Vorsorgeuntersuchungen

Vorgesehen sind im »Gelben Heft« insgesamt 11 Untersuchungen (U1–9, J1) zu verschiedenen Zeitpunkten. Bei jedem Termin werden Größe und Gewicht bestimmt, bei Babys auch der Kopfumfang. Je nach Alter werden neben der Untersuchung der Organsysteme bestimmte Schwerpunkte gesetzt (was nicht bedeutet, dass nicht auch anderes geprüft wird):

  • U1 (direkt nach der Geburt): Gesamtzustand, Atmung und Herz, Fehlbildungen, erbliche Erkrankungen, Reflexe
  • U2 (3.–10. Lebenstag): »Rund-um-Check«
  • U3 (4.–6. Woche): Reflexe, Hören, Hüftgelenke, Verhalten (Schlaf, Trinkverhalten)
  • U4 (3.–4. Monat): Muskelspannung und Motorik, Hören und Sehen; erste Impfungen möglich
  • U5 (6.–7. Monat): Hören und Sehen; Reaktionen auf Umgebung
  • U6 (10.–12. Monat): zeitgerechte Entwicklung (Sitzen, Krabbeln, Brabbeln, Greifen)
  • U7 (1,5–2 Jahre): Hören und Sehen, Knochen, Laufen, Sprache, soziale Entwicklung
  • U7a (3 Jahre): Sprache, Sehen, Gewicht, Zähne, Mund und Kiefer, psychische Entwicklung und Sozialverhalten
  • U8 (3,5–4 Jahre): Organe, Stoffwechselkrankheiten, Sprechen, Hören und Sehen
  • U9 (5 Jahre): psychische Entwicklung und Sozialverhalten (Schulreife?), Körperkoordination und Haltung
  • J1 (12–14 Jahre): Wachstums- und Entwicklungsstörungen, seelische Probleme (Pubertät), Beratung

Kinder entwickeln sich nicht nur verschieden, sondern auch unterschiedlich schnell. Deshalb sind Vergleiche mit Gleichaltrigen nur begrenzt dazu geeignet, das Gefühl »mit meinem Kind ist alles in Ordnung« zu befriedigen. Wenn der eigene Sohn mit 15 Monaten noch immer keine Anstalten macht, sein – zugegebenermaßen enorm schnelles – Krabbeln durch Laufen zu ersetzen, während die 1-jährige Tochter der Nachbarn schon den Weg bis zu Ihrem Haus an der Hand zurücklegt, dann fragen Sie sich vielleicht doch, ob bei dem eigenen Kind alles normal ist. Selten besteht Grund zur Sorge. Sind Sie jedoch verunsichert, besprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt Ihre Bedenken.  

Vorsorge

Kinderärzte haben zur Einschätzung der kindlichen Entwicklung sogenannte Meilensteine definiert, die vielen Eltern aus dem »Gelben Heft« bekannt sind. Da wird bei den Vorsorgeuntersuchungen (die »U’s«) gemessen, gewogen,  beobachtet und geprüft, den Eltern werden u. a. zum Essverhalten, zur Bewegung und zum Verhalten Ihres Sprösslings diverse Fragen gestellt. Aber: Diese einzelnen Meilensteine sind Durchschnittswerte, und genauso wenig wie Ihr Kind ein Durchschnittskind ist, genauso wenig wird es mit all seinen »Werten« immer genau auf dem Mittelwert liegen: Vielleicht hebt es eher seinen Kopf als die meisten anderen, dafür fängt es aber erst nach seinem 2. Geburtstag an zu sprechen. Vielleicht liegt sein Gewicht gerade unterhalb der 10 %-Kurve – aber es ist eh ein zartes Kind, das gerade einen Infekt durchgemacht und dabei kaum etwas gegessen hat?  

Meilensteine nicht erreicht?

Nur selten besteht ein Grund zur Sorge bei einzelnen Abweichungen von den Meilensteinen. Der Kinderarzt wird oft erst dann genauer hinschauen müssen, wenn die Meilensteine über einen längeren Zeitraum immer wieder oder in mehreren Bereichen nur verzögert erreicht werden. Allerdings gibt es bei Babys einige Warnzeichen, die Hinweise auf eine Entwicklungsverzögerung geben können. Dazu gehören besonders die folgenden: Störungen der Motorik wie ausgeprägte Seitenunterschiede, veränderte Muskelspannung und das fehlende Zurückgehen von Bewegungsmustern wie bestimmten Reflexen, permanente Schläfrigkeit oder – im Gegenteil – ständig schrilles Schreien oder Krampfen, mangelnde Kontaktaufnahme (keine Reaktion auf Lächeln etc. spätestens im 2. Lebenshalbjahr) und später eine stark verzögerte Sprachentwicklung.

Quelle

Kindergesundheit
Romanus RöhneltKindergesundheit

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