• Arbeitsgruppensitzung Patienten-Empowerment

Patienten-Empowerment: Ein Weg zu mehr Eigenverantwortung

Stuttgart, 14. Februar 2018: Die Arbeitsgruppe „Patienten-Empowerment“ des Bundesverbands Managed Care (BMC) hat Ihre Arbeit für 2018 aufgenommen. Im Mittelpunkt der ersten Arbeitsgruppensitzung stand das Thema „Patientencoaching als ein Element im Patienten-Empowerment“. AnyCare zeigte den Teilnehmern exemplarisch, was unter Patientencoaching verstanden wird, wie dies umgesetzt werden kann und welchen Nutzen es stiftet. Gemeinsam mit zwei Patientencoaches aus der Praxis diskutierten die Teilnehmer über die Bedarfe von Patienten, wie diese in ihrer persönlichen Motivlage abgeholt werden können und wie Ihnen Hilfestellungen gegeben werden.

Erste wesentliche Meilensteine hat die Arbeitsgruppe bereits im vergangenen Jahr gesetzt. So entwickelte und verabschiedete die Arbeitsgruppe bereits in 2017 eine Definition des Begriffs „Patienten-Empowerment“. Die bewusst knapp formulierte Definition spiegelt den Konsens der in der Arbeitsgruppe vertretenen Akteure nahezu aller Mitgliedergruppen im BMC wider:

„Patienten-Empowerment bezeichnet einen Prozess der Befähigung und Stärkung von Menschen, Prioritäten und Entscheidungen zur Aufrechterhaltung oder Wiedergewinnung der eigenen Gesundheit zu setzen bzw. zu fällen, mit einer Krankheitssituation umzugehen und diese aus Eigenkraft oder mit externer Hilfe zu bewältigen.“

Weiterhin arbeitete die Gruppe an einem umfänglichen Positionspapier, welches als Diskussionsgrundlage für Gespräche mit Akteuren aus dem Gesundheitswesen und Politik dienen soll.

Mit eingeflossen sind Impulse aus praxisnahen Vorstellungen von Projekten zum Patienten-Empowerment. So diskutierten die Teilnehmer, inwieweit Verbraucherportale wie die Weisse Liste als Werkzeug im Patienten-Empowerment genutzt werden und wie digitale Assistenzlösungen, z.B. wie ”my health journey” von Philips, den Austausch zwischen Leistungserbringern und Patienten verbessern können.

Die Fertigstellung und Verbreitung des Positionspapieres wird einer der wichtigen Schritte im Jahr 2018 sein. Die Beleuchtung und Aufarbeitung verschiedener Dimensionen des Patienten-Empowerments unter Berücksichtigung aktueller Forschungserkenntnisse wird Grundlage der weiteren Arbeitsgruppentätigkeit.

Die Arbeitsgruppe „Patienten-Empowerment“ wurde 2016 durch den Bundesverband Managed Care in Berlin gegründet. Sie wird geleitet von Dr. h.c. Helmut Hildebrandt, Vorstand OptiMedis AG, Geschäftsführer Gesundes Kinzigtal GmbH und Cornelia Kittlick, Projektleiterin Strategische Projekte und Referentin der Geschäftsleitung, AnyCare GmbH.

Neben der Arbeitsgruppe Patienten-Empowerment leitet Wolfgang Weber, Geschäftsführer der AnyCare GmbH, gemeinsam mit Daniela Chase, Senior Project Manager Connected Care bei Philips, die Arbeitsgruppe „Elektronische Patientenakte“, die als Teil der Arbeitsgruppe Digital Health fungiert.

 

 

Unter welchen Voraussetzungen gelingt „Patientenempowerment“ in Deutschland?

Das dritte Treffen der BMC-Projektgruppe „Patientenempowerment“ am 22. Februar beim Georg Thieme Verlag in Stuttgart stand im Zeichen des „empowerten“ Gesundheitssystems. Der Erfolg des Konzepts des „mündigen Patienten“ stehe und falle mit der politischen Verankerung und der berufsübergreifenden Akzeptanz im deutschen Gesundheitssystem, so die Meinung der Mitglieder der Projektgruppe. Patientenempowerment sei eine Kompetenz, die alle Berufsgruppen im deutschen Gesundheitswesen innehaben sollten. Nur unter diesen Voraussetzungen könne der Patient umfassend befähigt werden, mit seiner Gesundheitssituation eigenmächtig umzugehen.

Einen gemeinsamen Weg einschlagen
In Deutschland existiert weder eine allgemeingültige Definition des Begriffs „Patientenempowerment“ noch sind die Denkweisen des Konzeptes in den Köpfen der Gesundheitsprofessionen angekommen. Vielmehr ist der Patient häufig orientierungslos im Dschungel von Leistungsangeboten, unmotiviert und verunsichert im richtigen Umgang mit seiner Gesundheitssituation. „Die steigende Komplexität des deutschen Gesundheitswesens erfordert neue Ansätze, Denkweisen und Kompetenzen. Nur so lässt sich die Versorgungssituation nachhaltig effektiver und effizienter gestalten“, sagt Cornelia Kittlick, Referentin der Geschäftsführung und Leiterin strategischer Projekte bei der AnyCare GmbH gemeinsam mit Dr. h.c. Hildebrandt, Leiter der Projektgruppe. Die Gruppe diskutiert und schafft in ihren Sitzungen einheitliche Definitionen und Rollenverständnisse, aus denen sich sektorenübergreifende Anforderungen an ein „Patientenempowerment“ ableiten lassen. Ziel ist es, die Rolle des Patienten im Behandlungsprozess zu stärken und seiner Stimme mehr Gewicht zu verleihen.

Dass dies durch patientenzentrierte Maßnahmen gelingen kann, zeigt sich in der täglichen Arbeit der AnyCare GmbH. „Oftmals fehlt einfach eine Vertrauensperson, mit der man sich über seine persönliche Gesundheitssituation austauschen kann und Hilfestellungen im richtigen Umgang mit der Erkrankung gibt“, so Wolfgang Weber, Geschäftsführer der AnyCare GmbH. „Daher engagieren wir uns gemeinsam mit dem Bundesverband Managed Care, das Thema „Patientempowerment“ politisch und gesellschaftlich zu forcieren.

Bereits die ersten Sitzungen zeigten, dass die Mitglieder der Projektgruppe mit ihren verschiedenen Expertisen im Gesundheitswesen ein sehr vielschichtiges Bild zum „Patientenempowerment“ zeichnen. Eine Wortwolke sollte helfen, Transparenz in die Meinungsvielfalt der Mitglieder zu bringen und soll somit als Grundlage für die Erstellung einer einheitlichen Definition dienen. Begriffe wie „Stärkung“, „Befähigen“, „Selbstmanagement“, „Information“ und „Mitwirkung“ sind die meist genannten Assoziationen mit dem „Patientenempowerment“. Dabei ist den Projektgruppenmitgliedern eines wichtig: Der Patient entscheidet, ob und durch wen er „empowert“ werden möchte.

Den Patienten in den Fokus stellen
Ein zentraler Punkt der Diskussionen der Projektgruppensitzung war daher die Patientenanforderungen an den „Empowerer“: Er oder sie soll eine Vertrauensperson sein, die Expertenrat und psychologische Unterstützung biete und dabei eine Koordinationsfunktion übernehme. Ein empowerter Patient hat so die Chance, mit seinen Behandlern auf Augenhöhe zu kommunizieren und bei Entscheidungssituationen, die Gesundheit betreffend, mitzuwirken. Anhand von Patientenbildern identifizierten die Mitglieder unterschiedliche Bedürfnisse der Patienten und dessen Angehörigen. Zu berücksichtigen sind dabei u. a. die aktuelle Lebensphase des Patienten oder auch der kulturelle Hintergrund. Die Hürden zur Inanspruchnahme der Leistung müssen entsprechend gering sein, um allen Personen einen Zugang zu ermöglichen.

Die systemischen Voraussetzungen schaffen
„Entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung ist außerdem eine zentrale Systemanpassung, die alle Leistungsbringer ins Boot holt und gleichzeitig die Leistungen des Empowerments honoriert. Nur so können die Patientenziele in den Fokus der Behandlung gerückt werden“, so Dr. h. c. Helmut Hildebrandt, Vorstand der OptiMedis AG gemeinsam mit Frau Kittlick, Leiter der Projektgruppe des BMC. Politische Entscheidungsträger stehen in der Pflicht, den Ansatz mitzutragen und z. B. mit Ausbildungscurricula den Einsatz von „Empowerern“ zu unterstützen.

Meilensteine des Projekts
Weitere Meilensteine neben der Erstellung einer einheitlichen Definition sowie der Rollenklärungen, ist die Erstellung eines Positionspapiers. Dies soll die Grundlage für weitere Gespräche u. a. mit politischen und gesundheitsökonomischen Vertretern bilden. Gleichermaßen strebt die Projektgruppe einen intensiven Austausch mit den Mitgliedern anderer Organisationen rund um dieses Thema an, um fokussiert die Bedürfnisse der Patienten in den Blickwinkel der Politik zu rücken.