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Qualitätssteigerung in der Intensivmedizin durch Telemedizin

Telemedizinische Versorgungsprogramme sind in der Intensivmedizin weltweit verbreitet und haben einen positiven Effekt auf Mortalität und Behandlungsdauer. Dieser Beitrag zeigt anhand der neuen Versorgungsform „Enhanced Recovery after Intensive Care (ERIC)“, wie Telemedizin in der Intensivmedizin eingesetzt werden kann, um die Qualität der akuten intensivmedizinischen Behandlung zu steigern.

 

FALLBEISPIEL
Telemedizinische Konsultation

Die 35-jährige Frau Musterfrau wird mit dem Leitsymptom „Dyspnoe“ in ihr regionales Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose „atypische Pneumonie“ wird schnell gestellt. Dennoch ist der Fall komplex. Auffällig sind Arthralgien seit mehreren Wochen und ein Exanthem sowie ein nur moderat erhöhtes Entzündungsniveau. Die Patientin wird isoliert und es erfolgt bei respiratorischer Insuffizienz die Verlegung auf die Intensivstation, wo sich der Zustand verschlechtert, sodass sie vom diensthabenden Anästhesisten intubiert werden muss.

Das Krankenhaus nimmt am telemedizinischen Programm der Charité – Universitätsmedizin Berlin teil, und es erfolgt eine Akutvorstellung über die Televisite. Gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen wird eine strukturierte Visite anhand der Qualitätsindikatoren (QIs) der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung von Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) durchgeführt und ein diagnostischer Plan festgelegt.

Zunächst kann festgestellt werden, dass alle QI der Behandlung erfüllt sind und unter der etablierten Beatmung und einer inspiratorischen Sauerstofffraktion (FiO2) von 0,4 ein zufriedenstellender Gasaustausch bei geringen bis moderaten Beatmungsdrücken erzielt werden kann – eine akute Verlegung wird daher zunächst nicht veranlasst. Es wird allerdings eine rheumatologische Diagnostik initiiert, die das Ergebnis eines positiven Anti-Jo-1 ELISAs bringt und letztlich die Diagnose einer Polymyositis ergibt. Es wird eine Therapie mittels Glukokortikoiden induziert, die eine rasche Verbesserung der Situation nach sich zieht.

Versorgungsqualität in der Intensivmedizin

Mehr als 2 Mio. Menschen werden jährlich in Deutschland auf Intensivstationen (ITS) behandelt. Der schon heute große Bedarf an Intensivmedizin wird in den nächsten Jahren voraussichtlich noch weiter ansteigen. Obwohl Durchschnittsalter und Krankheitsschwere der Patienten kontinuierlich ansteigen, sinkt die Mortalitätsrate seit Jahren. Was daraus resultiert, ist eine neue Kohorte von Überlebenden, die unter charakteristischen Langzeitfolgen der intensivmedizinischen Behandlung leiden, welche insbesondere 3 funktionelle Domänen betreffen:

  • Mobilität und physische Funktionen: Viele Patienten zeigen auch Jahre nach der Entlassung von der ITS noch Beeinträchtigungen in der Bewältigung täglicher Basisaktivitäten sowie eine verringerte Muskelkraft.
  • Langfristige mentale Gesundheit: Post-Intensivpatienten leiden vermehrt an Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Angststörungen.
  • Kognitive Funktionen: Viele Patienten zeigen nach ihrem Intensivaufenthalt Beeinträchtigungen ihrer kognitiven Funktionen. Zudem ist das Risiko für die Erkrankung an Demenz erhöht.

Zusammenfassend werden diese Beeinträchtigungen als Post-Intensive Care Syndrome (PICS) bezeichnet.

Neben den bereits etablierten, traditionellen Parametern des Behandlungsergebnisses, wie Mortalität und Intensivbehandlungsdauer, spielen gerade in der oben beschriebenen neuen Kohorte von Überlebenden funktionelle Beeinträchtigungen und deren Management eine entscheidende Rolle. Eine zentrale Frage ist, welche Strategien angewendet werden können, um die Langzeitfolgen einer Intensivbehandlung zu minimieren und ein verbessertes Überleben nach Intensivtherapie zu gewährleisten.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Qualitätssteigerung in der Intensivmedizin durch Telemedizin: Beispiel ERIC
aus der Zeitschrift AINS 56(01) / 2021

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