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Auf den Ton kommt es an – Auskultation von Herz und Lunge

Giemen, Pfeifen, Rumpeln, Rasseln – die Bandbreite möglicher Auskultationsbefunde ist groß und mag auf den ersten Blick unüberschaubar wirken. Trotzdem sollte man sich die Mühe machen, das richtige Zuordnen der Geräusche und Töne zu üben: Die Auskultation liefert ein wichtiges Puzzleteil für die Diagnostik.

Fallbeispiel

Sie werden von ihrer Leitstelle zu einem Patienten mit „Atembeschwerden“ alarmiert. Nach einer kurzen Anfahrt erreichen Sie einen Wohnblock und machen sich auf den Weg in den 3. Stock. Die Wohnungstür steht bereits offen, und Sie folgen einer Sauerstoffleitung quer durch die Wohnung in das Wohnzimmer. Auf der Couch finden Sie einen etwa 65-jährigen Patienten mit Tachypnoe und keuchender Ausatmung vor. Eine Zyanose sehen Sie nicht. Der Patient berichtet Ihnen in abgehackten Sätzen, dass die Luftnot schon seit mehreren Tagen zunehmen würde und er es nun nicht mehr ausgehalten habe. Er könne seit ein paar Tagen auch sehr schlecht schlafen, da die Luftnot im Liegen zunähme und von einem trockenen, unproduktiven Husten begleitet sei. Schmerzen habe er nicht. Seine Haut ist trocken und nicht überwärmt. Der Puls ist regelmäßig, tachykard und schwach tastbar.

Erstes Vorgehen

Schon in diesem Moment macht der Patient auf Sie einen kranken, aber nicht kritischen Eindruck.

Aufgrund seiner abgehackten Sprechweise und der schon ohne Stethoskop wahrnehmbaren Atemnebengeräusche vermuten Sie ein eventuelles Problem der Atemwege (A) und auch der Atmung (B).
Sie bitten ihren Kollegen, dem Patienten eine Sauerstoffmaske mit einem Flow von 10 l/min zu verabreichen und somit die Dyspnoe zu lindern.
Währenddessen möchten Sie Ihr ABCDE-Schema abschließen und beginnen mit der Auskultation der Lunge.

Pulmonale Auskultation

Einführung in die Physik der Geräusche

Strömungsgeräusche

Strömungsgeräusche entstehen immer dann, wenn aus einer laminaren Strömung eine turbulente wird. Dies geschieht, wenn sich die Strombahn verengt (z. B. durch Schleim) oder aufgabelt (z. B. bei den Bronchialverästelungen).

Atemgeräusche

Bei der Auskultation der Lunge mit dem Stethoskop sind üblicherweise zunächst normale Atemgeräusche zu hören, die sich je nach Ort der Auskultation etwas unterscheiden.

In den zentralen Atemwegen (also am Hals sowie über und neben dem Brustbein) ist dies das zentrale Atemgeräusch, auch Bronchialatmen genannt. Es ist laut, klingt scharf oder rau und ist beim Ein- und Ausatmen hörbar.
In der Peripherie sind die Geräusche der kleinen Bronchioli hörbar. Sie klingen tiefer und weniger laut als das Atemgeräusch über den zentralen Atemwegen, da sie durch das Lungengewebe abgedämpft werden. Am besten zu hören sind sie in den Phasen relativ schnellen Luftstroms, also während der Einatmung und zu Beginn der Ausatmung. Dieses „normale“ Geräusch der Luftströmung wird als vesikuläres Atemgeräusch bezeichnet.
Veränderungen der Bronchialgeräusche weisen auf Bronchialerkrankungen hin. So führt die Verengung beim Asthmaanfall zu einem verlängerten Exspirium oder aber zu einer „silent lung“, die ein fälschlich beruhigendes Fehlen typischer Befunde zur Folge hat („silent lung“: massive Überblähung mit sehr kleinen Hubvolumina und starker Abschwächung des Geräusches durch die größere Distanz der Stethoskopmembran zu den Bronchioli).

Hören Sie jetzt in eine Schritt für Schritt Anleitung zur Auskultation von Herz und Lunge rein:

Zum Video

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Auf den Ton kommt es an – Auskultation von Herz und Lunge

Aus der Zeitschrift retten! 2/2015

 

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