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Kinderanästhesie: Risikopatienten profitieren von intravenöser Einleitung

Obwohl die meisten Kinder für eine Allgemeinanästhesie immer noch inhalativ eingeleitet werden, wird die intravenöse Variante mit Propofol immer beliebter und scheint das Risiko einiger Komplikationen positiv zu beeinflussen. Ramgolam und Team haben nun beide Einleitungsformen bei Kindern mit hohem Risiko für Atemwegskomplikationen miteinander verglichen und kommen dabei zu einem spannenden Ergebnis.

Um den gefürchteten „Pikser“ beim Legen einer peripheren Verweilkanüle zu umgehen, werden bis heute die meisten Kinder für eine Allgemeinanästhesie inhalativ mit Sevofluran eingeleitet. Gleichzeitig stellen respiratorische Komplikationen mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von 15 % in Zusammenhang mit einer Narkose ein hohes Risiko dar und gehen mit Stress für die betroffenen Familien, längeren stationären Aufenthalten und schließlich höheren Kosten einher. Nachdem erste Beobachtungen eine intravenöse Einleitung mit Propofol im Hinblick auf Atemwegskomplikationen als vorteilhaft darstellen konnten, haben Rangolam und Kollegen beide Varianten in einer randomisierten klinischen Studie an 300 Kindern bis 8 Jahren einander gegenüber gestellt. Die Forscher stellten zunächst die Hypothese auf, dass Kinder mit hohem Risiko für respiratorische Zwischenfälle weniger Komplikationen bei einer intravenösen als bei einer inhalativen Einleitung entwickeln würden.

Alle eingeschlossenen Kinder waren an einer australischen Klinik für einen elektiven kleinen chirurgischen Eingriff vorgesehen, höchstens 8 Jahre alt und brachten mindestens 2 der folgenden Risikofaktoren für respiratorische Komplikationen mit:

  • Erkältung in den letzten 2 Wochen,
  • Giemen, mehr als 3 Episoden im vergangenen Jahr,
  • Atemnot bei Belastung,
  • Nächtlicher trockener Husten,
  • Ekzeme in der Anamnese,
  • Passivrauchen,
  • Positive Familienanamnese für Heuschnupfen, Asthma oder Ekzeme.
Wichtigstes Ausschlusskriterium war eine Prämedikation mit Midazolam vor Narkoseeinleitung. Die Kinder wurden auf zwei Studiengruppen verteilt:
  • Inhalationsgruppe (IG): Narkoseeinleitung mit Sevofluran über Maske.
  • I.V.-Gruppe (IVG): Intravenöse Narkoseeinleitung mit Propofol.
Die Atemwegssicherung erfolgte in beiden Gruppen per Larynxmaske, die Narkose wurde ausschließlich balanciert mit Sevofluran fortgeführt. Primärer klinischer Endpunkt war die Häufigkeit perioperativer respiratorischer Komplikationen:
  • Laryngospasmus,
  • Bronchospasmus,
  • Abfall der Sauerstoffsättigung auf < 95 %,
  • Atemwegsobstruktion,
  • starkes Husten,
  • Postoperativer Stridor.
Als sekundäre Endpunkte dienten die individuelle Häufigkeit schwerer und leichter Atemwegskomplikationen sowie die Phase der Anästhesie, in der eine Komplikation zum Vorschein trat.

300 Kinder zwischen 0,7 und 8 Jahren nahmen teil, 189 (63 %) von ihnen männlich. Pro Gruppe konnten jeweils 149 Datensätze ausgewertet werden. Die meisten Patienten beider Gruppen brachten 2 oder 3 Risikofaktoren für Atemwegskomplikationen mit, Passivrauchen und eine positive Familienanamnese für Asthma und Ekzeme waren dabei besonders häufig.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Kinderanästhesie: Risikopatienten profitieren von intravenöser Einleitung

Aus der Zeitschrift Journal Club AINS 3/2018

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