• Opiatintoxikation – Das sollten Sie wissen für die Ergänzungsprüfung.

     

Opiatintoxikation – Das sollten Sie wissen für die Ergänzungsprüfung

retten! macht Sie fit für den Notfallsanitäter: In jeder Ausgabe arbeiten wir mit Hilfe eines Fallbeispiels einen interessanten Einsatz algorithmenkonform auf. Anhand von exemplarischen Fragen zu erweiterten Notfallmaßnahmen, Kommunikation und Rahmenbedingungen können Sie sich auf die Ergänzungsprüfung vorbereiten – egal, in welchem Bundesland Sie arbeiten.

„Hilfelose Person, Hauptbahnhof, im Bereich der Damentoiletten; die Polizei wurde mitalarmiert und ist auf der Anfahrt.“ Bereits im RTW zieht sich die Beifahrerin ein 2. Paar Einmalhandschuhe über und legt ihrem Kollegen ein weiteres Paar in die Ablage. Wie üblich trägt das Team Schutzbrillen. Am Haupteingang werden die Rettungskräfte von einem jungen Mann erwartet, der sie zum Toilettenbereich führt. Das Team hat das Einsatzfahrzeug abgeschlossen und auf die Mitnahme der Fahrtrage verzichtet, da zwischen den Toiletten und der Anfahrt mehrere Treppenabsätze liegen.

Situation vor Ort

Am Einsatzort angekommen, finden die Rettungskräfte eine sehr schlanke, ca. 40-jährige Frau bewusstlos auf dem Boden vor. Auf den Fliesen verteilt liegen die typischen Fixerutensilien. Neben einer leeren Insulinspritze mit aufgesteckter Nadel befinden sich ein Feuerzeug, eine Tüte mit weißem Pulver sowie ein gebrauchter Löffel und ein offenes Aluminiumpäckchen ohne Inhalt. Vorsichtig schiebt die Notfallsanitäterin die Utensilien mit dem Schuh in die Ecke. Da die Räumlichkeiten sehr beengt sind, entscheidet sich das Team, die bewusstlose Patientin mit dem Rettungsgriff nach Rautek in den Vorraum zu bringen. Während die Notfallsanitäterin die Patientin vom Boden aufnimmt, breitet ihr Kollege die mitgebrachte Einmaldecke auf den kalten Fliesen aus. Die leichtbekleidete Frau wirkt auf den ersten Blick, als käme Sie aus dem Strichermilieu. Ganz in der Nähe befindet sich der Straßenstrich und die Toiletten werden immer wieder für den Konsum von Drogen genutzt.

Sicherung der Vitalfunktionen

Bereits beim Umlagern fällt auf, dass die Patientin ohne Muskelspannung und völlig schlaff in den Armen liegt. Im Licht des Vorraums wirkt sie auffallend blass und zyanotisch. Kaum auf dem Boden abgelegt, beginnt die Kollegin mit der Sicherung der Vitalfunktionen nach dem standardisierten ABCDE-Schema. Parallel organisiert ihr Kollege das Material und öffnet den Notfallrucksack.

A-irway

Die Atemwege sind sichtlich verlegt. Aus dem rechten Mundwinkel fließt Speichel. Noch bevor die Notfallsanitäterin den Kopf überstreckt, dreht sie diesen vorsichtig zur Seite und saugt die oberen Atemwege mit einem großlumigen Absaugkatheter ab. Dann führt sie den Kopf nach hinten, und die Patientin atmet hörbar spontan ein.

B-reathing

Die Atemfrequenz ist mit einer Frequenz von 6/min deutlich verlangsamt und nicht ausreichend. Das Team entscheidet sich zu einer assistierten Beatmung: Der Kollege übernimmt diese mit dem vorbereiteten Beatmungsbeutel mit Reservoir und Sauerstoff, während die Kollegin mit der Untersuchung fortfährt. Die zuvor angelegte Pulsoxymetrie zeigt keinen Wert. Die Finger der Patientin sind kühl und nur schlecht durchblutet.

C-irculation

In der Zwischenzeit hat die Notfallsanitäterin den peripheren Puls an der A. radialis gefühlt. Dieser ist zwar nur schwach tastbar, aber regelmäßig, und mit einer Frequenz von 90/min akzeptabel. Auf die Messung des Blutdrucks verzichtet das Team und legt für die weitere Überwachung ein EKG an. Wie zu erwarten, zeigt das EKG einen unauffälligen Sinusrhythmus.

D-isability

Aufgrund der Umstände prüft die Notfallsanitäterin den Pupillenstatus der Patientin. Die Pupillen sind isokor und maximal verengt, auf Licht reagieren sie kaum. Der Befund bestätigt den Verdacht auf eine Heroinintoxikation als Grund für die Bewusstlosigkeit. Da sich die Atmung nicht stabilisiert, entscheidet sich das Team, schnellstmöglich Naloxon i. v. zu geben.

Das Legen eines peripher-venösen Zugangs bereitet große Mühe. Am rechten Unterarm findet sich ein kleineres Gefäß; dort kann die Notfallsanitäterin eine rosa Venenverweilkanüle (ID 0,8 mm, 20 G) etablieren. Die Blutzuckermessung ergibt einen Wert von 78 mg/dl.

E-xposure

Vor der Applikation des Antidots vervollständigt die Notfallsanitäterin ihre Diagnose mit einer kurzen körperlichen Inspektion der Patientin. Strukturiert arbeitet sie sich vom Kopf bis zu den Füßen vor. Hinweise für Verletzungen sind keine zu finden. An verschiedenen Stellen lassen sich Einstiche unterschiedlichen Alters ausmachen. Die eine oder andere Einstichstelle ist entzündlich verändert.

SAMPLER+S-Schema

Eine gezielte SAMPLER+S-Anamnese lässt sich nicht durchführen. Bis auf die Untersuchungsergebnisse kann das Team keine zusätzlichen Informationen gewinnen. Der anwesende junge Mann gibt sich als Freund der Patientin zu erkennen; seine Angaben zu Allergien, Medikamenten und Patientengeschichte sind aber nicht zu verwerten. Lediglich die Frage nach der letzten Mahlzeit kann der Freund beantworten: Er gibt an, dass sie beide noch nichts gegessen hätten und im Anschluss in ein Café gehen wollten. Der junge Mann wirkt nun zunehmend unruhig, er zittert und schwitzt.

Eintreffen der Polizei

Als die Polizeibeamten eintreffen, nutzt der Freund der Patientin den Augenblick der Übergabe und stürzt aus der Eingangstür. Dabei schubst er einen Beamten, der unsanft zu Boden fällt. Die Polizisten nehmen sofort die Verfolgung auf. Nach kurzer Zeit kehren sie zurück; sie haben den Mann im Menschengedränge verloren und bieten nun ihre Hilfe an. Ein Beamter wird gebeten, die Infusion zu halten, der andere soll den nachgeforderten Notarzt einweisen und möglichst noch eine zusätzliche Decke aus dem Fahrzeug bringen.

Antidot-Gabe

Die Notfallsanitäterin hat in der Zwischenzeit 1 Ampulle Narcanti® (Naloxon 0,4 mg) auf 8 ml mit NaCl 0,9 % verdünnt und verabreicht diese nun langsam und in Schritten von 1 ml (= 0,05 mg Naloxon). Den Kopfhelfer weist sie an, die Atmung der Patientin aufmerksam zu beobachten. Nach der Gabe von 0,3 mg Naloxon hat sich ihre Atmung bei einer Frequenz von 14/min nahezu stabilisiert. Mittlerweile hat auch die Pulsoxymetrie eine Anzeige: Die Sauerstoffsättigung ist mit 95 % akzeptabel. Das Team beendet die assistierte Beatmung und bereitet alles für einen Transport ins Fahrzeug vor.

Ermittlung der Identität

Das Notarztteam ist mittlerweile eingetroffen und hat den Rettungskräften geholfen, die Patientin in das Fahrzeug zu bringen. Die Identität der Patientin konnte die Polizei mithilfe des Ausweises ermitteln. Die Beamten benötigen für ihr Protokoll nun noch nähere Informationen zur Verdachtsdiagnose. Als sie die Notfallsanitäterin dazu befragen, verweist diese auf ihre Schweigepflicht.

 

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Aus der Zeitschrift retten! 01/2017

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