• Lungenödem

     

Kardiales Lungenödem – Ergänzungsprüfung

Fallbeispiel Einsatzmeldung „Patient mit Atemnot, Am Stadtgraben 4“. Bei der Adresse handelt es sich um eine Altbauwohnung in der Innenstadt – im dritten Obergeschoss. Das Treppenhaus ist extrem eng. Sofort ist dem Team klar: Ein Transport über das Treppenhaus wird hier kaum möglich sein.

Diagnostik Schritt für Schritt nach ABCDE- und SAMPLER-Schema

A – Airway

Der Patient reagiert sofort auf das Rettungsdienstteam. Aufgrund der massiven Atemnot strengt ihn das Sprechen sehr an. Immer wieder muss er bei der Anamneseerhebung Sprechpausen einlegen. Aus diesem Grund stellt das Team geschlossene Fragen, auf die der Patient mit Nicken und Kopfschütteln antworten kann. Der Patient ist blass, zyanotisch, und es ist auch ohne Stethoskop ein grobblasiges Rasselgeräusch zu hören.

B – Breathing

Die Atemfrequenz ist mit 30/min stark erhöht. Die Atemzüge sind schwer und das angelegte Pulsoxymeter zeigt eine Sauerstoffsättigung (SpO2) von 89 %. Der Patient wird in der sitzenden Position belassen. Zeitgleich erhält er 15 l O2/min über eine Maske mit Reservoir.

C – Circulation

Der Puls lässt sich peripher sehr gut tasten, die Frequenz ist mit 120/min tachykard, aber regelmäßig. Der Blutdruck ist mit 110/80 mmHg recht niedrig. Weder die geschilderten Symptome noch ein 12-Kanal-EKG geben Hinweise auf ein akutes Koronarsyndrom (ACS).

Medikamentengabe

Der Patient wird nun über die bevorstehenden Maßnahmen aufgeklärt. Mit seiner Einwilligung legt das Team einen peripher venösen Zugang. Vor der sublingualen Gabe von Glyzeroltrinitrat-Spray wird der Patient nach Einnahme von potenzsteigernden Medikamenten in den letzten 48 h befragt und über die mögliche Problematik im Zusammenhang mit der Gabe weiterer Medikamente aufgeklärt. Der Patient verneint die Einnahme, auch eine Medikamentenunverträglichkeit ist ihm nicht bekannt.

  • Das Team verabreicht 1 Hub (0,4 mg) Glyzeroltrinitrat-Spray unter die Zunge und prüft den RR engmaschig.
  • Weiterhin erhält der Patient 40 mg Furosemid langsam i. v.

Anamnese mittels SAMPLER-Schema

Während sich einer der Kollegen um die Organisation des Transports in die Klinik kümmert und die Feuerwehr als Tragehilfe nachfordert, komplettiert der andere die Anamnese. Hierzu nutzt er das SAMPLER-Schema, bevor er die Punkte D und E des anfänglichen ABCDE-Schemas abarbeitet.

  • S – Symptome Die Atemnot ist 5 min nach der Medikamentengabe deutlich besser. Auskultatorisch hört man immer noch ein grobblasiges Rasselgeräusch.
  • A – Allergien Allergien sind keine bekannt.
  • M – Medikamente Keine regelmäßige Medikamenteneinnahme.
  • P – Patientengeschichte Der Patient leidet schon länger unter Kurzatmigkeit. Insbesondere beim Treppensteigen kommt er sehr leicht außer Atem. Heute haben sich die Symptome erstmals nicht gebessert. Beim Hausarzt war der Patient zuletzt vor 1,5 Jahren. Der Arzt hatte ihm dringend angeraten, abzunehmen und den Blutdruck medikamentös einzustellen. Nachdem die erste Tablettenpackung leer war, hat er den Arzt nicht mehr aufgesucht.
  • L – Letzte Mahlzeit Vor 1 h hat der Patient ein Bier getrunken und dazu Chips gegessen.
  • E – Ereignis Siehe Patientengeschichte.
  • R – Risikofaktoren Der Patient ist 65 Jahre alt, wiegt 108 kg bei einer Körpergröße von 173 cm und ist somit stark übergewichtig. Augenscheinlich meidet er Bewegung und ist starker Raucher.

D – Disability

Der Patient ist mit einem GCS-Wert von 15 wach und ansprechbar (GCS: Glasgow Coma Scale). Neurologische Defizite sind nicht feststellbar – trotzdem misst das Team noch den Blutzucker. Dieser ist mit 185 mg/dl deutlich erhöht.

E – Exposure, Environment

Bei einer groben körperlichen Inspektion fallen ausgeprägte Beinödeme auf.

Reevaluation nach dem 10-für-10-Prinzip

Das Team wiederholt nun nochmals die Punkte A, B und C. Seit Beginn der Versorgung sind 10 min vergangen.

  • Die Atemwege sind weiterhin frei.
  • Die Zyanose ist vollständig verschwunden, die SpO2 mit 95 % zufriedenstellend, und die Rasselgeräusche haben deutlich abgenommen.
  • Der Blutdruck ist mit 110/80 mmHg stabil, und das Team entscheidet sich für eine Repetition von einem Hub (0,4 mg) Glyzeroltrinitrat-Spray sublingual.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Kardiales Lungenödem – Ergänzungsprüfung – Das sollten Sie wissen

Aus der Zeitschrift retten! 5/2015

 

Call to Action Icon
retten! kostenlos testen ... ... und ausführlich kennenlernen!

THIEME NEWSLETTER

Quelle

retten!
retten!

Das Fachmagazin für den Rettungsdienst

EUR [D] 47,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Notfalltechniken Schritt für Schritt
Michael Bernhard, Jan-Thorsten GräsnerNotfalltechniken Schritt für Schritt

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.