• Krankenhaushygiene

     

Desinfektion, Waschen, Kleben: Vermeiden von Infektionen auf der Intensivstation

Von den 400 000 – 600 000 Patienten mit nosokomialen Infektionen pro Jahr in Deutschland versterben ca. 10 000 – 15 000 an deren Folgen. Vermutlich 20 – 30% der nosokomialen Infektionen wären durch gezielte Maßnahmen vermeidbar. Dies zeigt, wie dringend erforderlich hygienisch einwandfreies Arbeiten auf der Intensivstation ist. Dieser Beitrag zeigt die wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung nosokomialer Infektionen auf.

Die nosokomialen Infektionen stellen auf der Intensivstation weiterhin ein erhebliches Problem dar. Die Fallzahl in Deutschland wird pro Jahr auf 400 000 – 600 000 geschätzt. Die Gesamtprävalenz 2016 betrug 4,6% (auf den Intensivstationen 17,07%). Dabei waren am häufigsten die Infektionen der unteren Atemwege (24%) aufgeführt, gefolgt von den postoperativen Wundinfektionen (22,4%), den Harnwegsinfektionen (21,6%) sowie der primären Sepsis (5,1%). Von den Pneumonien waren 35,3% beatmungsassoziiert, von den Harnwegsinfektionen 60,7% mit einem Harnwegskatheter assoziiert. Von der primären Sepsis waren 78,1% mit einem zentralen Venenkatheter (ZVK) assoziiert (21,9% mit einem peripheren Venenkatheter). Eine sekundäre Sepsis entwickelte sich in 26,6% der Fälle aus einer Pneumonie, in 26,6% aus einem Harnwegsinfekt sowie in 18,8% aus einer postoperativen Wundinfektion.

 

MERKE

Die häufigsten nosokomialen Infektionen sind Infektionen der unteren Atemwege; ungefähr zwei Drittel der Harnwegsinfektionen sind Harnwegskatheter-assoziiert.

Desinfizieren

Hände- und Flächendesinfektion

Eine effektive, teils kausale und für den Patienten in keinster Weise belastende Maßnahme ist die Vermeidung der Keimübertragung. Ein bedeutender Faktor bei der Erregerübertragung sind die Hände. Die wichtigste Einzelmaßnahme der Basishygiene ist die hygienische Händedesinfektion. Sie sollte streng gemäß den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) durchgeführt werden. In Deutschland werden überwiegend alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel verwandt. Je nach enthaltenem Alkohol (Ethanol, Propanol) ist die Mindesteinwirkzeit verschieden lang und muss nach Angaben des Herstellers exakt eingehalten werden. Die Hände müssen vor Anziehen der Handschuhe trocken sein, da Alkoholreste Materialschäden hervorrufen können und damit zur Patientengefährdung führen können. Bei Ethanol beträgt die Einwirkzeit für die chirurgische Händedesinfektion 120 s, bei Propanol 90 s. Ein Zusatz von remanent wirkenden Antiseptika (z. B. Chlorhexidin, Octenidin) besitzt keine Wirkungsverstärkung und erhöht zusätzlich die Gefahr einer Unverträglichkeit und einer Resistenzentwicklung.

 

MERKE

Vor und nach jedem Patientenkontakt, aber auch nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung ist die hygienische Händedesinfektion durchzuführen.

Denn bereits die Berührung von Oberflächen und Gegenständen aus der unmittelbaren, aber auch erweiterten Patientenumgebung führt zu einer relevanten Kontamination der Hände. Insofern ist es wichtig, dass die nähere Patientenumgebung, jedoch auch die Oberflächen adäquat gereinigt bzw. desinfiziert werden. In den Empfehlungen der KRINKO „Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“ wird aufgeführt: Reinigungs- und Desinfektionsverfahren führen zu einer Verminderung von Mikroorganismen auf den behandelten Flächen. Die alleinige Reinigung erzielt eine ca. 50 – 80%ige Reduktion, durch wirksame Desinfektionsverfahren kann die Effektivität auf mindestens 84 – 99,9% erhöht werden. Desinfiziert werden müssen Flächen mit einem häufigen Hand- bzw. Hautkontakt, ebenso müssen die Fußböden in Bereichen mit besonderem Infektionsrisiko (Intensivstation) desinfiziert werden. Eine exakte Dosierung der Desinfektionsmittel ist Voraussetzung für eine wirksame Desinfektion. Es muss genügend Desinfektionsmittel auf die zu desinfizierende Fläche gelangen. Aus diesem Grund muss eine Scheuer-Wisch-Desinfektion („Nass-Wischen“) erfolgen.

 

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier Desinfektion, Waschen, Kleben: Vermeiden von Infektionen auf der Intensivstation

Aus der Zeitschrift AINS 06/2020

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