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Prähospitale Anlage von Tourniquets zur Kontrolle massiver Extremitätenblutungen – ein Update

2016 wurde erstmals eine Handlungsempfehlung der DGAI zur prähospitalen Anwendung von Tourniquets veröffentlicht. Die vorliegende Übersicht gibt einen aktuellen Überblick über die Anwendung von Tourniquets zur prähospitalen Blutungskontrolle mit einigen Ergänzungsvorschlägen zur DGAI-Handlungsempfehlung. Zusammenfassend sollte ein Tourniquet immer dann angelegt werden, wenn eine Extremitätenblutung durch Kompression einer Wunde nicht kontrolliert werden kann oder die Kompression situationsbedingt nicht durchführbar ist.

Erste Anwendungen eines Tourniquets gehen mindestens bis auf das Jahr 200 v. Chr. zurück. Eine feste Etablierung in einer strukturierten Patientenbehandlung erfolgte jedoch erst gegen Ende des letzten Jahrtausends. Im Jahr 1996 wurde, maßgeblich resultierend aus den medizinischen Erfahrungen der Operation Gothic Serpent im Oktober 1993 in Somalia, im Rahmen der 1. Auflage der Tactical Combat Casualty Care Guidelines (TCCC Guidelines) die Anlage eines Tourniquets bei massiver Extremitätenblutung in militärischen Szenarien empfohlen. Korrespondierend hierzu wurde im deutschsprachigen Raum 2010 durch die Tactical Rescue Emergency Medicine Association (TREMA) die Anlage von Tourniquets in taktischen Szenarien empfohlen. Zunächst lediglich durch militärische Spezialkräfte routinemäßig angewandt, gehört die Tourniquet-Anlage heutzutage zu den Standardmaßnahmen der Selbst- und Kameradenhilfe verwundeter Soldaten.

In der Folge hat sich auch die zivile Notfallmedizin zunehmend mit dieser Thematik beschäftigt. So wird die Anlage eines Tourniquets mittlerweile in der S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung und in der European Guideline on Management of Major Bleeding and Coagulopathy Following Trauma empfohlen, wenn eine Blutung nicht durch Kompression oder Druckverband beherrschbar ist. 2016 wurden von der Arbeitsgruppe Taktische Medizin des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) Handlungsempfehlungen zur prähospitalen Anwendung von Tourniquets publiziert.

In den zurückliegenden 2 Jahren wurden zahlreiche Studien zur Thematik Tourniquet veröffentlicht. Zudem hat der Aspekt der taktischen Medizin im zivilen Rettungsdienst durch die zahlreichen Terroranschläge der letzten Jahre in Europa weiter an Bedeutung gewonnen. In zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die massive Blutung nach außen in kriegerischen Auseinandersetzungen die Hauptursache der vermeidbaren Todesursachen darstellt. Durch ähnliche Verletzungsmuster bei Terroranschlägen und kriegerischen Auseinandersetzungen rücken Behandlungsmöglichkeiten solcher Verletzungen weiter in den Fokus.

International ist der Stellenwert der prähospitalen Blutungskontrolle noch deutlich präsenter. Am 31.03.2018 wurde beispielsweise in den USA der erste landesweite National Stop the Bleed Day durchgeführt, in dem Zivilisten in Blutstillungsmaßnahmen bei starken externen Blutungen unterwiesen wurden.

Auch im nationalen Vorgehen zur Bewältigung unsicherer Lagen ist das Tourniquet als eine Methode zur Blutstillung fest etabliert. Jedoch liegt auch in Deutschland abseits von Terrorszenarien der Anteil an vermeidbaren Todesfällen in der Traumaversorgung bei ca. 15%, wobei der überwiegende Teil auf Behandlungsfehler in der prähospitalen Versorgungsphase entfällt und 57,5% der potenziell vermeidbaren Todesursachen auf externe Blutungen zurückzuführen sind. Vor diesem Hintergrund werden nachfolgend der aktuelle Wissensstand zur Tourniquet-Anlage und aktuelle Handlungsempfehlungen wiedergegeben. 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Prähospitale Anlage von Tourniquets zur Kontrolle massiver Extremitätenblutungen – ein Update

Aus der Zeitschrift Der Notarzt 01/2019

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