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„TEMPiS“-Netzwerk für Schlaganfallbehandlung in der Regelversorgung

Trotz aller Anstrengungen und Erfolge der letzten Jahrzehnte ist der Schlaganfall immer noch eine Erkrankung, die eine große Herausforderung darstellt. Ungefähr 260 000 Schlaganfälle ereignen sich in Deutschland pro Jahr. TEMPiS war eines der ersten Schlaganfall-Netzwerke und ist, bezogen auf die Zahl versorgter Patienten und durchgeführter Thrombolysen, eines der weltweit führenden telemedizinischen Netzwerke.

Ende der 1990er-Jahre wurden die ersten Stroke Units gegründet und die Lysetherapie eingeführt. Die Diskrepanz in der Versorgungsqualität von Schlaganfallpatienten im ländlichen im Vergleich zum städtischen Bereich wurde dadurch zunehmend offensichtlicher.

Dies galt insbesondere auch für die ländlich geprägte Region Süd-Ost-Bayern: 2002 standen in einem Gebiet von ca. 25 000 Quadratkilometern mit etwa 5 Mio. Einwohnern nur in den Ballungszentren München, Regensburg und Passau Stroke Units zur Verfügung. Nur ein geringer Teil der Schlaganfallpatienten aus dieser Region konnte folglich auf einer der spezialisierten Stationen behandelt werden (unter 20 %). Der Großteil der Patienten wurde hingegen weiterhin in den internistischen Abteilungen der regionalen Krankenhäuser versorgt. Dort erfolgte keine Therapie auf einer speziellen Station und es bestand auch nicht die Möglichkeit der systemischen Thrombolysetherapie.

Um diesem Versorgungsgefälle entgegenzuwirken, wurde Anfang 2002 ein neuartiges Konzept entwickelt. Den Versorgungskliniken der Region Süd-Ost-Bayern sollte die Schlaganfallexpertise aus den Städten im Rahmen eines telemedizinischen Netzwerks verfügbar gemacht werden durch

  • eine rund um die Uhr verfügbare telemedizinische Konsultationsmöglichkeit,
  • kontinuierliche zentrale und dezentrale Schulungen und Visitationen,
  • den Aufbau von Stroke Units in allen regionalen Kooperationskliniken und
  • die Erstellung und regelmäßige Aktualisierung definierter Behandlungsstandards.

Das „Telemedizinische Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region Süd-Ost-Bayern“ – kurz TEMPiS – startete im Februar 2003 als Pilotprojekt. Initial schlossen sich 12 regionale Kliniken dem Projekt an: die Krankenhäuser in Bad Tölz, Burglengenfeld, Cham, Dachau, Ebersberg, Eggenfelden, Freising, Kelheim, Mühldorf, Pasing, Rosenheim und Straubing.

In all diesen Krankenhäusern wurden umgehend Schlaganfalleinheiten aufgebaut. Diese sind räumlich abgetrennt, organisatorisch an die jeweilige internistische Abteilung angegliedert und werden von einem definierten ärztlich-pflegerisch-therapeutischen Team betreut. Bereits im 1. Jahr wurden fast 2000 Telekonsile durchgeführt. Diese Zahl wurde in den folgenden Jahren kontinuierlich gesteigert, was TEMPiS zu einem der größten telemedizinischen Schlaganfall-Netzwerke weltweit werden ließ.

Die Verbesserung der Versorgung konnte eindrucksvoll durch eine wissenschaftliche Effizienzanalyse belegt werden. Diese im Jahr 2006 veröffentlichte Studie schloss mehr als 3000 Patienten ein und zeigte: Patienten, die in TEMPiS-Kliniken behandelt wurden, hatten eine deutlich und signifikant bessere Prognose als Patienten, deren Therapie in vergleichbar ausgestatteten Kliniken ohne Projektanbindung stattfand.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag - Telemedizin: „TEMPiS“-Netzwerk für Schlaganfallbehandlung in der Regelversorgung

 

Aus der Zeitschrift AINS 02/2017

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