• Notfallmedikamente im Überblick

    © Kirsten Oborny - Thieme Gruppe

     

Notfallmedikamente im Überblick

Idealerweise kennt man die Notfallmedikamente mit gleichem Wirkstoff und zusätzlich auch wirkungsgleiche Produkte mit ähnlichen Wirkstoffen. Wie sich das am besten erreichen lässt, lesen Sie in folgendem Beitrag.

Arzneimittel für den Notfall sollen das Behandeln lebensbedrohlicher Störungen ermöglichen, die nach akuten Erkrankungen, Traumata oder Vergiftungen eingetreten sind. Zudem können können diese Medikamente Patienten helfen, die zwar gravierend aber nicht lebensbedrohlich erkrankt sind (z. B. Schmerztherapie).

Wirkstoffe und Präparate

Die o. g. Ziele lassen sich mit verschiedenen Wirkstoffen einer Wirkstoffgruppe erreichen, wobei jede Substanz häufig unter unterschiedlichen Präparatenamen im Handel ist. So muss man einerseits Handelspräparate mit gleichem Wirkstoff kennen und außerdem wirkungsgleiche Medikamente mit ähnlichen Wirkstoffen (Wirkstoffgruppe). Eine gewisse Übersichtlichkeit stellen die internationalen Freinamen (international name, INN) her: Über sie ist es leichter, gleiche Wirkstoffe zu erkennen als über die chemische Stoffbezeichnung. Zudem sind auch die INN einer Wirkstoffgruppe oft durch identische Namensbestandteile / Endungen erkennbar (z. B. β-Blocker: Atenolol, Bisoprolol, Metoprolol etc.)

Eigenschaften von Medikamentengruppen merken

Es ist empfehlenswert, wenn Sie sich Wirkung, Wirkungsmechanismus, Nebenwirkungen, Probleme bzw. Kontraindikationen sowie die grundlegende Pharmakokinetik einer Wirkstoffgruppe merken. Zu Einzelsubstanzen, die davon abweichen, kann man dann eine Ausnahme abspeichern. Das ist wesentlich einfacher, als sich die Charakteristika sämtlicher Medikamente einzeln einzuprägen. Um eines kommt man allerdings nicht herum: Die Dosierung ist für jeden Arzneistoff (nicht jedes Handelspräparat) spezifisch.

Dosierungen

Am sinnvollsten ist es, sich die Dosierung für den durchschnittlichen Patienten (70 kg) einzuprägen – bei einigen notfallmedizinisch relevanten Pharmaka ist sie bei starkem Über- oder Untergewicht an das geschätzte Körpergewicht des Patienten anzupassen. In den meisten Fällen gilt das Sollgewicht des Patienten als Berechnungsgrundlage, Fett ist ein schlecht durchblutetes Gewebe und spielt deshalb als Verteilungsraum für Medikamente nur in der Dauertherapie eine Rolle. Bei Patienten im Schock bzw. mit Kreislaufinsuffizienz muss man das reduzierte Verteilungsvolumen und die lange Kreislaufzeit bedenken. Kinder benötigen als Erstdosierung i. d. R. mehr als die körpergewichtsbezogen aus der Erwachsenendosis errechnete Dosis, da ihr Verteilungsvolumen pro Kg KG größer ist.

Relevante Angaben

Angaben zu Dosierung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind nur im Kontext der Notfallmedizin relevant, bei Langzeittherapie und anderen Indikationen mögen weitere Probleme hinzukommen, die im Notfall nicht wichtig sind (z. B. die Jodidwirkung bei der Therapie mit Amiodaron).

Wirkungsmechanismus

Es lohnt sich, sich den Wirkungsmechanismus von Arzneimitteln zu merken – v. a. von Notfallmedikamenten, die am vegetativen Nervensystem wirken – denn daraus lassen sich nicht nur Wirkungen, sondern auch Nebenwirkungen erklären.

Welche Medikamente sind mit an Bord?

Die Erfahrung des Einzelnen mit bestimmten Pharmaka bietet die beste Gewähr für eine effektive und nebenwirkungsarme Therapie. Die Medikamentenausstattung des Rettungswagens oder Notarzteinsatzfahrzeugs wird i. d. R. von vielen Kollegen genutzt, sodass individuelle Vorlieben nicht immer berücksichtigt werden können. Ein Kompromiss soll idealerweise auch die Therapiegewohnheiten der hauptsächlich aufnehmenden Klinik berücksichtigen, da der Patient dann für die dortigen Ärzte zuverlässiger einschätzbar ist. Je weniger Medikamente ein Rettungsdienst nutzt, um so sicherer und effektiver wird i. d. R. die Therapie. Für Intensivtransporte (ITW, ITH) ist eine speziellere Arzneimittelausstattung nötig. Wenn ein Sekundärtransport mit Primärtransportmitteln erfolgen soll, muss man spezifische Medikamente und Infusionslösungen für den jeweiligen Patienten aus der Klinik mitnehmen.

Applikation

Medikamente verabreicht man in Notfallsituationen i. d. R. intravenös. Dies ist nötig, damit die Wirkung schnell eintritt – aber auch, um die häufig stark verlangsamte Pharmakokinetik des Notfallpatienten zu beherrschen. Ausnahmen bilden einige wenige Medikamente, die ausreichend über die Bronchial- und / oder Mundschleimhaut resorbiert werden, wodurch der Effekt bei genügender Perfusion und Ventilation mit der i.v. Gabe vergleichbar ist. Dies gilt für Glyzeroltrinitrat und β2-Sympathomimetika.

Pharmakokinetik bei Notfallpatienten

Das Herzzeitvolumen von Notfallpatienten ist schockbedingt häufig stark verringert, was die Pharmakokinetik des Medikaments ändert. Der Wirkungseintritt kann sich auch bei i.v. Gabe um Minuten verzögern.

Haltbarkeit von Medikamenten

Die Haltbarkeit ist im Rettungsdienst problematisch, da die Notfallmedikamente nicht nach Herstellerangaben gelagert werden (Standardverfallzeit bei Zimmertemperatur und trockener Lagerung: 5 Jahre): Je nach Jahreszeit sind Medikamente in den Notfallkoffern und Fahrzeugen extremen Temperaturen und Sonnenlicht ausgesetzt – unter diesen Bedingungen wird die Haltbarkeit jedoch nicht geprüft. Daher sollte man die Medikamente mindestens jährlich ersetzen und beachten, dass bei vielen Substanzen eine kürzere Haltbarkeit angegeben ist (K = instabil < 0° C; W = instabil > 25° C).

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Notfallmedikamente – So behalten Sie den Überblick

Aus der Zeitschrift retten! 2/2015

 

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