-Serien „Grey’s Anatomy“, „Dr. House“, „Private Practice“ und „Emergency Room“ kamen sie auf 59 epileptische Anfälle – und zu dem ernüchternden Ergebnis, dass 46 % der Fälle „unangemessen“ behandelt wurden.

 
Wie realistisch muss die Handlung sein?

„We love to entertain you“, lautet der Jingle eines Fernsehkanals. Auch und gerade TV-Serien dienen in erster Linie dem Entertainment. Müssen sie da überhaupt realistisch sein? Schließlich erwartet bei „Cobra 11“ auch niemand realistische Polizeiarbeit.

Studien deuten zumindest darauf hin, dass Fernsehserien (auch) zur Gesundheitsaufklärung geeignet sind. So hat die Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Dr. Constanze Rossmann herausgefunden, dass Zuschauer nach einer Folge „Lindenstraße“ über HIV-Prävention mehr Inhalte behielten als durch herkömmliche Gesundheitsinformationen. Und eine Studie des Arztes und Kommunikationswissenschaftlers Dr. Dr. Kai Witzel zeigt, dass Menschen, die häufig Arztserien schauen, mehr Angst vor Klinikaufenthalten haben.

Fernsehproduktionen leben aber nun mal von und für Einschaltquoten – und die gibt’s nicht ohne Spannung. Selbst bei realistischer Darstellung medizinischer Sachverhalte kann dabei ein verzerrtes Bild entstehen: Dr. Lisa Leucht hat in ihrer Dissertation ein breites Krankheitsspektrum in TV-Formaten gefunden – allerdings Diagnosen der Kategorien Verletzungen, Intoxikationen und iatrogene Einflüsse. Chronische Erkrankungen führen dagegen ein Schattendasein.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Arzt in Serie: Medizin im Unterhaltungsfernsehen

Aus der Zeitschrift: DMW 01/2018

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