Das Kind mit einem Atemwegsinfekt: Wann und wie führe ich die Narkose?

  • Atemwegsinfekt

    Ein Kind mit Atemwegsinfekt erfordert eine sorgfältige, individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung.

     

Die Frage, ob eine Operation und Anästhesie bei einem Kind mit Atemwegsinfekt durchgeführt oder abgesagt werden sollen, ist auch heute noch eines der Dilemmas der klinischen Anästhesiologie: Den Termin aus Sicherheitsgründen verschieben, um kein erhöhtes Risiko für das Kind einzugehen? Oder freigeben, weil die Operation schon so lange geplant und besprochen ist, Eltern und Kind alles für diesen Termin organisiert haben und das Kind ja operiert werden muss? Der folgende Beitrag soll Ihnen dabei helfen, mit einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung eine möglichst evidenzbasierte Entscheidung zu treffen – im Konsens mit der Familie und den Operateuren.

Einleitung

Differenzierte Betrachtung

In der Vergangenheit wurden elektive Eingriffe bei Kindern, die an einem akuten Infekt der Atemwege leiden, häufig pauschal „abgesetzt“ oder für mehrere Wochen verschoben. Das Absetzen respektive Verschieben einer Anästhesie kann negative Konsequenzen für das Kind, seine Familie aber auch das medizinische Team nach sich ziehen. Das Hauptargument für einen Aufschub der Anästhesie bei einem Kind mit Atemwegsinfekt – die Sorge des Anästhesisten wegen eines erhöhten Risikos für perioperative respiratorische Komplikationen – muss heute differenziert betrachtet werden.

Es gibt nach wie vor keine klare Evidenz, welches Kind mit Atemwegsinfekt gefährdet ist, noch kann davon ausgegangen werden, dass ein Kind ohne Infekt keine Komplikationen erleidet.

Risiko-Nutzen-Abwägung

In der Tat kann das respiratorische System nach einem Atemwegsinfekt als „hyperreaktiv“ definiert werden. Diese Veränderungen sind teilweise bis zu 6 Wochen nach der Erkrankung nachzuweisen und die Mechanismen dieser Pathophysiologie scheinen denen von Asthma bronchiale sehr ähnlich zu sein. Heute existieren jedoch wichtige Erkenntnisse, dass eine Anästhesie bei Kindern mit Atemwegsinfekt durchgeführt werden kann, wenn potenzielle Risiken und Vorteile für das Kind sorgfältig gegeneinander abgewogen werden und perioperativ ein entsprechend kompetentes anästhesiologisches Management eingesetzt wird.

Atemwegsinfekt

Definitionen und Pathophysiologie

Definition

Ein Atemwegsinfekt ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten in der frühen Kindheit. Der Begriff wird in der Regel nicht spezifiziert: Er wird im klinischen Kontext verwendet, um verschiedene Arten von milden Infektionen der oberen Atemwege (Infektion der oberen Atemwege, upper respiratory tract infection, URI) mit seinen anatomischen Divisionen Nasenschleimhaut, Rachen, Nebenhöhlen, Rachen / Hypopharynx, Mandeln und Kehlkopf zu beschreiben.

Infektionen der oberen Atemwege treten bei Kindern umso häufiger auf, je jünger die Kinder sind: Säuglinge und Kinder im Kleinkind- / Vorschulalter haben im Mittel 6–8 Erkältungen pro Jahr.

Klinische Symptome

Die klinischen Symptome eines Infekts können breit gefächert sein, meist beginnend mit Halsschmerzen, Heiserkeit, bald begleitet durch eine laufende Nase, Niesen und Husten. Die anfängliche wässrige Verstopfung der Nase kann sich in eine eitrige Kongestion mit Mundatmung wandeln. Fieber besteht in der Regel bei Kindern, seltener bei Erwachsenen. Oft ist die Infektion durch „Unwohlsein“, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Appetitlosigkeit begleitet.

 

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Quelle

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