Hypoglykämie-Einsatz: Unspektakulär? Von wegen!

Einsatzmeldung „Unterzucker“ – klingt langweilig, ist es aber nicht unbedingt. Denn wenn das Gehirn unzureichend mit Glukose versorgt wird, kann dies schwerste Störungen hervorrufen: Wesensveränderungen, starke Erregbarkeit, Aggressivität und Gewaltausbrüche des Patienten können das Rettungsteam dann in große Schwierigkeiten bringen.

Einsatzmeldung

Es ist 1:36 Uhr nachts, als der Alarm ertönt. Schlaftrunken und bewährten Automatismen folgend, begibt sich Notarzt Volker Wanka zu seinem Einsatzfahrzeug (NEF). Über Funk hören er und der Fahrer den wenig spektakulär klingenden Einsatzgrund: „Hypoglykämie“. Halb dösend verbringt Wanka die Blaulichtfahrt durch das herbstliche Schmuddelwetter. Er ahnt nicht im Entferntesten, welch aufreibender Einsatz ihn erwartet.


Am Einsatzort

Als Wanka Minuten später aus dem NEF steigt, läuft eine ca. 30-jährige Frau auf ihn zu. Sie gestikuliert wild, ist ziemlich hysterisch und ruft: „Schnell, schnell, helfen Sie! Mein Mann ist Diabetiker und im Unterzucker!“


Gefahr im Verzug

Das Rettungsteam folgt der davoneilenden Frau in ein nahegelegenes Mehrfamilienhaus. Im schummrigen Treppenhaus vor der Wohnung angekommen, entpuppt sich der vermeintlich harmlose „Hypoglykämie-Fall“ als hühnenhafter und muskelbepackter Mann mit erheblichem Aggressionspotenzial. Und der ist gerade dabei, diversen Türen und Einrichtungsgegenständen den Garaus zu machen. Einige Hausbewohner beobachten die Szene aus sicherer Entfernung und tuscheln miteinander. Vor den Augen des Rettungsteams offenbart sich ein Bild der Verwüstung: Im Treppenhaus liegt ein Garderobenständer, Jacken und ein Mantel haben sich auf den Stufen vor der Wohnungstür verteilt. In der Wohnung schmücken zerfetzte Zeitschriften den Boden. Daneben liegt eine zerbrochene Tasse – sie muss den Spiegel im Flur getroffen haben, denn er zeigt Sprünge im Glas. Während der Patient gerade die Schubladen einer Kommode herausreißt und in Richtung der Rettungskräfte schleudert, schreit er Verständliches und Unverständliches. „Kommt mir bloß nicht zu nahe!“ ist allerdings deutlich herauszuhören. Völlig gefangen in seinem wütenden Toben, ist er nicht aufnahmefähig – weshalb Wanka erst gar nicht versucht mit ihm zu reden, sondern nur denkt: „Gefahr im Verzug, da geh ich nicht ran.“


Rückzug

Wanka wird schnell klar, dass hier besondere Vorsicht geboten ist: Selbstschutz und Deeskalation haben höchste Priorität. Er ordnet den Rückzug an, sehr zum Leidwesen seiner ebenfalls stattlich gebauten und kampferprobten jungen RTW-Besatzung. Die hatte sich schon mit den Worten „Volker, den schnappen wir dir!“ in Position gebracht. Doch stattdessen fordert Wanka über die Leitstelle die Polizei zur Unterstützung an.

Den gesamten Einsatzbericht plus Expertenkommentar können Sie hier abrufen.

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