Welche Anzeichen des Asperger-Syndroms gibt es?

Die Bandbreite und die Ausprägung der mit dem Asperger-Syndrom einhergehenden Merkmale variieren stark. Besonders typisch sind folgende Anzeichen:

Allgemeine soziale Beeinträchtigung: Mangelndes Bewusstsein für Menschen, soziale Ereignisse, für Zeit und Ort. Aspies leben im Hier und Jetzt, im unmittelbaren Augenblick – oder viele Lichtjahre entfernt. Sie haben aber kein Gespür für das, was im nächsten Moment geschieht. Sie sind auf ihre eigene Sichtweise fixiert und benötigen Hilfe, um sich der Gedanken und Gefühle anderer Menschen bewusst zu werden. Im Umgang mit Menschen sind sie häufig ungeschickt und es fehlt ihnen an sozialen Kompetenzen.  

Keine Flexibilität: Aspies suchen Routine; sie kleben am buchstabengetreuen Wortsinn und sind so wahrheitsbesessen, dass sie schonungslos die Wahrheit sagen und ihre Mitmenschen damit unwillentlich beleidigen können. Glücklicherweise kann man ihnen beibringen, weniger direkt zu sein.   Schwierigkeiten, Blickkontakt herzustellen: Manche Aspies sagen, es irritiere sie völlig und sei sogar schmerzhaft, jemandem in die Augen zu schauen; andere meinen, es lenke sie ab und sie wüssten dann nicht mehr, was sie sagen wollten.  

Spezielle Interessen, die manchmal zur Besessenheit werden: Sie wollen ununterbrochen über ihr Spezialthema sprechen, egal ob es andere interessiert oder nicht. Unangemessenes Handeln, ohne sich dessen bewusst zu sein. Aspies haben Schwierigkeiten, Körpersprache zu deuten.  

Durch ihr Querdenken sehen sie die Welt völlig anders als wir. Das führt zu manchen seltsamen Schlussfolgerungen und einem Verhalten, das gemessen an konventionellen Maßstäben sonderbar erscheint. Am besten fragen Sie den Aspie, warum er etwas auf diese bestimmte Art tut, bevor Sie sich ärgern. Sie verstehen sein Handeln besser, wenn Sie wissen, wie er denkt.  

Höchste Empfindsamkeit gegenüber Berührung, Geräuschen, Licht, Geschmack und anderen Reizen – bis zu dem Maße, dass ein Etikett im Hemd als störend empfunden wird, Sonnenlicht zu grell ist und der Aspie lieber drinnen bleiben will, als hinauszugehen, wo seine Sinne von Reizen bombardiert werden.  

Sie brauchen Hilfe, um auf dem richtigen Weg zu bleiben und ihr Leben zu organisieren. Aspies fühlen sich schnell überfordert von zu vielen Richtungen, zu vielen Details, zu engen Zeitvorgaben.  

Mangelnde Fähigkeit der Selbstwahrnehmung: Aspies bekommen oft Wutanfälle und erleben Frustrationssituationen, in denen sie keine Selbstkontrolle mehr haben. Durch Maßnahmen wie beispielsweise Wiederholung und Verstärkung können sie lernen, diese zu beherrschen.

 

Häufige Fragen zum Asperger-Syndrom

Seit der Gründung des Friends’ Club im Jahre 2000 und im Rahmen der genaueren Gruppenzuordnung von Tausenden Kindern aller Altersstufen habe ich von den Eltern, die gerade erfahren hatten, dass bei ihrem Kind oder Jugendlichen das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde, immer wieder dieselben Fragen gehört. Wenn die Eltern überlegen, was diese Diagnose für ihr Kind und gesamte Familie bedeutet, stellen sie vor allem folgende Fragen:

  • Gibt es eine Heilung?

    Nein, es gibt keine Heilung und die Kinder wachsen aus dem Krankheitsbild nicht heraus. Doch mit Hilfe und Anleitung können Asperger-Kids lernen, sich in der wirklichen Welt zurechtzufinden. Positiv ist, dass sich die meisten Asperger-Kinder nicht wirklich darum scheren, ob sie so sind wie die anderen oder nicht. Sie mögen ihre Einzigartigkeit und ihre Kreativität. Weil es sich um eine Krankheit des Nervensystems handelt und keine Sache der Psychologie ist, helfen konventionelle psychoanalytische Therapien oder Spieltherapien nicht. Es geht nicht darum, Träume zu interpretieren oder eine Verbindung zu den eigenen Gefühlen zu finden, weil Asperger-Kids von Natur aus keine Verbindung zu ihren Gefühlen haben. Sie leben in ihrem Geist und in ihren Vorstellungen. Damit sie mit dem Alltag und den Menschen zurechtkommen, ist eine kognitive Verhaltenstherapie zur Steigerung der bewussten Wahrnehmung äußerst hilfreich. Die Kinder üben dabei soziale Fertigkeiten und lernen, erfolgreicher Kontakte zu knüpfen. Eine Psychotherapie kann wirksam sein, wenn der Aspie und der Therapeut einen verbindlichen, ausgewogenen Zugang zueinander finden. Sie funktioniert nicht, wenn dem Aspie erlaubt wird, in einem fort von seinem Spezialinteresse zu sprechen. Verläuft die Sitzung auf der Basis eines wechselseitigen, aufeinander bezogenen Austausches, im Spiel oder im Gespräch, kann eine solche Therapie Fähigkeiten zum Lösen sozialer Probleme vermitteln und Fortschritte bringen.

  • Warum muss ich dieses Kind anders erziehen?

    Zuallererst funktioniert der emotionale Anreiz bei einem Kind mit Asperger-Syndrom nicht. Bei ihnen nützt es nichts, wenn man ihnen sagt, wie sehr man sich sorgt, wenn man ihnen das Gefühl der Scham vermittelt oder sie motivieren will, den Eltern eine Freude zu machen. Solche Taktiken bedeuten für Asperger-Kinder jeden Alters gar nichts. Sie kümmern sich nicht darum, ob sie den Erwartungen der Eltern oder anderer Menschen entsprechen, sie orientieren sich nur an ihren eigenen Ansprüchen.

    Die beste Methode ist ein absolut rationales Vorgehen. Verzichten Sie in Ihren Äußerungen möglichst auf jegliche Emotion. Konzentrieren Sie sich auf die Tatsachen und nennen Sie die logischen Gründe, warum Ihr Asperger-Kind etwas tun oder nicht tun sollte; legen Sie die Sache so ruhig und klar wie möglich dar. Wenn Sie sie als Regel formulieren, umso besser; diese Kinder sind von Natur aus Regelbefolger. Und indem sie Regeln befolgen, können sie Ihnen Freude bereiten.

    Zweitens: Es hilft nichts, einem Asperger-Kind einfach zu sagen, was es falsch macht. Aspies sind keine abstrakten Denker und können daher den nächsten Schritt nicht intuitiv vorwegnehmen. Sie müssen Ihrem Kind genau sagen, was es tun soll, und es ihm wenn möglich sogar zeigen. Es ist für Aspies äußerst hilfreich, wenn man ihnen das erwünschte Verhalten vormacht. Und da sie von Natur aus Regeln befolgen, fügen sie sich gewöhnlich, sobald sie die Sache verstanden haben – sofern ihnen ihre Empfindsamkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen oder Licht nicht im Wege steht.

    Ein weiterer Stolperstein ist oft, dass das Asperger-Kind alles auf seine eigene Art machen muss. Das wirkt dann so, als sei es bockig oder benähme sich schlecht; doch in Wirklichkeit hängt es einfach an seiner eigenen Vorstellung, wie etwas getan werden muss, fest. In diesem Fall ist es weniger wichtig, dass das Kind »folgt«, als dass die Eltern flexibel sind. Sie »verziehen« Ihr Aspie-Kind nicht, wenn Sie es nach seinen Vorstellungen handeln lassen; das kann nur bei Ihren anderen Kindern der Fall sein. Einem Asperger-Kind nachzugeben führt gewöhnlich nicht dazu, dass das Kind die Eltern zukünftig zu manipulieren versucht.

    Die beste Strategie besteht darin, sich nicht auf jeden Kampf einzulassen. Geben Sie bei kleineren Abweichungen vom erwarteten Verhalten nach und konzentrieren Sie sich darauf, dass Ihr Kind bei den wirklich wichtigen Anforderungen mitzieht. Da Aspies nicht automatisch das wechselseitige Geben und Nehmen erlernen, müssen Sie dieses Prinzip erklären und Ihr Kind immer wieder daran erinnern, dass Sie beim letzten Mal nachgegeben haben und dass die Reihe nun an ihm ist, nachzugeben und sich nach Ihren Anweisungen zu verhalten.

    Der Widerstand des Aspies kann seine Art sein, Dinge berechenbar zu halten – Aspies wollen wissen, was als Nächstes geschieht. Wenn Sie also sein Bedürfnis, etwas auf eine bestimmte Weise zu tun, nutzen, um Ihr Kind sanft dazu zu bringen, auch einmal zurückzustecken, profitieren Sie beide davon.

  • Was kann mein Kind kontrollieren, was nicht?

    Hier gilt wieder, dass Asperger-Kinder nicht so sind wie Ihre neurotypischen Kinder, die die Eltern auch mal bewusst provozieren, um ihren Kopf durchzusetzen. Der Wutanfall eines Aspies wird meist durch Reizüberflutung ausgelöst oder durch die Unfähigkeit, sich von den eigenen Ideen zu lösen. Er hat nichts zu tun mit dem Wutanfall eines ungehorsamen Kindes, das die Eltern dadurch manipulieren will; im letzteren Fall sollte der Ausbruch ignoriert werden, damit dieses Verhalten keinen Erfolg hat.  

    Der Wutanfall eines Asperger-Kindes erfordert Verständnis und Geduld, eine Verringerung der Sinnesüberreizung und ein Wiederherstellen von Ruhe. Während wir selbst meist gern unter Menschen sind, ist eine solche Geselligkeit für Kinder mit Asperger-Syndrom eine höchst anstrengende und übermäßig stimulierende Situation.  

    Den Eltern sollte vor allem bewusst sein, welche Mühe diese Kinder damit haben, ihre Umwelt zu verstehen. Wenn sie etwas tun könnten, würden sie es tun, aber sie können es oft nicht – zumindest nicht unmittelbar. Handlungen, über die wir nicht einmal nachdenken, stellen für Aspies eine echte Herausforderung dar – grüßen, plaudern, die nächste Tätigkeit planen, pünktlich sein, sich organisieren, irgendwohin kommen. All das ist für sie sehr anstrengend und erschöpft sie. Daher sind Verständnis und Kommunikation die besten Hilfen, um mit dem störenden oder gar destruktiven Verhalten umzugehen. Fragen Sie Ihr Kind, warum es so außer sich ist. Weiß es keine Antwort, nennen Sie mögliche Gründe, damit es die Ursache herausfinden kann. Und verschaffen Sie ihm die Zeit und die ruhige Umgebung, die es zur Beruhigung braucht.  

    Bei zwanghaften Verhaltensweisen hat es sich bei uns im Friends’ Club bewährt, dem Kind eine Schachtel zu zeigen und ihm zu sagen, dass Sie dieses Thema jetzt in die Schachtel packen. Dann schließen Sie den Deckel und stellen fest: »Die Kiste ist zu. Du kannst nicht mehr darüber sprechen.« Diese konkrete Handlung hilft, den Zwang zu durchbrechen.

  • Warum tun sie so seltsame Sachen?

    Asperger-Kinder sehen die Welt nicht so wie wir und fühlen sich damit auch nicht an Konventionen gebunden. Sie tun unkonventionelle Dinge, weil sie unkonventionelle Menschen sind. Es ist ihnen nicht einmal bewusst, wie abweichend ihr Verhalten sein kann. Das Gute daran ist, dass es ihnen egal ist, wenn sie anders sind.  

    Einige bekannte Geistesgrößen hatten vermutlich das Asperger-Syndrom – Albert Einstein, Sir Isaac Newton, Thomas Jefferson, Hans Christian Andersen, Mozart, Vincent van Gogh. Diese »Querdenker« ließen sich nicht von konventionellen Denkwegen einschränken und schufen bahnbrechende Theorien und kreative Werke, die bis heute bewundert werden.

    Wenn Asperger-Kids Tics haben und wiederholte unwillkürliche Bewegungen ausführen – Wedeln mit den Händen, Verdrehen oder Zucken des Körpers –, wirken sie wirklich sonderbar. Bei manchen Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen treten solche Bewegungen immer wieder auf; sie helfen ihnen, sich ihres Körpers bewusster zu werden oder Stress abzubauen. Wir haben festgestellt, dass es manche Kinder beruhigt, wenn man ein mit getrockneten Bohnen oder Reis gefülltes Säckchen oder Kuscheltier auf die Schultern oder den Nacken legt und damit diese ungesteuerten Körperbewegungen reduziert. Das Gewicht drückt auf die Gelenke; dadurch werden Signale ans Gehirn gesandt, die das Wohlbefinden verbessern.

  • Warum versteht mein Kind nicht, was ich von ihm will?

    Fragen Sie sich zunächst, ob Sie gefühlsbetont mit Ihrem Kind umgehen, denn Emotionalität blockiert jeden Menschen mit Asperger-Syndrom. Er hört Ihre Botschaft nicht mehr. Jüngste neurologische Forschungen zeigen, dass bei Menschen mit Asperger-Syndrom durch spezielle Nervenprozesse das Gedächtnis automatisch abschaltet, wenn sie sozial oder emotional überfordert sind. Sie können weder hören noch verstehen, was man ihnen sagen will, noch können sie ihre eigenen Gedanken oder Gefühle ausdrücken. Am besten ist es, wenn man mit ihnen rational und emotionslos umgeht.  

    Auch wenn Sie etwas Abstraktes verlangen, begreift Ihr Kind oft nicht, was es tun soll. Als konkrete Denker reagieren Aspies besser auf bildhafte Vorstellungen. Beschreiben Sie, was Sie von ihm wollen, oder – besser noch – machen Sie es ihm vor.

  • Warum geht mein Kind nicht aus dem Haus?

    Es stimmt, dass sich Asperger-Kids zu Hause am wohlsten fühlen. Hier sind die Sinnesreize begrenzt, sie erleben weniger Überraschungen und weniger soziales Unbehagen. Es kostet sie so viel Mühe, sich zu orientieren und zu kommunizieren, wenn sie außer Haus sind, dass sie einen Rückzugsort brauchen, wo es ihnen gut geht und wo sie sich entspannen können. Als Eltern tun Sie Ihrem Kind sehr viel Gutes, wenn Sie ihm jeden Tag eine gewisse Zeit lang diesen Rückzug allein an einen ruhigen Ort zu Hause erlauben. Bitte akzeptieren Sie, dass es diesen Zufluchtsort der »wirklichen« Welt vorzieht – und ihn braucht. Wenn Ihr Kind allein ist, bedeutet das nicht, dass es sich einsam fühlt. Und wenn es allein ist, gelingt es ihm besser, Probleme zu lösen und sich zu beruhigen.  

    Hinzu kommt: Da Asperger-Kids gewöhnlich nicht über die besten grobmotorischen Fähigkeiten verfügen, haben sie meist wenig Neigung zu Aktivitäten draußen. Sie brauchen einen kleinen Anstoß, damit sie Sport treiben, spazieren gehen oder mit dem Rad fahren. Doch wenn Sie als Eltern Ihr Kind dazu bewegen können, tun ihm frische Luft und Bewegung nur gut.

  • Wird mein Kind je einen Partner finden?

    Asperger-Kids sind ausgesprochene Spätentwickler. Emotional und sozial sind sie oft mehrere Jahre hinter den Gleichaltrigen zurück, während sie ihnen intellektuell oft ebenbürtig oder sogar voraus sind. Weil soziale Situationen für sie schwierig sind und ihnen die grundlegenden Eigenschaften zum Aufbau von Freundschaften fehlen, entstehen bei Aspies gewöhnlich erst später solche Verbindungen, aus denen Verabredungen und langfristige Beziehungen werden. Dennoch können sie Kontakte zum anderen Geschlecht haben, aus denen feste Beziehungen werden, und ja, sie können auch heiraten.  

    Sobald sie Freundschaften eingehen, sind Asperger-Kids und Jugendliche loyal, aufrichtig und verlässlich. Als Erwachsene arbeiten sie hart und sind oft zuverlässige, treue Partner mit gutem Einkommen. Vermutlich wird die andere Person den ersten Schritt zu einer Freundschaft oder Liebesbeziehung machen, weil Menschen mit Asperger-Syndrom von Natur aus nicht die Initiative ergreifen. Sie reagieren, aber sie werden kaum als Erste aktiv und machen selbst nicht den ersten Schritt. Eltern von Teenager-Mädchen mit Asperger-Syndrom sollten wissen, dass ihre Töchter in Gefahr sind, von skrupellosen Männern ausgenutzt zu werden; diese Mädchen können nicht zwischen den Zeilen lesen. Die Sprache der sexuellen Annäherung ist voller Zweideutigkeiten, undurchsichtiger Formulierungen und Süßholzraspelei. Behalten Sie Ihre Tochter im Auge und helfen Sie ihr, alles im richtigen Licht zu sehen und mögliche irreführenden Situationen abzuwenden.

  • Wird mein Kind je selbstständig leben?

    Die kurze Antwort lautet: »Ja, vielleicht.« Viele junge Menschen mit Asperger-Syndrom können genügend Lebenskompetenz erwerben, um auszuziehen und ihr eigenes Leben zu führen - im Laufe der Zeit. Beim Studieren und Arbeiten gibt es so viele Unbekannte, dass man unmöglich genau vorhersagen kann, wann der Einzelne so weit sein wird. Das ist individuell völlig unterschiedlich.  

    Oft müssen Aspies länger bei den Eltern leben als andere Kinder, weil sie in ihrer Reife verzögert sind und Zeit brauchen, um organisatorische und andere Fertigkeiten zu erwerben, damit sie ihre Tage planen, sich selbst ernähren, ihre Wäsche machen und rechtzeitig an der Uni oder bei der Arbeit sein können. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist es am besten, wenn sie z. B. zunächst auf ein Berufskolleg gehen und noch zu Hause wohnen. Das erleichtert den Übergang zu einer Hochschulausbildung und gibt ihnen Zeit, weitere Eigenverantwortung zu erwerben.  

    Eine feste Routine hilft immer. Asperger-Kids profitieren von klaren, berechenbaren Strukturen in ihrem Leben; solche festen Muster geben ihnen etwas, auf das sie zählen können, etwas Regelmäßiges und Unveränderbares. Positiv daran ist, dass sie sich an Routine »festhalten«, was Arbeitgeber schätzen. Im Vordergrund steht jedoch immer ihre persönliche Sicherheit. Man sollte erst in Erwägung ziehen, dass ein junger Mensch mit Asperger-Syndrom allein lebt, wenn dies mit Sicherheit ohne Gefährdung möglich ist.

  • Werden sie jemals lernen, auf andere zuzugehen?

    Nein, vermutlich nicht. Diese Unfähigkeit, die Initiative zu ergreifen, ist Teil des Asperger-Syndroms. Der Grund dafür ist, dass Aspies einen anderen Blick auf die Welt haben als wir. Sie brauchen die Hilfe der Eltern, die ihnen gut zureden, mögliche Freunde anzurufen oder gar vorhandene Freunde einzuladen. Oder Sie müssen die Eltern des anderen Kindes selbst anrufen und ein Treffen für Ihr Asperger-Kind vereinbaren.  

    Telefonieren ist für Asperger-Kids ebenfalls sehr schwierig, weil sie die andere Person nicht sehen können und es kleine Verzögerungen in der Übertragung der Stimmen gibt. Zudem können sie ohne Übung kaum einfach plaudern. Bedenken Sie zusätzlich, wie viele verwirrende Details zum Planen dazugehören, wenn man sich mit jemandem treffen will; wie schwer ist es da, den ersten Schritt zu tun. Lassen Sie Ihr Kind zumindest üben, die Nummer zu wählen und das Gespräch zu beginnen (wobei Sie dabeistehen, um Ihrem Kind wenn nötig mit ein paar Worten weiterzuhelfen). Dann bitten Sie darum, mit dem anderen Elternteil sprechen zu dürfen, um die Details zu klären.

  • Warum geben sie sich nicht mehr Mühe?

    Asperger-Kids neigen zum Perfektionismus. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen; wenn sie daher meinen, dass sie bei einer Sache möglicherweise einen Fehler machen, werden sie diese Aufgabe nicht ausführen. Im Friends’ Club versuchen wir ihnen nahezubringen, dass Ausprobieren genau das bedeutet – etwas auszuprobieren, ohne vorher zu wissen, ob es erfolgreich oder richtig sein wird. Asperger-Kids wollen nichts ausprobieren, wenn sie nicht sicher sind, dass sie die richtige Lösung kennen.  

    Dieser Perfektionismus hält sie davon ab, sich in Geschichten den weiteren Handlungsgang auszudenken. Wenn ihre Mühe, theoretische Gedanken und inhaltliche Bezüge zu verstehen, zu diesem Perfektionismus hinzukommt, werden Voraussagen noch schwieriger. Ironischerweise besteht ihr Problem nicht darin, dass sie keine Details wahrnehmen. Ganz im Gegenteil – sie nehmen zu viele Details wahr. Das ist verwirrend und macht es so schwer, sich Dinge im Gesamtzusammenhang vorzustellen; daher versuchen sie es erst gar nicht.

Quelle

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