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Nabelvenenkatheter – Schritt für Schritt

In der Initialphase der schweren kardiorespiratorischen Anpassungsstörung stehen Wärmeerhalt, Beatmung/Atemunterstützung und Etablierung eines Gefäßzugangs im Vordergrund. Besonders letzteres kann mangels praktischer Erfahrung und in zeitkritischer Lage eine große Herausforderung sein. Der Nabelvenenkatheter stellt eine praktikable Alternative zum periphervenösen oder intraossären Gefäßzugang dar. Das Verfahren kann durch einfache Übungen am sehr realitätsnahen Modell erlernt werden.


FALLBEISPIEL

Der klinische Fall

Alarmierung des Neugeborenen-Notarztdienstes

Einsatzstichwort für RTW und Transportinkubator: „Schwere Anpassungsstörung nach Notsectio in nahe gelegener Geburtsklinik“.

Eintreffen des Teams 20 Minuten postnatal

Männliches Neugeborenes, 39 + 1 SSW, Gewicht ca. 3000 g, APGAR 1/5/7, Nabelarterien-pH 7,34, SpO2 präduktal 60%. Bisherige Erstversorgung durch das geburtshilflich-anästhesiologische Team unter dem Wärmestrahler mit Perivent®-Masken-CPAP-Atemhilfe.

Ersteindruck und Maßnahmen

Kritisch krankes reifes Neugeborenes mit relevantem B- und C-Problem: Wechsel von Masken- auf Nasopharyngealtubus-CPAP-Atemhilfe mit FiO2 0,6 und Nabelvenenkatheteranlage („kurze Knopfkanüle“) nach zweimaligem frustranem PVK-Versuch.

Manuelle repetitive Applikation von Flüssigkeitsboli (3 × 30 ml Ringer-Azetat) über 50-ml-Perfusorspritze bei ausgeprägter gemischter Azidose (pH 6,92, pCO2 74 mmHg, Base Excess − 20,7 mmol/l, Laktat 14,6 mmol/l, BZ 68 mg/dl, Hb 18,4 g/dl). Transport auf die neonatologische Intensivstation und mehrstündige CPAP-Atemhilfe.

6 h postnatal weitgehend normalisierte Blutgasanalyse, im Weiteren komplikationsloser Verlauf, Entlassung am 10. Lebenstag.

Grundlagen

Das European Resuscitation Council (ERC) empfiehlt nach dem ersten Zyklus (30 s) „Beatmung und Thoraxkompression 3 : 1“ bei persistierender Bradykardie < 60/min oder Asystolie: „Zugang und Medikamente erwägen“. In den allermeisten Fällen ergibt sich die Indikation eines Gefäßzugangs jedoch bereits bei kardiorespiratorischer Anpassungsstörung und/oder drohender oder manifester Hypoglykämie im Sinne „unterstützender Maßnahmen“.


THERAPIE
Indikation für einen Gefässzugang

Der Anlage eines Gefäßzugangs in einer neonatologischen Notfallsituation muss auch eine therapeutische Konsequenz folgen. Absolute Indikationen sind

  • hämodynamisch relevanter Blutverlust (z. B. vorzeitige Plazentalösung oder Nabelschnurblutung) und
  • Schockzeichen bei schwerer kardiorespiratorischer Anpassungsstörung oder Asphyxie (Blässe, deutlich verzögerte Rekapillarisierungszeit, Atemstörung, reduzierte Vigilanz).

Fetale und postnatale Kreislaufverhältnisse

Nach Abnabelung und Beginn der Lungenatmung stellt sich der fetale Kreislauf mit den Kurzschlussverbindungen Ductus venosus, Foramen ovale und Ductus arteriosus auf postnatale Kreislaufverhältnisse um. Anfangs verschließen sich diese Shunts aufgrund der veränderten Druckverhältnisse funktionell (innerhalb von Minuten bis Stunden) und im weiteren Verlauf strukturell (innerhalb von Tagen bis Wochen).
 


MERKE

Die V. umbilicalis mit Ductus venosus stellt damit vorübergehend eine praktikable Gefäßzugangsmöglichkeit dar. Bei der Nabelvenenkatheteranlage wird der Ductus venosus bei zentraler Lage des Katheters als „Wegschienung“ genutzt und bei peripherer Lage (Katheterspitze unter Hautnabelniveau) zum freien Abfluss der Infusion.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Nabelvenenkatheter – Schritt für Schritt
aus der Zeitschrift Notfallmedizin up2date 15(04) / 2020

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