• Ungewöhnlicher Fall eines schweren Polytraumas beim Kleinkind

     

Ungewöhnlicher Fall eines schweren Polytraumas beim Kleinkind

Ein 16 Monate alter Junge erleidet bei einem Verkehrsunfall ein schwerstes Polytrauma (dislozierte offene Beckenfraktur, pelvines Décollement und hämorrhagischer Schock). Die dabei auftretenden Besonderheiten und Fallstricke in der präklinischen und frühen klinischen Versorgung dieses schweren und seltenen Traumas bei pädiatrischen Patienten werden herausgearbeitet, wobei besonders auf die damit einhergehenden medizinisch-einsatztaktischen Schwierigkeiten eingegangen wird.

Der Fall

Anamnese und Befund

Der Rettungsdienst wird zu einem Verkehrsunfall alarmiert. Ein 16 Monate alter Junge (ca. 12 kg) wurde im Kinderbuggy sitzend von einem Geländewagen auf dem Gehweg erfasst und gegen eine Betonmauer gequetscht.

Der 3 Minuten später eintreffende Notarzt findet folgendes Szenario vor: Der Kinderbuggy ist stark verformt, das Kleinkind jedoch frei zugänglich und schreit (GCS Augen/Sprache/Motorik 2/4/6 = 11). Der initiale Trauma-Check ergibt den Verdacht auf Frakturen beider Oberschenkel, eine Instabilität des Beckens sowie – unter blutgetränkter Kleidung – eine ca. 3 cm große, stark blutende Wunde knapp oberhalb der Symphyse. Weitere Verletzungen können nicht festgestellt werden. Die Rekapillarisierungszeit ist noch knapp < 2 s und der Brachialispuls tastbar.

Der Notarzt stellt folgende Verdachtsdiagnosen:

  • V. a. offenes Beckentrauma
  • V. a. Femurfrakturen beidseits
  • hämorrhagischer Schock (präklinisch nicht behebbares C-Problem)


Präklinische Versorgung und Transport

Der Notarzt legt einen i. o. Zugang in der linken Tibia. Über diesen werden eine Analgosedierung mit 50 µg Fentanyl i. o. plus 5 mg Diazepam rektal appliziert sowie 200 ml kristalloides Volumen substitutiert. 19 Minuten nach primärer Alarmierung wird ein 2. Notarzt nachgefordert mit der Bitte zur fachlichen Unterstützung und Beratung der weiteren Einsatztaktik („stay and play“ vs. „load-go-and-treat“) sowie der erforderlichen Maßnahmen. Dieser stellt bei seiner Traumauntersuchung im Rettungswagen keine neuen Verletzungen fest. Als Vitalzeichen zeigen sich:

  • Herzfrequenz 130/min
  • Brachialispuls tastbar
  • SpO2 99%
  • Rekapillarisierungszeit verlängert (ca. 3 s)

Bei suffizienter Spontanatmung und einem GCS von 11 wird hochdosiert Sauerstoff über eine Inhalationsmaske verabreicht. Das Becken wird mittels Vakuummatratze stabilisiert, die stark blutende Wunde im Bereich der Symphyse zur äußerlichen Blutungskontrolle manuell komprimiert, wobei klinisch die Schockzeichen (s. o.) zunehmen.

Da sich zum einen der klinische Zustand des Kindes rapide verschlechtert und zum anderen ein überregionales Traumazentrum nur 7 min entfernt liegt, wird zugunsten des zügigen Transports auf weitere medizinische Maßnahmen wie Intubation, Anlage eines i. v. oder eines weiteren i. o. Zugangs verzichtet (Transportbeginn 3 min nach Eintreffen des 2. Notarztes bzw. 25 min nach Alarmierung). Die Einsatztaktik wird somit von „stay-and-play“ auf „load-go-and-treat“ geändert.

Die Übergabe an das telefonisch vorverständigte Schockraumteam (Arzt-Arzt-Gespräch) erfolgt ca. 32 min nach primärer Alarmierung.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Ungewöhnlicher Fall eines schweren Polytraumas beim Kleinkind – Happy End trotz Fallstricken

Aus der Zeitschrift: AINS 03/2018

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