• Wasserpfeife

     

Geräuchert

In den Abendstunden wird der Notarzt unter dem Stichwort „Plötzliche Bewusstlosigkeit auf dem Gehweg“ zusammen mit einem RTW alarmiert. Beim Eintreffen wird ein etwa 20-jähriger Mann von begleitenden Freunden präsentiert, der sich nach deren Angabe plötzlich während des Gehens an einem Pfahl festgehalten habe, dann zusammen gesunken sei und mehrfach an Armen und Beinen heftige Zuckungen gezeigt habe.

 

Fall


Der Patient ist zum Zeitpunkt der notärztlichen Untersuchung wach, orientiert, kann lediglich das aktuelle Datum nicht nennen. Die Einnahme von Drogen oder Medikamenten oder Alkohol wird negiert. Vorerkrankungen, insbesondere ein Krampfleiden, sind ebenfalls nicht zu eruieren. Er sei mit seinen Freunden seit mehreren Stunden in einer Shisha-Bar gewesen und habe dort mehrere Shishas geraucht. Verletzungen sind nicht sichtbar und ein orientierender Bodycheck bleibt ohne pathologischen Befund. Die gemessenen Vitalparameter liegen mit einem Blutdruck von 100/70 mm Hg, einer Atemfrequenz von 16/min und einer Herzfrequenz von 100/min weitgehend im Normalbereich. Auch die pulsoxymetrische Sättigung zeigt einen Normalwert von 96 %.

Zum Ausschluss etwaiger innerer Veränderungen wie Infektionen oder Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts weist der Notarzt den Patienten in eine nahegelegene Klinik in die dortige Rettungsstelle ein.

Dort werden letztlich ebenfalls keine pathologischen Veränderungen der Vitalwerte gefunden. Ein Computertomogramm des Kopfes wird bei fehlenden Verletzungszeichen zunächst hintangestellt. In einer venösen Blutgasanalyse findet sich ein deutlich erhöhter Wert von Carboxyhämoglobin von 32 % sowie ein diskret erhöhtes Laktat von 26 mg / dl, das unter Flüssigkeitsgabe innerhalb einer halben Stunde auf den Normalwert von 15 sinkt. Der Anruf bei einer Giftinformationszentrale ergibt die Empfehlung, bei diesem deutlich erhöhten Wert des CO-Hb und den neurologischen Phänomenen (stattgehabter Krampfanfall) eine hyperbare Oxygenation zu erwägen. Nach Kontaktaufnahme mit dem Zentrum für hyperbare Sauerstofftherapie und Tauchmedizin in Berlin wird der Patient dorthin verlegt und erhält eine lange und zwei kurze Behandlungen in der Überdruckkammer. Details zum nachfolgenden Verlauf stehen nicht zur Verfügung.

 

Ursachen

Zwischen dem Rauchen der Wasserpfeifen und der klinischen Symptomatik scheint ein Zusammenhang zu bestehen. Die Frankfurter Rundschau berichtete am 28.12.2011 über eine mit Kohlenmonoxid vergiftete Gastwirtin, die sich die Vergiftung bei der Vorbereitung der glühenden Kohlen für die Wasserpfeifen zugezogen hatte. Im gleichen Artikel wird von der Weihnachtsfeier eines Shisha-Versand-Shops berichtet, wo es nach Schließen von Hallentoren wegen großer Kälte bei 10 Partygästen zu Vergiftungssymptomen kam. Alle hatten erhöhte CO-Werte im Blut, 6 davon bedurften der Krankenhausbehandlung.


Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 2009 eine aktualisierte gesundheitliche Bewertung (Nr. 011/2009) der „Gesundheits- und Suchtgefahren durch Wasserpfeifen“ publiziert. Dort wird auf die besondere Bedeutung des Kohlenmonoxids im Wasserpfeifenrauch hingewiesen. Eine in dieser Publikation zitierte experimentelle Studie fand einen deutlichen Anstieg der Kohlenmonoxidkonzentration in Räumen, in denen Shishas geraucht werden. Die Nikotinaufnahme hingegen bewege sich in vergleichbaren Größenordnungen wie beim Konsum von Zigaretten. Eine weitere experimentelle Untersuchung an 54 gesunden Probanden zeigte, dass während einer 45-minütigen Wasserpfeifensession im Vergleich zum einmaligen Rauchen einer Zigarette der Hb-CO-Gehalt kontinuierlich auf bis zu 4,5 % anstieg (Zigarette max. 1 %). Auch die im Blut gemessene Nikotinkonzentration stieg kontinuierlich bis 8 ng / ml an, während nach Rauchen einer Zigarette ein rasch ansteigender Wert von ca. 8 ng / ml erzielt wurde, der danach kontinuierlich abfiel. Die subjektiven Empfindungen wurden von beiden Probandengruppen gleich bewertet.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Geräuchert

Aus der Zeitschrift Der Notarzt 1/2015.

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