Schlaganfallbehandlung – schneller vor Ort als im Krankenhaus?

Dass es sich bei der Schlaganfallbehandlung um ein zeitkritisches Ereignis handelt, ist unstrittig. Die hierzu notwendigen Versorgungsstrukturen sind in den USA flächendeckend vorhanden. Dennoch erreicht ein Teil der Schlaganfallpatienten die erforderliche Therapieeinrichtung innerhalb der 3 h nach Symptombeginn nicht.

Mittels einer mobilen Schlaganfalleinheit (MSE) und einer telemedizinisch-neurologischen Anbindung ist bereits eine präklinische Diagnostik und Behandlung des ischämischen Schlaganfalls möglich. Dies ist das Resultat einer Untersuchung, die die Cleveland Prehospital Stroke Group der Cleveland Clinic (Cleveland, Ohio, USA) durchgeführt hat.

Die Arbeitsgruppe etablierte für den Stadtbereich Cleveland eine MSE. Dieses Fahrzeug ist mit einem Computertomografen (CereTom), einem Telemedizin-Arbeitsplatz und der Möglichkeit, Laborparameter (INR, Glukose, Elektroylte, Hämoglobin, Thromo- und Leukozyten) bestimmen zu können, ausgestattet. Die MSE ging am 18. Juli 2014 in Betrieb und ist 08:00 – 20:00 Uhr, 7 Tage die Woche abrufbar. Besetzt ist das Fahrzeug mit einer Krankenschwester, einem Paramedic, einem Emergency Medical Technician und einem radiologisch-technischen Assistenten. Der Patient wird telemedizinisch durch einen Neurologen und die CT-Bilder durch einen Radiologen beurteilt. Die Schlaganfallbehandlung findet mittels systemischer Lyse (Alteplase) im Fahrzeug vor Ort statt.

Im Untersuchungszeitraum 18.7.–01.11.2014 wurde die Einheit 317-mal alarmiert. Das Team behandelte 100 Patienten, in den verbliebenen 217 Fällen wurde die Alarmierung wieder storniert.

  • Bei 33 Patienten (33,3 %) bestand der Verdacht auf akuten, ischämischen Schlaganfall; hiervon wies das Team 28 in ein Schlaganfall-Zentrum mit der Möglichkeit der endovaskulären Therapie und 7 in ein Krankenhaus mit Schlaganfall-Basisversorgung ein.
  • 99 Patienten konnten erfolgreich telemedizinisch versorgt werden, in einem Fall gelang dies aufgrund eines Bedienungsfehlers nicht. Nach 11 min stand eine Videoverbindung, die dann durchschnittlich 20 min andauerte. 6-mal traten Unterbrechungen auf, welche jedoch nie länger als 60 s anhielten und auch die Versorgung der Patienten nicht beeinträchtigten. Bedingt waren diese zumeist durch eine schlechte Datenverbindung.
  • Bei 99 Patienten fertigten die Retter ein kraniales Computertomogramm an; bei einem Patienten war dies wegen hämodynamischer Instabilität nicht möglich.
  • Zuletzt erhielten dann 16 Patienten eine systemische i. v. Lyse.
Die Forschungsgruppe verglich dann die in der MSE behandelten Patienten mit 56 Indexpatienten in Notaufnahmen der Krankenhäuser: Bei den Patienten der MSE verzeichneten sie eine kürzere Zeit bis

  • zur Fertigstellung des CT,
  • zum Erhalt der INR und
  • zum Verabreichen der Lyse.

Bei den Lyse-pflichtigen Patienten reduzierte der Einsatz des MSE-Teams den Lysebeginn um 26 min verglichen mit den Patienten der Notaufnahme (32 vs. 58 min, p < 0,001).

Fazit: Die Untersuchung zeigt, dass eine telemedizinische Versorgung von Schlaganfallpatienten vor Ort technisch möglich ist. Eine hochtechnisierte präklinische Medizin ist in der heutigen Zeit darstellbar, ohne dass sie sehr fehleranfällig ist.

[Quelle: Itrat A. Taqui A. Cerejo R. et al., Telemedicine in prehospital stroke evaluation and thrombolysis: taking stroke treatment to the doorstep. JAMA Neurol 2016; 73: 162-168]

Dr. med. Marc-Michael Ventzke, Ulm

Aus retten! 1/2017, Wissenschaft kompakt

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