• Hängetrauma

     

Rettungsdienstliche Strategie beim Hängetrauma

Das Hängetrauma beschreibt ein potenziell lebensbedrohliches Ereignis, das durch freies passives Hängen in nahezu vertikaler Position eintritt.

Ursächlich für das Versterben ist ein im Wesentlichen durch eine generalisierte Hypoperfusion induziertes Multiorganversagen. Da es sich dabei nicht um eine Verletzung im eigentlichen Sinne handelt, werden im internationalen Sprachgebrauch mittlerweile statt des ursprünglich eingeführten Begriffs Hängetrauma („suspension trauma“) oft die Begriffe „suspension syndrome“, „harness hang syncope“ oder ähnliche Begriffe verwendet, die die Kausalkette begrifflich besser erfassen.

Das Hängetrauma spielt in der Arbeitswelt eine Rolle, wenn Arbeiten seilgesichert durchgeführt werden.

Zudem kommt es im Rahmen von seilgesicherten Freizeitaktivitäten vor, wie z. B.

  • (Eis)Klettern,
  • Bergsteigen,
  • Canyoning,
  • Speläologie (Höhlenkunde),
  • Fallschirmspringen,
  • Paragliden.

1972 wurde die erste Fallserie auf der 2. Internationalen Bergrettungsärztetagung in Innsbruck präsentiert. Eindeutige Aussagen zur Inzidenz sind nicht möglich, es existieren jedoch zahlreiche Fallberichte. Zudem konnten sowohl in Hängeversuchen als auch in Kipptischversuchen Kreislaufveränderungen und Präsynkopen induziert werden, wobei die minimale Zeitdauer bis zum Eintritt einer Präsynkope teilweise lediglich wenige Minuten betrug.

Pathophysiologie

Seit der Erstbeschreibung wurden verschiedenste pathophysiologische Kausalketten diskutiert. Vor allem 2 Mechanismen scheinen bei der Entwicklung eines Hängetraumas eine relevante Rolle zu spielen. Zum einen kommt es schwerkraftbedingt zu einem venösen Blutpooling in den abhängenden Körperpartien, vor allem in den Beinen. Verstärkt wird dies durch eine Reduktion der Muskelpumpe infolge einer verminderten Muskelaktivität, beispielsweise durch

  • Erschöpfung,
  • Hypoglykämie,
  • Schmerzen,
  • Verletzungen,
  • Hypothermie und
  • Bewusstlosigkeit aus anderen Gründen.

Dies führt zu einer Reduktion der kardialen Vorlast und konsekutiv zu einem reduzierten Herzminutenvolumen mit einer generalisierten Hypoperfusion.

Zudem scheint eine vasovagale Reflexantwort eine Rolle zu spielen. So wird postuliert, dass der reduzierte venöse kardiale Rückstrom über den Bezold-Jarisch-Reflex eine Bradykardie mit konsekutiver Bewusstlosigkeit auslösen kann, ähnlich einer vasovagalen Synkope. Die pathophysiologische Grundlage einer Synkope ist die vorübergehende zerebrale Unterversorgung mit Blut und somit Sauerstoff. Eine verminderte zerebrale Sauerstoffsättigung konnte bei in Hängeversuchen synkopierten Probanden nachgewiesen werden.

Bei einem durch Tonusverlust bedingten synkopalen Sturz kommt es gewöhnlich zu einer horizontalen Position des Patienten und damit zur Wiederherstellung einer adäquaten zerebralen Perfusion, verbunden mit einem zügigen Aufklaren des Patienten. Beim an einem Seil fixierten Patienten stellt hingegen der Anseilpunkt den höchsten Punkt dar. Ein Rückfluss von Blut aus den Beinen ist somit nicht möglich. Die Minderperfusion wird nicht vollumfänglich aufgehoben, was bei ausreichend langer Hängedauer zum Versterben des Patienten führen kann.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Rettungsdienstliche Strategie beim Hängetrauma

Aus der Zeitschrift: retten! 02/2019

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