Sicherung der Atemwege: Indikationen, Methoden und Hilfsmittel

  • Der Esmarchsche Handgriff zum Freimachen der oberen Atemwege. © Sabine Reutter, Andreas Frost

     

Die Atemwegsicherung eines Patienten kann akut und in völlig unterschiedlichen Situationen erforderlich werden. Oberstes Ziel dabei ist die suffiziente Oxygenierung des Patienten bzw. der lebenswichtigen Organe – und nicht z. B. die Intubation. Auch Nicht-Anästhesiologen sollten die wichtigsten Techniken zur Wiederherstellung einer ausreichenden Sauerstoffversorgung in den Grundzügen beherrschen. In diesem Artikel erörtern wir die Ursachen, die ein Atemwegsmanagement erforderlich machen können, und erklären nicht-invasive und invasive Methoden zur Atemwegsicherung sowie die notwendigen Hilfsmittel.

Respiratorische Insuffizienz

Ursachen

Primär differenziert man zwischen erhaltener, jedoch insuffizienter Spontanatmung und komplettem Atemstillstand. Mögliche Ursachen sind z. B.:

  • akute respiratorische Insuffizienz bei Lungenödem, infektexazerbierter COPD, Asthma bronchiale, anaphylaktischer Reaktion oder Aspiration
  • Vigilanzminderung infolge von Apoplex, intrakraniellen Blutungen, Intoxikationen oder Krampfanfällen
  • Traumapatienten mit Schädelhirntraumen, Thoraxtraumen oder Schockzuständen
  • reanimationspflichtige Patienten
  • iatrogene Ursachen wie die Sedierung zur Narkoseeinleitung

Verhalten

Wird eine Atemwegsicherung erforderlich, sollte man zunächst Grund und Dringlichkeit erkennen, um die entsprechenden Primärmaßnahmen einzuleiten. Hierzu zählt z. B.

  • im Krankenhaus weitere Hilfe zu organisieren,
  • das Reanimations-Team zu verständigen und
  • ggf. Lagerungsmaßnahmen oder eine Atemunterstützung durchzuführen.

Maßnahmen und Hilfsmittel zur Atemwegsicherung

Offenhalten der oberen Atemwege

Lagerungsmanöver Bei einer reinen Verlegung der Atemwege durch die Zunge oder durch Aspiration kann man durch geeignete Lagerung des Patienten die Situation meist gut beherrschen und den Atemweg wieder freimachen. Hilfreich ist hierbei oft

  • die Reklination des Kopfes und
  • der Esmarchsche Handgriff.

Durch die Kopfüberstreckung wird dabei der Zungengrund nach vorne gezogen, mithilfe des Esmarchschen Handgriffs der Unterkiefer zusätzlich angehoben und der ventrale Zug am Unterkiefer verstärkt.

Auch die stabile Seitenlage kann helfen, die Spontanatmung zu sichern und eine Aspiration zu verhindern.Desweiteren stehen zwei unterschiedliche - und auch für Nicht-Anästhesisten leicht einführbare - Tuben in verschiedenen Größen zur Verfügung.

Guedel-Tubus und Wendl-Tubus Der Guedel-Tubus (Oropharyngeal-Tubus) wurde 1933 vom amerikanischen Anästhesisten Arthur Guedel propagiert. Positioniert wird er über die Mundöffnung und liegt mit seinem schmalen Ende im Pharynx. Er dient zur Offenhaltung der oberen Atemwege, indem er die Zunge am Mundboden fixiert. Dies kann die Maskenbeatmung oder Spontanatmung erleichtern. Patienten ohne erhaltene Schutzreflexe werden jedoch nicht vor Aspiration geschützt. Ebenso nachteilig ist, dass der Tubus beim wachen Patienten einen starken Würgereiz mit Erbrechen auslösen kann.Guedel-Tuben sind wegen der Gefahr des Erbrechens nur bei Patienten ohne erhaltene Schutzreflexe anwendbar.Der Wendl-Tubus (Nasopharyngeal-Tubus), 1958 von Karl Wendl vorgestellt, wird dagegen nasopharyngeal einführt - bei ähnlicher Funktionsweise. Führen diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg, stehen weitere invasive und nicht-invasive Apparaturen zur Atemwegsicherung zur Verfügung.

„Patienten versterben nicht daran, dass sie nicht intubiert werden, sondern daran, dass sie nicht beatmet werden.“ (Williamson 1993)

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