• Virusinfektion der unteren Atemwege

     

Intensivpflichtige Virusinfektionen der unteren Atemwege

Virusinfektionen der unteren Atemwege sind auf der Intensivstation häufig und können insbesondere bei Risikopatienten zu schweren Krankheitsverläufen führen. Bei diesen Fällen kann eine rasche und zielgerichtete Diagnostik und Therapie lebensrettend sein.

Viren machen den größten Anteil der Erreger menschlicher Infektionskrankheiten aus. Zum großen Teil sicherlich bedingt durch die zunehmend sensitivere Diagnostik nimmt auch die Zahl der nachgewiesenen Virusinfektionen auf den Intensivstationen stetig zu. Respiratorische Viren sind die häufigste Ursache für akute Exazerbationen bei COPD- und Asthma-Patienten. In Studien schwankt die Anzahl der durch Viren verursachten ambulant erworbenen Pneumonien („community acquired pneumonia“, CAP) zwischen 5 und 34 %. Häufigste Ursache der viralen CAP ist eine Infektion mit Influenza-Viren.

Der überwiegende Teil viraler Infektionen der unteren Atemwege bedarf keiner Behandlung im Krankenhaus, insbesondere bei Patienten mit chronischen Grunderkrankungen kann jedoch eine stationäre Aufnahme erforderlich werden. Der Großteil der Virusinfektionen, die einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfen, betreffen die unteren Atemwege und das zentrale Nervensystem. Aber auch andere Organsysteme wie der Gastrointestinaltrakt oder die Nieren können von schweren viralen Infektionen betroffen sein. Schwere Virusinfektionen können der initiale Grund für einen Intensivaufenthalt sein oder auch eine zusätzliche Komplikation darstellen, z. B. in Form einer nosokomialen viralen Infektion. Eine besondere Bedeutung kommt den viralen Infektionen bei immunsupprimierten Patienten zu.

Aufgrund der Fülle der viralen Infektionen beschränkt sich der vorliegende Beitrag auf die wichtigsten Virusinfektionen der unteren Atemwege.

Pathogenese der Virusinfektion

Viren können ganz unterschiedliche Immunantworten des Wirts hervorrufen, die für die Virusabtötung wesentliche zelluläre und humorale Prozesse initiieren. Gleichzeitig kann eine überschießende Immunantwort jedoch auch zu einer Schädigung der alveolär-kapillaren Barriere mit einer alveolären Flüssigkeitsansammlung, einer intraalveolären Fibrinakkumulation und einer weiteren Steigerung der Entzündungsreaktion durch oxidierte Phospholipide führen. Eine erfolgreiche Kontrolle der Virusreplikation und der daraus resultierenden Immunantwort ist die Grundlage für die epitheliale Regeneration.

Intensivpflichtige Virusinfektionen der unteren Atemwege

Aufschluss über die Inzidenz von Virusinfektionen auf der Intensivstation geben einige Studien, in welchen die Atemwege intubierter Patienten auf respiratorische Viren untersucht wurden. Im Sputum und zum Teil in der bronchoalveolären Lavage (BAL) konnten je nach Studie bei 22 – 36 % der Patienten mit PCR respiratorische Viren nachgewiesen werden. Am häufigsten nachzuweisen waren humaner Rhinovirus (ca. 24 %), Respiratory Syncytial Virus (RSV bis zu 27 %), Parainfluenza-Viren (bis zu 27 %) sowie Influenza-Viren (ca. 16 %) und Herpes-simplex-Virus (HSV ca. 22 %).

Rhinoviren, RSV, Parainfluenza- und Influenza-Viren gehören zu den am häufigsten bei Patienten auf der Intensivstation nachgewiesenen Viren.

Als Risikofaktoren für einen Virusnachweis der unteren Atemwege wurden pulmonale Vorerkrankungen, Immunsuppression sowie die kühle Jahreszeit identifiziert. An eine Viruserkrankung sollte man insbesondere bei Nichtansprechen auf eine antibiotische Therapie, einer erneuten klinischen Verschlechterung im Verlauf sowie bei Vorliegen der genannten Risikofaktoren denken.

 

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Aus der Zeitschrift Intensivmedizin up2date 2/2016

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