• Patient Blood Management - Intensivmedizin - Georg Thieme Verlag

     

Patient Blood Management in der Intensivmedizin

Die Anämie zählt in der Intensivmedizin zu den am häufigsten gestellten Diagnosen. Patient Blood Management (PBM) ist ein individuelles Behandlungskonzept, das auf Reduktion von Anämie, Vermeidung unnötiger Blutverluste und einen rationalen Einsatz von Blutprodukten zielt. In der Intensivmedizin führt PBM zu einer Optimierung patienteneigener Ressourcen durch die Minimierung diagnostischer und therapeutischer Blutverluste und ein intensiviertes Gerinnungsmanagement.

 Eine Anämie – umgangssprachlich auch als „Blutarmut“ bezeichnet – beschreibt den Mangel an Erythrozyten bzw. Hämoglobin (Hb) und kann unter Umständen zu einer Sauerstoffunterversorgung lebenswichtiger Organe führen.

DEFINITION
ANÄMIE
Eine Anämie besteht (laut WHO)

bei Frauen bei einem Hb < 12 und
bei Männern bei einem Hb < 13 g/dl.

Seit Längerem ist bekannt, dass eine Anämie einen unabhängigen Risikofaktor für den Patienten darstellt. Etwa 30% aller chirurgischen Patienten sind bereits vor einer Operation anämisch. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass der Hb-Wert bei einem Großteil der intensivpflichtigen Patienten bereits bei Intensivaufnahme unter 12 g/dl liegt.

Ein erniedrigter Hb-Wert wird oftmals von den behandelten Ärzten als Indikation für eine Transfusion mit Erythrozytenkonzentraten (EKs) interpretiert, während die erwünschte Verbesserung des Sauerstoffangebots häufig eine untergeordnete Rolle spielt. EK-Transfusionen sind, wie jedes andere Medikament auch, mit (teils gravierenden) Risiken und Nebenwirkungen behaftet. Dazu gehören beispielsweise allergische, hämolytische sowie nichthämolytische Transfusionsreaktionen.

Zusätzlich darf nicht außer Acht gelassen werden, dass eine Bluttransfusion auch als „Transplantation des flüssigen Organs Blut“ beschrieben werden kann, in dessen Rahmen dem Organismus des Empfängers Millionen von fremden Zellen zugeführt werden. Solch eine Intervention greift nicht nur in das Immunsystem des Patienten ein, sondern kann den Patienten zusätzlich im Genesungsverlauf belasten. Eine dadurch möglicherweise ausgelöste Immunmodulation könnte mit einer erhöhten nosokomialen Infektionsrate assoziiert sein und ist derzeit Gegenstand klinischer Untersuchungen.

Obwohl weltweit Leit- und Richtlinien zur Therapie mit Blutkomponenten ausgesprochen wurden, ist die Transfusionspraxis äußerst variabel und zum Teil oftmals noch liberal. Dies ist unter Umständen dadurch zu erklären, dass das perioperative Gesamtmanagement in den einzelnen Kliniken zu unterschiedlichen Blutverlusten und damit zu einem unterschiedlichen Transfusionsbedarf führt. Zusätzlich bestehen bei den behandelten Ärzten aber auch Unsicherheiten bezüglich der korrekten Indikationsstellung, so dass hin und wieder auf vorherrschende, jedoch meist eminenzbasierte Transfusionsroutinen zurückgegriffen wird.

Aus der Notwendigkeit heraus, die Patientensicherheit zu steigern, fordert die WHO ihre Mitgliedstaaten auf, ein optimiertes Patient Blood Management durch den verstärkten Einsatz von Alternativtherapien zur Bluttransfusion einzuführen.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Patient Blood Management in der Intensivmedizin

Aus der Zeitschrift Intensivmedizin up2date 03/2017

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