• Kindernotfall

     

Besonderheiten bei der Notfallversorgung von pädiatrischen Patienten

Kindernotfälle stellen Mitarbeiter im Rettungsdienst vor besondere Herausforderungen. Zu den psychischen Belastungsfaktoren gehören neben einem relativ geringen Aufkommen von Kindernotfällen von etwa 4 % aller Notfälle weitere psychologische, physiologische, aber auch anatomische Besonderheiten, die im Folgenden beleuchtet werden.

Fallbeispiel

Mit dem Einsatzstichwort „allergische Reaktion mit Luftnot“ werden an einem Sonntagnachmittag ein RTW und ein NEF in ein Wohngebiet alarmiert. Nach Eintreffen des RTW erfolgt umgehend eine Rückmeldung an die Leitstelle und die durch längere Anfahrt verzögert eintreffende NEF-Besatzung: Es handelt sich um ein 5-jähriges Mädchen mit ausgeprägten Schwellungen im Mund-Rachen-Raum, bei Bewusstsein, jedoch dyspnoisch.

Bis zum Eintreffen des NEFs können folgende Vitalparameter erhoben werden: SpO2 99 %, Atemfrequenz etwa 50/Minute, ein exspiratorischer Stridor ist deutlich zu vernehmen, Pulsfrequenz laut Pulsoxymetrie 114/Minute – eine Blutdruckmessung sei bei dem aufgelösten, ängstlichen Kind noch nicht zu etablieren gewesen. Auch sei keine Ursache für das Geschehen zu erheben.

Psychologische Aspekte

Kindern ist es, in Abhängigkeit von ihrer Entwicklungsstufe, nicht immer möglich, die Situation zu erfassen, in der sie sich befinden. Daraus können situativ Verhaltensweisen entstehen, die den Zugang zum Kind erschweren oder gar unmöglich machen. Unter Umständen verzögert dies beispielsweise die Venenpunktion und eine notwendige Analgesie.

Unerwartetes Verhalten wie Weglaufen oder Wegziehen der Hand beim Anblick von Kanülen ist häufig, sodass Kinder niemals unbeobachtet sein sollten. Zur weiteren Verunsicherung kann beim Rettungsdienstpersonal und bei Bezugspersonen führen, dass Kinder sich nicht immer adäquat zu ihren Beschwerden äußern und je nach Entwicklungsstufe zum Fremdeln neigen.

Ersteinschätzung

Zur Ersteinschätzung empfehlen die American Heart Association und die American Academy of Pediatrics die Anwendung des pädiatrischen Untersuchungsdreiecks (PAT, Pediatric Assessment Triangle). Mithilfe des PAT können bereits binnen weniger Sekunden und ohne technisches Equipment strukturiert die folgenden Qualitäten erfasst werden:

  • Aussehen/Verhalten
  • Atmung
  • Hautkolorit

Ergeben sich bei Anwendung des PAT Auffälligkeiten wie veränderte Atemfrequenz oder verändertes Hautkolorit, können bereits Rückschlüsse auf die Dringlichkeit der Situation, von Maßnahmen und ggf. auf die Ursache von Störungen (z. B. Zyanose und Apathie bei Bradypnoe) gezogen werden. Die Erfassung von Vitalparametern ist kein Bestandteil dieses Vorgehens; diese werden im weiteren Verlauf erhoben.

Neben dem strukturierten Vorgehen ist es von Vorteil, dass das Kind zur Ersteinschätzung oftmals in der körperlichen Nähe seiner Bezugsperson belassen werden kann. Dies erleichtert den Beziehungsaufbau und reduziert den Stress bei allen Beteiligten.

Fallbeispiel

Die Ersteinschätzung durch Notarzt und RTW-Besatzung erfolgt durch die Anwendung des PAT. Während sich Notarzt und Besatzung des RTW weiter dem Kind zuwenden, versucht der Notfallsanitäter des NEF bei der ebenfalls aufgeregten Großmutter eine Fremdanamnese zu erheben: Insbesondere in den Frühlingsmonaten leide die junge Patientin unter „Schnupfen und Kurzatmigkeit“, Medikamente nehme sie keine und sei sonst auch gesund.

Allgemeine Verhaltenshinweise

Noch mehr als bei Erwachsenen muss eine vertrauensvolle Atmosphäre für das Kind und -sofern vorhanden – für die Begleitperson geschaffen werden. Neben einer kindgerechten, ruhigen Ansprache sollte das Rettungsdienstpersonal sich dem Kind und seiner Bezugsperson ruhig nähern und diese mit in die Behandlung einbinden.

Beiden wird in angepasster Sprache alles erläutert, was geschieht oder geplant ist. Oftmals empfinden Eltern bzw. Bezugspersonen es als belastend, wenn sie ihrem erkrankten Kind nicht helfen können und keinen Zugang zu ihrem Kind haben. Zudem können Eltern wichtige Hinweise für die Anamnese oder Informationen zu den körperlichen Gegebenheiten (Alter, Größe, Gewicht, Allergien) liefern.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Besonderheiten bei der Notfallversorgung von pädiatrischen Patienten

Aus der Zeitschrift retten! 01/2019

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