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Telemedizin im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst mit Notfallsanitätern

Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Für den Zeitraum bis 2060 wird ein Anstieg des Medianalters von 45 Jahren auf ca. 50 Jahre prognostiziert. Weil die Gesundheitsleistungen für ältere Menschen erheblich über denen für jüngere liegen, wird ein steigender Bedarf an Gesundheitsleistungen vorhergesagt.

Versorgungsengpässe im ambulanten Bereich

Laut Ärztestatistik 2016 steigt die Zahl der Ärzte/-innen im Akutsektor um 2,5 % und im ambulanten Sektor um 1,3 % – und damit langsamer als der Bedarf. Gleichzeitig stagniert die Zahl der Studienanfänger/-innen bei rund 9500 Studierenden pro Jahrgang. Ändert sich dies nicht, verschärft sich der Trend noch. Insbesondere bei Hausärzten/-innen ist ein Versorgungsengpass zu erwarten.

Versorgungsengpässe bei niedergelassenen Ärzten/-innen sind in erster Linie in Regionen zu erwarten, die als Wohnort und/oder hinsichtlich der Verdienstaussichten unattraktiv sind, und bei Hausärzten/-innen bereits zu beobachten. Betroffen sind in erster Linie ländliche Gebiete, aber auch Städte mit geringer Steuereinnahmekraft und ungünstiger Demografie.

Um dem sich andeutenden Versorgungsengpass in den Problembezirken entgegenzuwirken, hat die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) Maßnahmen wie Niederlassungsprämien und Umsatzgarantien für Hausärzte/-innen ergriffen. Diese allein sind jedoch nicht ausreichend. Insbesondere der Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Fachärzte/-innen wirft Probleme auf. Die Versorgungsqualität variiert stark, und nicht selten werden Patienten/-innen durch den Rettungsdienst versorgt, obwohl sie von ihrer Krankheitsschwere her eher eine Versorgung durch den Bereitschaftsdienst benötigt hätten.

Modellprojekt 116117

Im Oldenburger Land haben sich die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) und die Johanniter-Unfall-Hilfe Regionalverband Weser-Ems unter Projektleitung des Klinikums Oldenburg (KOL) des Problems angenommen. Der Bereitschaftsdienstbezirk Delmenhorst wurde als Modellregion gewählt, weil dort sowohl ländliche als auch städtische Gebiete zu versorgen sind. Delmenhorst ist im landesweiten Vergleich extrem finanzschwach und stellt einen sozialen Brennpunkt dar. Lemwerder und Ganderkesee sind als typisch ländliche Gemeinden bereits deutlich vom demografischen Wandel betroffen. Im Planungsbezirk Delmenhorst besteht eine leicht unterdurchschnittliche Versorgung mit Hausärzten/-innen (96,2 %, 2016), die sich bis 2030 weiter verschlechtern wird (88,6 %) (vertrauliche Mitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen).

KV-Dienst durch Gesundheitsfachkräfte

Als innovativer Ansatz wird in diesem Projekt die nächtliche Fahrbereitschaft im Rahmen des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes (Tel. 116117) durch eine examinierte Gesundheitsfachkraft (Qualifikation Rettungsassistent/-in/Notfallsanitäter/-in/exam. Gesundheits-/Krankenpfleger/-in) der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) mit telemedizinischem Support aus dem KOL unter Vorschaltung einer Telefonzentrale (JUH) durchgeführt. Als Partner sind der Rettungsdienst Delmenhorst sowie die Großleitstelle Oldenburger Land und das ortsansässige Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) in das Projekt mit eingebunden. In diesem Konstrukt ist es somit möglich, Hilfe suchenden Patienten/-innen außerhalb der Praxisöffnungszeiten von Hausärzten/-innen ein System zur Verfügung zu stellen, das ressourcenschonend ist und die Versorgungsqualität aufrechterhält.

Ziel ist, die Krankenhaus-Notaufnahme und den Rettungsdienst von einer übermäßigen Belastung durch Selbsteinweisungen zu entlasten. So könnten die Ressourcen in Rettungsdienst und Krankenhaus wieder den echten Notfällen, die sie benötigen, zur Verfügung stehen und würden nicht für allgemeinärztliche Aufgaben gebunden.

In der praktischen Umsetzung wird die Dienstbereitschaft durch Notfallsanitäter/-innen im Fahrdienst sichergestellt von Freitag 17:00 Uhr bis Montag 07:00. Erhalten bleiben die Sprechstundenzeiten des/der Bereitschaftsarztes/-ärztin: freitags 17:00 – 21:00 und samstags/sonntags jeweils 8:00 – 12:00 und 16:00 – 20:00 Uhr in der Notdienstpraxis am JHD. So bleibt der freie Zugang der Patienten/-innen zur direkten ärztlichen Behandlung uneingeschränkt.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Telemedizin im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst mit Notfallsanitätern

Aus der Zeitschrift retten! 03/2019

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