• Placeboeffekte in der Akutschmerztherapie - AINS - Schmerzmedizin - Georg Thieme Verlag

     

Placeboeffekte in der Akutschmerztherapie

Placebo- und Noceboeffekte stehen schon lange im Fokus der Wissenschaft. In den letzten Jahren konnten wesentliche Erkenntnisse über die zugrunde liegenden Mechanismen sowie potenzielle klinische Einsatzmöglichkeiten gewonnen werden. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Placeboanalgesie-Forschung, neuro- und psychophysiologische Zusammenhänge und die klinische Anwendung im Hinblick auf die Akutschmerztherapie.

Ein wichtiges Ergebnis der Forschung der letzten Jahre ist: Es gibt nicht nur einen unspezifischen Placeboeffekt, sondern es wurden bis heute spezifische Mechanismen in 12 verschiedenen Körpersystemen nachgewiesen. Der analgetische Placeboeffekt spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es wird diskutiert, wie diese Effekte gezielt klinisch anwendbar sind. Die bislang wenigen existierenden klinischen Studien mit Patienten zeigen signifikante schmerzlindernde Einflüsse analgetischer Placeboeffekte. Negative medikamentöse Effekte, die sog. algetischen Noceboeffekte, tragen ebenfalls einen entscheidenden Anteil zum Therapieerfolg bzw. -misserfolg bei.

Relevanz von Placeboeffekten

Placeboeffekte stehen in der Forschung und klinischen Praxis gegenwärtig sehr im Fokus der Diskussion. Beispielhaft sei hier die Untersuchung von Moseley und Kollegen zitiert. Sie zeigte, dass die vielfach durchgeführte Kniegelenksarthroskopie mit Débridement bei Gonarthrose einer Scheinoperation in den Endpunkten Schmerz und Funktion nicht überlegen war. In einer aktuell veröffentlichten Studie von Beard und Kollegen wurden diese Ergebnisse für die arthroskopische subakromiale Dekompression bei schmerzhaftem Engpasssyndrom der Schulter bestätigt – auch wenn in dieser Studie keine Placebooperation (Simulation durch erfolgten Hautschnitt), sondern lediglich kein operativer Eingriff durchgeführt wurde.

Merke
Placeboeffekte sind demnach nicht nur im Rahmen medikamentöser Therapien, sondern auch bei interventionellen und operativen Therapien relevant.

In einem systematischen Review zeigten Wartolowska und Kollegen, dass 51% der untersuchten operativen bzw. endoskopischen Verfahren keinen Unterschied zwischen Placebo- und Interventionsgruppe aufwiesen. Zudem fiel der Unterschied bei den Verfahren, in denen die Intervention der Placebotherapie überlegen war, eher gering aus. Anzumerken ist aber, dass im zitierten Review keine größeren chirurgischen Eingriffe, wie Laparotomien, Thorakotomien oder ausgedehnte Resektionen, berücksichtigt wurden. Auch wurde nicht bei allen dort eingeschlossenen Studien tatsächlich eine Placebooperation (z. B. Hautschnitt, aber keine aktive Behandlung) durchgeführt. Die Autoren schlussfolgerten, dass Operationen zwar nicht generell infrage gestellt werden dürfen. Sie empfahlen aber, auch bei operativen Therapien zukünftig placebokontrollierte Studien durchzuführen, um potenziell unnötige oder falsche Behandlungen zu vermeiden.
Leitlinien

In der Akutschmerztherapie wurde der analgetische Placeboeffekt erstmals in der 2007 veröffentlichten und 2009 aktualisierten S3-Leitlinie „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ berücksichtigt. Hier wurde empfohlen, dass der Placeboeffekt in der Schmerztherapie durch positive und realistische Informationen so weit wie möglich ausgeschöpft werden sollte. Ebenso soll der Noceboeffekt durch Vermeidung negativer oder angsterzeugender Informationen so weit wie möglich reduziert werden. Die Leitlinie wird derzeit überarbeitet und 2018 in aktualisierter Fassung erscheinen.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag Placeboeffekte in der Akutschmerztherapie.

 

Aus der Zeitschrift AINS 09/2018

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