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Kochsalzlösung bei Intensivpatienten

Die Diskussion über die Gefahren bzw. den Nutzen von HAES-Lösungen bei Intensivpatienten wurde in den letzten 10 Jahren mit großer Intensität geführt. Etwas aus den Augen verloren wurde hierbei die schon wesentlich ältere Diskussion über Gefahren einer „physiologischen“ Kochsalzlösung zur Volumentherapie bei kritisch kranken Patienten.

Neben dem Entstehen einer hyperchlorämen Azidose durch die unphysiologisch hohen Chloridkonzentrationen in den NaCl-Lösungen wird auch seit längerer Zeit das Risiko eines akuten Nierenversagens durch die „physiologischen“ Kochsalzlösungen diskutiert. Neben den NaCl-Lösungen stehen als kristalloide Lösungen auch gepufferte Elektrolytlösungen mit einer Elektrolytzusammensetzung zur Verfügung, die der Zusammensetzung im menschlichen Blut näher kommt. Zu diesen Lösungen gehört u. a. Ringer-Laktat-Lösung. In einer großen neuseeländischen Multicenterstudie wurden aktuell die Effekte von NaCl-0,9%-Lösungen mit gepufferten Elektrolytlösungen verglichen. Hierbei war der primäre Outcomeparameter das Auftreten eines akuten Nierenversagens. Insgesamt wurden 2278 Patienten in die Studie eingeschlossen und in die beiden Gruppen randomisiert. Die meisten der eingeschlossenen Patienten wurden nach elektiver Operation auf die Intensivstation verlegt. Fast 90 % der eingeschlossenen Patienten hatten vor Aufnahme auf die Intensivstation schon gepufferte Elektrolytlösungen erhalten. Der mittlere APACHE II-Score der Patienten war mit 14 eher niedrig. Die mittlere Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation betrug nur 1,5 Tage. Während dieses kurzen Intensivaufenthaltes erhielten die Patienten in beiden Behandlungsgruppen ca. 2000 ml Kristalloid-Lösung. Zwischen der Gruppe mit NaCl-Lösung und der Gruppe mit balancierter Elektrolytlösung fanden sich in keinem der untersuchten Parameter signifikante Unterschiede, u. a. fanden sich keine Unterschiede in

  • der Häufigkeit von akutem Nierenversagen,
  • den Kreatininwerten,
  • der Häufigkeit einer metabolischen Azidose und
  • der Mortalität.

Zusammenfassend hat die Studie von Young et al. gezeigt, dass, wenn man geringe Mengen an unterschiedlichen Elektrolytlösungen an Intensivpatienten gibt, die eine geringe Krankheitsschwere aufweisen und sich auch nur sehr kurz auf der Intensivstation aufhalten, sich keine signifikanten Unterschiede im Outcome finden. Erneut fragt man sich, wie solche klinisch wenig relevanten intensivmedizinischen Studien ihren Weg in ein hochrangiges Journal wie das JAMA finden.

Fazit Geringe Mengen an „physiologischer“ Kochsalzlösung scheinen während eines kurzen Intensivaufenthaltes von relativ gesunden Patienten nicht schädlich zu sein.

Aus der Zeitschrift Intensivmedizin up2date 2/2016

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