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OP mit Herz-Lungen-Maschine: Höherer Ziel-Blutdruck hat keine Vorteile

Profitieren Patienten bei Eingriffen mit Herz-Lungen-Maschine, wenn ihr Blutdruck auf physiologischem (hohem) Niveau gehalten wird? Eher nicht, legt eine dänische Studie nahe.

Perioperative Schlaganfälle sind bei Patienten an der Herz-Lungen-Maschine häufig – Studien belegen 1 – 2 % klinisch manifeste und bis zu 50 % stumme Hirninfarkte. Das Risiko steigt mit dem Alter der Patienten.

Oft fällt während solcher Eingriffe der Blutdruck auf sehr niedrige Werte. Wäre es besser, ihn medikamentös auf Normalniveau zu halten? Die „Washout“-Hypothese geht von der Vermutung aus, ein höherer arterieller Druck könnte Emboli besser aus der Hirnstrombahn spülen und so Infarkte vermeiden.

In der dänischen Studie wurden 197 Patienten randomisiert zwei Gruppen zugewiesen; in einer lag der mittlere arterielle Ziel-Blutdruck bei 70 – 80 mm Hg (high target), in der anderen bei 40 – 50 mm Hg (low target). Erreicht wurden die Werte durch Titrierung von Norepinephrin während des Eingriffs. Der Fluss durch den kardiopulmonalen Bypass betrug in beiden Gruppen konstant 2,4 l/m pro m2 Körperoberfläche.

Perioperativ keine signifikanten Unterschiede

In der diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie wiesen 3 – 6 Tage nach dem Eingriff 52,8 % der Patienten in der Low-Target-Gruppe neue zerebrale Läsionen auf und 55,7 % der Patienten in der High-Target-Gruppe (p = 0,76). Das Volumen der Infarkte war mit 25 bzw. 29 mm3 in beiden Gruppen ähnlich (p = 0,99). Im Schnitt hatten die Patienten beider Gruppen 1 neue Läsion. Auch bei der Häufigkeit schwerer unerwünschter Wirkungen der Therapie zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.

Postoperativ mehr Schlaganfälle bei High-Target

Innerhalb des Bobachtungszeitraums von 30 Tagen waren klinisch manifeste Schlaganfälle zwar insgesamt selten, lagen in der High-Target-Gruppe aber höher als in der Low-Target-Gruppe (7 % vs. 1 %, p = 0,059). Das Phänomen postoperativer Schlaganfälle nach großen Herz-Lungen-Operationen ist bekannt. Als Ursachen vermutet werden ein postoperatives Entzündungsgeschehen, eine gesteigerte Gerinnung oder neu aufgetretenes Vorhofflimmern. Ob ein großzügiger Gebrauch von Norepinephrin das Risiko für einen postoperativen Apoplex erhöht, wurde bislang nicht untersucht.

Fazit

Ein höherer mittlerer arterieller Ziel-Blutdruck von 70 – 80 mm Hg scheint bei Eingriffen mit extrakorporalem Kreislauf keinen messbaren Vorteil zu bringen. Weder die Zahl neuer zerebraler Infarkte noch ihr Volumen unterschieden sich im Vergleich mit Patienten, deren Ziel-Blutdruck während des Eingriffs bei 40 – 50 mm Hg lag.

Aus der Zeitschrift: Journal Club AINS 03/2019

 

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