• Exazerbierte COPD – mehr als nur Atemnot

     

Exazerbierte COPD – mehr als nur Atemnot

Im Rettungsdienst wird man häufig zu Patienten gerufen, die keine Luft mehr bekommen. Kritisch wird es aber, wenn sich deren Zustand weiter verschlechtert, es zu einem ventilatorischen Versagen kommt oder die Patienten bewusstlos werden. Oft liegen auch noch zusätzliche Begleiterkrankungen vor, die die Situation weiter verschärfen. Wie Sie eine akute Verschlechterung einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) von anderen möglichen Krankheiten unterscheiden können und wie Sie schnell und richtig handeln, lesen Sie in diesem Beitrag.

Der Rettungsdienst wird von Frau S. zu ihrem Ehemann alarmiert, da er zunehmende Atemnot hat. Er ist 61 Jahre alt, und bei ihm ist seit Jahren eine mittelschwere COPD II. Grades bekannt. Seit 4 Tagen leide er unter einer zunehmenden Kurzatmigkeit – inzwischen schon in Ruhe – sowie unter trockenem Reizhusten. Momentan hat der Patient weder Fieber noch Schmerzen im Brustkorb. Von seiner Frau wurde eine zunehmende Vergesslichkeit beobachtet. Beim Eintreffen des Rettungsteams wirkt Herr S. verlangsamt und leicht verwirrt. Die Atemfrequenz beträgt 24/min, eine leichte Lippenzyanose ist erkennbar, die pulsoxymetrisch gemessene Sauerstoffsättigung bei Raumluft (SpO2) liegt bei 80 % (Norm > 94 %), der Puls ist mit 106/min rhythmisch, der Blutdruck beträgt 130/80 mmHg. Es sind leichte Unterschenkelödeme erkennbar. Beim Abhören stellen Sie ein schwaches Atemgeräusch mit Giemen und Brummen beidseits fest.

Das Team verabreicht sofort 3 l/min Sauerstoff über eine Nasenbrille, worauf die Sauerstoffsättigung auf 90 % ansteigt. Der Patient erhält einen venösen Zugang und vom inzwischen eingetroffenen Notarzt Prednisolon 100 mg i. v. Herr S. bekommt zusätzlich 2 Hübe Salbutamol über einen Spacer (Inhalationshilfe).

Die Rettungskräfte bringen Herrn S. im RTW mit Notarztbegleitung in eine Lungenfachklinik.

Bei der stationären Aufnahme auf die pneumologische Wachstation bestätigt sich die vermutete infektexazerbierte COPD mit ventilatorischem Versagen. Eine Blutgasanalyse unter Sauerstoffgabe zeigt einen leicht erniedrigten Sauerstoffpartialdruck (pO2) mit 64 mmHg (Norm > 72 mmHg) und einen deutlich erhöhten Kohlendioxidpartialdruck (pCO2) mit 67 mmHg (Norm 35 – 45 mmHg). Die Kortisontherapie wird oral fortgesetzt und bei erhöhten Infektparametern im Labor durch eine Antibiose ergänzt. Außerdem erhält Herr S. zusätzlich Diuretika. Die inhalative Therapie und die Atemtherapie werden intensiviert und eine nichtinvasive Beatmung (NIV) wird eingeleitet. Herr S. toleriert diese gut. Seine Blutgase bessern sich langsam, v. a. der pCO2.

Ursachen akuter Atemnot

Plötzliche Atemnot ist eines der häufigsten Symptome in der Akutmedizin. Ohne Sauerstoff kann der Organismus nur wenige Minuten ohne irreversible Schäden überleben. Folgende Ursachen können u. a. eine akute Atemnot auslösen:

  • Verlegung der Atemwege: z. B. durch Bolusaspiration, Larynxödem z. B. nach Insektenstich
  • pulmonale Ursachen: z. B. aufgrund akuter bronchialer Obstruktion bei Asthmaanfall oder bei exazerbierter COPD, Pneumothorax
  • blockierter Sauerstofftransport: z. B. durch Vergiftungen (Kohlenmonoxidvergiftung)
  • Kardiale Ursachen, z.B. Myokradinfarkt, Lungenembolie, -rechts-, Linksherzinsuffizienz

COPD

Die COPD gewinnt in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung und gilt inzwischen als eine der häufigsten Erkrankungen. Schätzungen zufolge leiden 10 – 15 % der Erwachsenen in Deutschland an einer COPD. Weltweit ist die COPD die vierthäufigste Todesursache. Sie ist charakterisiert durch eine chronisch fortschreitende Verengung der Bronchien, die sich auch unter Therapie nicht normalisiert. Durch die chronische Enge der Bronchien, die sog. Obstruktion, unterscheidet sie sich grundsätzlich vom Asthma bronchiale. Das Asthma bronchiale ist durch eine reversible Obstruktion der Atemwege charakterisiert, und mittels entsprechender Medikamente lassen sich normale Lungenfunktionswerte erreichen.

Symptome

Patienten mit einer COPD leiden typischerweise unter Kurzatmigkeit (Dyspnoe), anfangs nur bei Anstrengung, in fortgeschrittenen Fällen auch in Ruhe. Außerdem können Symptome einer chronischen Bronchitis (Husten und Auswurf) vorliegen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Exazerbierte COPD – mehr als nur Atemnot

Aus der Zeitschrift retten! 04/2017

Call to Action Icon
retten! Jetzt kostenlos testen!

Newsletter Rettungsdienst

  • Jetzt zum Newsletter anmelden!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt kostenlos zum Newsletter an und wir informieren Sie über brandaktuelle News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tolle Gewinnspiele.

Quelle

retten!
retten!

Das Fachmagazin für den Rettungsdienst

EUR [D] 43,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Taschenatlas Notfallmedizin
Hans Anton Adams, Andreas Flemming, Lars Friedrich, Heiner RuschulteTaschenatlas Notfallmedizin

EUR [D] 51,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

retten! Lernposter
retten! Lernposter

Die wichtigsten Merkhilfen für den Rettungseinsatz

EUR [D] 9,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.